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DFB erhebt schwere Vorwürfe – „Wir sind von der FIFA massiv erpresst worden“

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Von: Sascha Mehr

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Manuel Neuer, Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, darf die „One Love“-Binde nicht tragen. Der DFB erhebt schwere Vorwürfe gegen die FIFA.

Katar – Der Verbot der „One Love“-Kapitänsbinde bei der WM 2022 durch den Weltverband FIFA schlägt weiter hohe Wellen. Eigentlich wollte Manuel Neuer, Spielführer der deutschen Nationalmannschaft, und mehrere Kapitäne anderer Mannschaften diese Binde, die für Vielfalt, Offenheit und Toleranz steht, bei der WM in Katar tragen. Der Fußball-Weltverband verbietet das aber und verweist darauf, dass alle Kapitäne eine von der FIFA bereitgestellten Kapitänsbinde tragen müssen.

WM 2022: DFB-Elf trägt „One Love“-Binde nicht

„Die FIFA hat eine Aussage für Diversität und Menschenrechte untersagt. Das sind Werte, zu denen sie sich in ihren eigenen Statuten verpflichtet. Wir wollen nicht, dass der Konflikt, den wir zweifellos haben, auf dem Rücken der Spieler ausgetragen wird. Wir stehen zu unseren Werten“, sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf zum FIFA-Verbot. Der DFB gibt also nach und wird die „One Love“-Kapitänsbinde nicht tragen, sondern das Modell der FIFA.

Manuel Neuer mit der „One Love“-Binde.
Manuel Neuer mit der „One Love“-Binde. © IMAGO/ULMER/Markus Ulmer

Am Abend vor dem Montagsspiel der englischen Mannschaft, deren Kapitän Harry Kane die „One Love“-Binde ebenfalls tragen wollte, habe der Turnierdirektor das englische Team besucht, vor einem „mehrfachen Regelbruch“ gewarnt und mit „massiven sportlichen Sanktionen gedroht“, sagte Steffen Simon, Pressesprecher des Deutschen Fußball-Bundes, im Interview mit dem Deutschlandfunk. Um welche Sanktionen es sich genau handele, wurde aber nicht konkretisiert.

WM 2022: „Eine Wahl zwischen Pest und Cholera“

„Das gehört zum Spiel der FIFA, dass sie die Verbände immer im Vagen lassen, sodass man nicht weiß, was genau an sportlichen Sanktionen vollzogen würde“, so Simon weiter. „Wir sind in einer extremen Erpressung gewesen, in der wir so handeln mussten, wie wir nicht wollten“, klagte der DFB-Pressesprecher, der die Entscheidung für oder gegen die „One Love“-Binde als extrem schwierig beschrieb: „Eine Wahl zwischen Pest und Cholera.“

Simon verteidigte aber die Entscheidung des DFB, die „One Love“-Binde nicht einzusetzen: „Wir sind nicht eingeknickt vor der FIFA. Wir haben zwar die Binde verloren, aber nicht unsere Werte“. Nun müsse man sich andere Formen ausdenken, diese kundzutun. Er räumte aber ein: „Wir haben das Symbol verloren - und das schmerzt sehr.“

WM 2022: DFB plant offenbar rechtliche Schritte gegen die FIFA

Nach Informationen der Bild plant der Deutsche Fußball-Bund nun, rechtliche Schritte vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne einzuleiten. Es wird die Möglichkeit eines sogenannten Antrags auf vorläufigen Rechtsschutz bei der Ad-Hoc-Division des CAS geprüft.

Erreichen will der DFB demnach, dass Kapitän Manuel Neuer die „One Love“-Binde spätestens im zweiten Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Spanien tragen darf. Für die Partie gegen Japan ist das auch noch möglich, wird aber sehr knapp, weil das CAS eine Prüfzeit von bis zu 48 Stunden hat. Der DFB-Antrag auf vorläufigen Rechtsschutz würde sich auf alle Spiele der DFB-Auswahl in Katar bis zum Ausscheiden oder Erreichen des Endspiels beziehen, so die Bild.

Unterdessen hat der Handelsriese Rewe auf die Entscheidung der FIFA zur „One-Love“-Kapitänsbinde reagiert und die Zusammenarbeit mit dem DFB beendet. (smr)

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