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Deutschlands WM-Verlierer: Flick und seine Absagen – ganze Top-Elf bleibt zuhause

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Von: Marcus Giebel

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26 Profis sind für das DFB-Team bei der WM in Katar dabei - mehr als je zuvor. Doch prominente Namen fehlen. Mats Hummels, Robin Gosens & Co. zählen zu den Verlierern der Nominierung.

München - Die Würfel sind gefallen, Bundestrainer Hansi Flick hat seine Auserwählten bekannt gegeben. Der Nachfolger von Joachim Löw hat dabei auch vom Privileg Gebrauch gemacht, erstmals 26 Akteure nominieren zu dürfen, die den DFB bei der WM 2022 in Katar vertreten und den fünften Stern für das Trikot erspielen sollen. Die Chance, auf den WM-Zug aufzuspringen, war damit von den nackten Zahlen her so groß wie noch nie.

Dennoch gab es wie vor jeder WM auch diesmal diverse Härtefälle. Und damit Enttäuschte, die sich die längste Winterpause ihres Fußballerlebens wohl anders vorgestellt hatten als mit Testspielen und wochenlangem Urlaub. Für sie bleibt diese WM nur ein Fernseherlebnis, wie tz.de berichtet.

WM 2022: Werner, Reus & Co. fehlen in Katar wegen Verletzungen

Da wären die großen Pechvögel, die wegen einer Verletzung nicht infrage kamen oder zumindest nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte gewesen wären. Timo Werner fehlt wegen eines Syndesmosebandrisses, bei Lukas Nmecha macht die Patellasehne Probleme, Florian Neuhaus muss wegen einer Kreuzbandverletzung passen, Mahmoud Dahoud plagt sich mit einer Schulterblessur.

Und dann wäre da noch Marco Reus, der sich einmal mehr vorkommen muss wie am Murmeltiertag: alles schonmal dagewesen, irgendwie ist es doch jedes Mal das Gleiche. Eine Entzündung im Sprunggelenk nach dem erlittenen Außenbandanriss beim 1:0 über Schalke 04 nahm dem Kapitän von Borussia Dortmund alle Hoffnungen, endlich einmal bei einer WM groß aufspielen zu können. „Er wird uns fehlen“, bedauert auch Flick den Ausfall, denn das Team hätte „seine Qualität gut gebrauchen können“.

Marco Reus liegt mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Rasen
Schmerzhafter Anblick: Die Sprunggelenksverletzung aus dem Revier-Derby kostet Marco Reus letztlich die WM-Teilnahme. © IMAGO / Revierfoto

Wer fehlt in Katar? Wirtz nach Kreuzbandriss noch nicht wieder fit genug

Zum falschen Zeitpunkt kommt das Turnier auch für Florian Wirtz, dem Shootingstar von Bayer Leverkusen und der gesamten Bundesliga in der vergangenen Saison. Ein Kreuzbandriss stoppte den fulminanten Aufstieg des Teenagers im März jäh, bis heute kehrte er nicht auf den Platz zurück, um die gegnerischen Abwehrreihen aufzuscheuchen.

Gemeinsam mit Jamal Musiala und Karim Adeyemi hätte Wirtz für frischen Wind in der zuweilen ideenarmen DFB-Offensive sorgen und neue Spielfreude versprühen können. Doch für den 19-Jährigen bleibt der Trost, dass seine Zeit noch kommen wird.

Hummels und die WM 2022: Unter Flick wurde BVB-Star noch nie nominiert

Für andere Profis mit weit mehr Erfahrung dürfte die Nichtberücksichtigung dagegen ein echter Nackenschlag gewesen sein. Mats Hummels zum Beispiel, gefeierter Weltmeister 2014 und einst unumstrittener Abwehrorganisator. Der 33-Jährige unterstrich beim BVB zwar in dieser Saison erneut seinen Wert und ist trotz der prominenten Zugänge Nico Schlotterbeck und Niklas Süle aus der Abwehr der Schwarz-Gelben nicht wegzudenken.

Doch Flick entschied sich eben für die beiden jüngeren Vereinskollegen. Für Hummels dürfte das wohl das endgültige Aus im DFB-Team bedeuten. Nachdem er im vergangenen Sommer - zweieinhalb Jahre nach seiner Ausbootung, gemeinsam mit Jerome Boateng und Thomas Müller - rund um die EM sein Comeback gab und wieder gesetzt war. Unter Flick wurde der einstige Profi des FC Bayern allerdings noch nicht einmal nominiert, auch Antonio Rüdiger und Matthias Ginter stehen bei ihm höher im Kurs.

Dabei hatte Hummels zuletzt bei Sky betont, „jede Rolle so gut es geht“ ausfüllen zu wollen, sollte ihm ein WM-Ticket ausgehändigt werden. Demnach hätte sich der Leader also auch mit einem Platz auf der Bank anfreunden können.

