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WM: Flitzer-Wirbel um Regenbogen-Aktivisten

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Von: Stefan Krieger

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Ein Aktivist sendet während des WM-Spiels zwischen Portugal und Uruguay drei wichtige Botschaften in die Welt. Dann wird er abgeführt.

Doha – Ein „WM-Flitzer“ ist in Katar mit einer Regenbogenflagge auf den Platz gestürmt und hat damit ein Zeichen für die Menschenrechte gesetzt. Der Aktivist war während der zweiten Halbzeit des Spiels zwischen Portugal und Uruguay auf das Spielfeld gerannt und befand sich etwa 30 Sekunden auf dem Rasen, bevor er von Sicherheitsleuten abgeführt wurde.

Mit Regenbogenfahne und politischem Superman-Shirt rannte der Mann bei der WM 2022 über den Rasen des Lusail-Stadions. „Save Ukraine“ auf der Vorderseite des blauen T-Shirts, auf der Rückseite „Respect for Iranian Woman“ – die drei Botschaften des Italieners Mario Ferri gingen am Montag (28. November) um die Welt.

Ferri, der selbst bei Clubs in seiner Heimat, in Indien und Jordanien höherklassig Fußball gespielt hat, hat bereits etliche Flitzer-Aktionen hinter sich – unter anderem beim deutschen WM-Spiel in Südafrika 2010 gegen Spanien.

WM 2022 - Portugal - Uruguay
IM Fernsehen nicht zu sehen: Mario Ferri setzt ein politisches Zeichen bei der WM. © Tom Weller/dpa

WM 2022: Flitzer mit politischem Statement

Kurz vor seiner Aktion postete Ferri Kurzvideos beim Netzwerk Instagram, er huldigte seinem großen „Idol“ Cristiano Ronaldo. Angekündigt hat er seine Aktion dabei nicht. Ferri lief über den Rasen, wurde von Ordnern gestoppt und in die Katakomben gebracht. Bei der TV-Übertragung wurden die Bilder nicht gezeigt, was allerdings seit Jahren im Weltfußball bei solchen Zwischenfällen üblich ist. Die Regenbogenflagge wurde von Schiedsrichter Alireza Faghani aufgehoben und vom Platz gebracht.

Die Regenbogenfahne ist ein zentrales Symbol für die LGBTQI*-Community. LGBT ist die englische Abkürzung für lesbisch, schwul, bisexuell und Transgender. Jeder Buchstabe steht für die eigene Geschlechtsidentität oder die sexuelle Orientierung. Homosexualität ist in Katar verboten und wird mit bis zu sieben Jahren Gefängnis bestraft. Der Schriftzug „Save Ukraine“ spielt deutlich auf den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine an. „Respect for Iranian Woman“ beschäftigt sich mit dem Schicksal von Tausenden im Iran, wo seit Wochen gegen die Regierung und das islamische Herrschaftssystem protestiert wird. Die Aufstände werden oft von Frauen angeführt. Berichtet wird über viele Tote. Der Schiedsrichter der Partie, Alireza Faghani, ist Iraner.

Flitzer bei der WM 2022: Wie reagiert Katar?

Der Weltverband FIFA und das WM-Organisationskomitee äußerten sich bis Dienstagmittag nicht zu dem Vorfall. Es blieb unklar, ob Ferri in Gewahrsam der Staatsmacht ist, oder das Stadion ohne Begleitung der Sicherheitskräfte verlassen durfte.

Anders als in den nationalen Ligen und europäischen Club-Wettbewerben gibt es bei einer WM keinen Heimverein, der für Zwischenfälle mit Zuschauern verantwortlich gemacht wird. Der Fall liegt somit vorerst bei den Ordnungskräften des WM-Ausrichters. Grundsätzlich werden Flitzer im Fußball erst einmal zur Kasse gebeten, es gibt aber große Unterschiede bei der Rechtssprechung. Nachdem während des WM-Finales 2018 in Russland gleich vier Aktivisten der Polit-Punk-Gruppe Pussy Riot in Polizeiuniformen auf den Rasen gelangt waren, hatte ein Moskauer Gericht 15 Tage Arrest verhängt. In Katar könnte beim weiteren Vorgehen eine Rolle spielen, dass nach der massiven Kritik in den Monaten und Jahren vor der Endrunde internationale Medien sehr genau auf die Behandlung des Regenbogen-Aktivisten blicken werden.

Bei den Spielern jedenfalls traf die Aktion auf Verständnis. „Ich hoffe, dass dem Jungen nichts passiert“, sagte der portugiesische Mittelfeldspieler Rúben Neves nach der Partie, die Portugal die Teilnahme am Achtelfinale sicherte. „Wir alle haben seine Botschaft verstanden, die ganze Welt.“ Ob der Ausrichter der Weltmeisterschaft das ähnlich entspannt sieht, bleibt allerdings abzuwarten. (skr/dpa)

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