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Tagebuch zur WM 2022: 84 und noch kein bisschen müde

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Von: Jan Christian Müller

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Jan Christian Müller, Sportreporter bei der Frankfurter Rundschau, berichtet live von der WM 2022 in Katar.
Jan Christian Müller, Sportreporter bei der Frankfurter Rundschau, berichtet live von der WM 2022 in Katar. © afp/dpa/Imago/N. Bruckmann/M. Litzka (Montage)

Jan Christian Müller berichtet live von der WM 2022. In seinem Tagebuch schreibt er über die Ereignisse vor Ort.

Doha - Also, mit inzwischen 59 Lebensjahren fühle ich mich inmitten der vielen jungen Kollegen bei der WM 2022 schon ganz schön alt. Ein paar etwas betuchtere Kollegen sind noch übriggeblieben. Oliver Hartmann, Chefreporter des „Kicker“, erlebte wie ich seine erste Weltmeisterschaft vor Ort 1998 in Frankreich. Klaus Bergmann von der Deutschen Presse-Agentur war schon 1990 in Italien dabei. Die beiden gehören zu meinen Lieblingskollegen. Man muss sie nur erst kennengelernt haben. Hat nur ungefähr 20 Jahre gedauert.    

Wenn ich so zurückdenke: Es geht irgendwie schnell von damals, dem 15. November 1989, als ich zum ersten Mal für den Weser Kurier aus Bremen von einem Länderspiel berichten durfte, bis heute, Freitag, dem 27. November 2022. In jener längst vergangenen Zeit 1989 spielte Deutschland das entscheidende WM-Qualifikationsspiel gegen Wales in Köln. Es wurde knapp am Ende, die Stimmung war sechs Tage nach dem Mauerfall unglaublich.

WM 2022: Hartmut Scherzer erlebt seine 16. Fußball-Weltmeisterschaft

Natürlich war Hartmut Scherzer damals schon dabei, und er ist es heute noch, mit 84 Jahren. Dies ist seine 16. Fußball-Weltmeisterschaft, er berichtete schon 1962 aus Chile, als Sepp Herberger noch Trainer der deutschen Mannschaft war. Diesmal hier in Katar hat Hartmut allerdings heftige Probleme mit seinem Rechner gehabt als damals mit seiner mechanischen Schreibmaschine. Keine Mail ging raus, er war der Verzweiflung nahe.

Hartmut Scherzer ist auch bei der WM 2022 in Katar dabei.
Hartmut Scherzer ist auch bei der WM 2022 in Katar dabei. © Jan Christian Müller

Aber man kann über die Politik der Fifa ja sagen, was man will, sie lässt einen nicht im Stich, wenn der Laptop nicht funktioniert. Drei Tage lang haben die IT-Spezialisten des Weltverbands an Hartmuts Postausgang gewerkelt, so lange, bis endlich wieder Mails ihre Empfänger erreichten. Ich habe Hartmut im riesigen zentralen Medienzentrum von Doha getroffen, als die Arbeit gerade erfolgreich abgeschlossen war. Er war überglücklich.

WM 2022: Hartmut Scherzer ist das Schlachtschiff der Sportjournalist:innen-Branche

Beim Spiel gegen Japan saß er in der Reihe direkt hinter mir. Als freier Journalist versucht die Reporterlegende nun mühsam, seine Artikel an Zeitungen zu verkaufen. Wenn ihr ein bisschen mehr über das Schlachtschiff unserer Branche wissen wollt, lest diesen Artikel, den ich vor ein paar Jahren mal über ihn geschrieben habe. Unsere Onlineredaktion hat ihn euch hier verlinkt. Ich will jetzt nicht angeben, aber tue es trotzdem: Der Text ist wirklich ganz interessant. Es lohnt sich, sich zwei Minuten Zeit dafür zu nehmen.

Der rasende Reporter Hartmut Scherzer hat das wahrscheinlich dickste Sportbuch geschrieben, das je verlegt wurde. Es heißt „Welt Sport“ und erzählt seine Geschichten aus fast 65 Reporterjahren. Ich mache hier gern ein bisschen Werbung dafür. Und berichte morgen darüber, wie wir in unserer 4-Mann-Männer-WG hier im ziemlich öden Wüstennest Al Khor so klarkommen. (Jan Christian Müller)

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