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Katars Menschenrechtslage ist in Südamerika kaum ein Thema

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Von: Johannes Skiba

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In Deutschland sind die Menschenrechtsverletzungen von Katar ein im Rahmen der WM 2022 viel diskutiertes Thema. In Südamerika sieht dies anders aus.

Doha – Das Eröffnungsspiel der WM 2022 in Katar zwischen dem Gastgeber und Ecuador wird sicher nicht als eines der spektakulärsten WM-Spiele der Geschichte in Erinnerungen bleiben. Mit dem 2:0 haben die Südamerikaner nichtsdestotrotz eine gute Grundlage für das Erreichen des Achtelfinales legen können. Der 21-jährige Moisés Caicedo von Premier League-Klub Brighton and Hove Albion zeigte dabei eine vielversprechende Leistung. Das größte Talent Ecuadors ist auch aufgrund seines steilen Aufstiegs in aller Munde.

Folglich war Caicedo zusammen mit seinem argentinischen Trainer Gustavo Alfaro am Vortag des Eröffnungsspiels der WM 2022 zur Pressekonferenz geladen. Angesprochen auf die Menschenrechtslage in Katar reagierte der Youngster überfordert und schaute zu seinem Coach, der ihm aus der Situation heraushalf: „Bringen Sie ihn nicht in Schwierigkeiten“, sagte Alfaro, während er den Rücken von Caicedo mit seiner Hand streichelte. „Wir sind für alle Menschenrechte, für Gleichheit. Doch sie sind auch Fußballspieler, sie haben ihre Träume und sie verdienen es, dafür respektiert zu werden.“

Brasilien: Zwischen WM 2022 und Politik

Moisés Caicedo wirkt sehr ruhig und bescheiden. Doch für junge Topspieler aus Südamerika sind die Diskussionen um die außersportlichen Themen von Katar etwas weniger greifbar als hierzulande. Viele Spieler, wie eben auch Caicedo, stammen selbst aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Der Weg zum Profifußballer ist in Südamerika besonders hart und belastend. Wenn die vielen Hürden erst einmal überwunden sind, gilt der Fokus oft lange Zeit einzig der Verbesserung der finanziellen Situation der eigenen Familie. Caicedo mit der Lage in Katar zu konfrontieren, scheint der falsche und etwas unfaire Ansatz.

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Ecuadors Nationaltrainer Gustavo Alfaro streichelt Toptalent Moisés Caicedo über den Rücken. © Potts/imago

Insgesamt ist die Berichterstattung in Südamerika über die Menschenrechtslage in Katar überschaubar. Das hat weniger mit einem Desinteresse zu tun, sondern viel mehr mit eigenen tiefgreifenden nationalen Problemen. In Brasilien beispielsweise spaltete der monatelange Wahlkampf zur Präsidentschaftswahl zwischen Jair Bolsonaro und Lula das Land. Auch der Fußball blieb davon nicht unberührt. Neymars Unterstützung für den rechtsradikalen Bolsonaro sorgte bei Lulas Anhängerschaft für Ärger. So gehen auch innerhalb der brasilianischen Nationalmannschaft die politischen Haltungen auseinander. Eine Auseinandersetzung mit der Situation in Katar findet daher kaum Raum.

Argentinien: Dritter Titel bei WM 2022?

Auch in Argentinien wird nur vereinzelt über die Menschenrechtsverletzung im Gastgeberland Katar berichtet. Neben der angespannten wirtschaftlichen Lage des Landes wird dem Abschneiden der argentinischen Nationalmannschaft vieles untergeordnet. Nachdem der Tod von Diego Maradona vor rund zwei Jahren ein Vakuum im Herzen der fußballbegeisterten Nation geschaffen hat, ist die Sehnsucht nach dem dritten Titel bei der WM 2022 in Katar gigantisch und mit der Hoffnung verbunden, dass die Leere mit einem WM-Triumph gefüllt werden kann. (jsk)

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