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WM 2022: NGO beklagt Misshandlung von LGBTQ-Personen in Katar

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Von: Niklas Kirk

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Laut einem Bericht von Human Rights Watch soll die katarische Polizei LGBT-Personen verhaftet und misshandelt haben. Katar bestreitet die Vorwürfe.

Frankfurt – Einen Monat bevor es für die deutsche Nationalmannschaft bei der WM 2022 in Katar ernst wird, haben die Vorwürfe über unzureichende Achtung von Menschenrechten im Emirat weiter Bestand und neue Aktualität. Neben dem großen Kritikpunkt der unzulänglichen Arbeitsrechte sorgt nun ein Bericht über willkürliche Verhaftung queerer Personen für Aufsehen.

So seien laut Bericht von Human Rights Watch zwischen 2019 und 2022 mindestens sechs Personen während ihrer Ingewahrsamnahme von katarischen Sicherheitskräften misshandelt wurden. Der letzte Fall soll aus dem September dieses Jahres stammen.

Misshandlung von LGBTQ-Personen vor dem WM – Berichte über verbale Beleidigungen und körperliche Angriffe

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation berichteten vier Transfrauen, eine bisexuelle Frau und ein schwuler Mann, wie sie von Angehörigen des katarischen Innenministeriums in einem Gefängnis in der Hauptstadt Doha festgehalten wurden. Die Sicherheitskräfte hatten die Inhaftierten verbal schikaniert und körperlich misshandelt. Zu Anklagen gegen die Inhaftierten wegen ihrer vermeintlichen Vergehen sei es im Nachgang der Festnahme nicht gekommen.

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Das DFB-Team mit einer Aktion zur Aussprache für Menschenrechte © DPA Deutsche Presseagentur

Die körperlichen Misshandlungen sollen nach Angaben der Betroffenen von Ohrfeigen bis hin zu Tritten und Schlägen gereicht haben. Durch die Drangsalierungen sollen weiter Geständnisse erzwungen worden sein.

Alle Beschuldigten berichten außerdem, dazu gedrängt worden zu sein, eine Verpflichtungserklärung zu unterschreiben, in der sie versichern „unmoralische Aktivitäten“ in Zukunft einzustellen. Um weitere Hinweise auf in Katar illegale homosexuelle Handlungen zu bekommen, zwangen die Sicherheitskräfte die Beschuldigten offenbar ihrer Mobiltelefone zu entsperren, um an Kontaktinformationen anderer LGBTQ-Personen zu gelangen.

Während der ganzen Prozedur soll ihnen darüber hinaus der Zugang zu Rechtsbeistand, Familie und medizinischer Versorgung verwehrt geblieben sein.

Misshandlung von LGBTQ-Personen vor dem WM – Katar weist die Vorwürfe des Berichts zurück

Als Reaktion auf den Bericht, wies ein katarischer Regierungsbeamter, die Anschuldigungen gegenüber der AFP als „kategorisch und eindeutig falsch“ zurück. Der katarische Staat dulde keine Diskriminierung und Politik und Verfahren basieren „auf einer Verpflichtung zu den Menschenrechten für alle“.

Homosexuelle Handlungen sind in Katar verboten und können mit bis zu sieben Jahren Haft bestraft werden. Noch vor kurzem beteuerten FIFA, durch Präsident Infantino, als auch Verantwortliche des WM-Orgakommitees, dass alle Gäste unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung willkommen seien. Der nun vorliegende Bericht dürfte Fragen darüber aufwerfen, inwiefern diese Beteuerungen in der Praxis standhalten.

Im September wurden die vielfältigen Kritikpunkte an der WM in Katar am DFB-Campus in Frankfurt im Rahmen eines Menschenrechtskongresses erörtert, an dem auch der katarische Botschafter in Deutschland teilnahm. (nki)

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