Mats Hummels (M.) und Robin Gosens (l.) beim Aufwärmen
Die WM 2022 findet ohne sie statt: Mats Hummels (M.) und Robin Gosens (l.) wurden von Bundestrainer Hansi Flick nicht nominiert. © IMAGO / Sven Simon

Torwartfrage bei der WM 2022: Leno hat das Nachsehen gegenüber Trapp

Von mehr hätte Bernd Leno sicher nicht zu träumen gewagt. Doch der Keeper vom FC Fulham hat nun endgültig schwarz auf weiß, dass ihm Kevin Trapp den Rang als Nummer drei hinter den gesetzten Schlussmännern Manuel Neuer und Marc-Andre ter Stegen abgelaufen hat. Bei der EM 2021 stand der Wahl-Londoner noch im Kader, weil der Barca-Profi verletzt fehlte. In diesem Jahr jedoch fiel der Name Leno nicht ein einziges Mal, wenn Flick seine Kader auflistete.

Noch vor nicht allzu langer Zeit schien es bei der Frage nach der Prinzenrolle hinter Neuer auf einen Zweikampf zwischen ihm und ter Stegen hinauszulaufen. Spätestens jetzt ist fraglich, ob Leno überhaupt noch einmal im DFB-Kader stehen wird. Auch wenn sich, abgesehen von Alexander Nübel, nicht allzu viele Vertreter der nachfolgenden Generation aufdrängen.

WM in Katar ohne Gosens: Profi bei Inter Mailand zumeist nur Ersatz

Ein Denkzettel ist Flicks WM-Aufgebot auch für Robin Gosens, der bei der EM mit seinen Flügelläufen viele Fans in seinen Bann zog und besonders als Profi ohne Ausbildung in einem Nachwuchsleistungszentrum Hoffnung auf Spielzüge abseits von Schema F nährte. Beim 4:2 über Portugal gelang ihm mit drei Torbeteiligungen das Spiel seines Lebens - damit sorgte er für den einzigen begeisternden Auftritt des DFB-Teams im Turnier.

Zum Verhängnis wurde dem Linksfuß sein Wechsel von Atalanta Bergamo zu Inter Mailand, denn bei den „Nerazzurri“ stand er seit Mitte September nur noch einmal in der Startelf. Ob der 28-Jährige künftig wieder eine Alternative für Flick wird, muss sich zeigen - in Katar darf sich neben dem derzeit auch nicht konstanten David Raum als Backup Christian Günter beweisen. Gosens war 2022 lediglich einmal gefragt: Beim 3:3 in England kam er beim Stand von 2:0 als Linksverteidiger in die Partie - die folgenden 22 Minuten waren alles andere als ein Bewerbungsschreiben.

Hansi Flick sitzt hinter einem Mikrofon und grinst
Hatte gute Laune bei der Kaderverkündung: Hansi Flick geht in sein erstes Turnier als Bundestrainer. © IMAGO / Beautiful Sports

WM 2022 verpasst: Flick verzichtet auf formschwache Tah und Can

Eine große Zukunft war eigentlich Jonathan Tah vorausgesagt worden. Der Abwehrrecke debütierte kurz nach seinem 20. Geburtstag, stand wenig später im Kader der EM 2016, verpasste seither aber den nächsten Schritt. Nie stand er in mehr als zwei DFB-Partien nacheinander auf dem Rasen. Unter Flick spielte der 26-Jährige zwar zweimal durch, bekam im Sommer jedoch nur drei Minuten beim 5:2 über Italien und fehlte im September komplett. Kein Wunder: Mit Bayer Leverkusen spielt Tah eine völlig verkorkste Saison, auch für ihn muss es darum gehen, erstmal wieder in die Spur zu finden.

Das gilt auch für Emre Can, der in Dortmund zuletzt mehr mit Kritik an der Mannschaft als mit Leistung auf sich aufmerksam machte. In der Bundesliga war der Allrounder zumeist nur Ersatz, fehlte in den jüngsten beiden Partien. Das DFB-Trikot trug er zuletzt bei der EM, für Flick scheint selbst Cans Flexibilität kein Grund zu sein, den 28-Jährigen zu testen.

Leipziger im DFB-Team für die WM: Flick entscheidet sich für Klostermann und gegen Henrichs

Auch Marcel Halstenberg wartet unter dem Bundestrainer noch auf seine erste Berufung. Der Linksverteidiger hat zwar seinen Anteil am Aufschwung von RB Leipzig unter Trainer Marco Rose, doch diese Entwicklung kommt offensichtlich zu spät.

Auch für Teamkollege Benjamin Henrichs bleibt die Reise nach Katar aus, der Rechtsverteidiger stand aber zumindest beim 1:1 gegen Italien im Juni noch in der Startelf. Auf seiner Position entschied sich Flick neben Thilo Kehrer überraschend für Lukas Klostermann, der bislang wegen eines Syndesmosebandanrisses nur ein Saisonspiel bestritt und gerade erst wieder auf die RB-Bank zurückkehrte.

Flicks WM-Kader: Keine Chance für Arnold und Volland

Eher Außenseiterchancen hatte wohl Maximilian Arnold, der vor einem Jahr seine Länderspiele Nummer zwei und drei bestritt, im September aber zumindest nominiert war. Mit dem VfL Wolfsburg kommt der Linksfuß gerade auf Touren, doch auf seiner Position im zentralen Mittelfeld stehen Flick mit Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Ilkay Gündogan oder Musiala echte Weltklassespieler zur Verfügung.

Angesichts der Personalsorgen in der Offensive hätte womöglich auch Kevin Volland eine Überlegung wert sein können. Der Profi von der AS Monaco kam bei der EM 2021 zu zwei Kurzeinsätzen, Flick schickte ihn im vergangenen November in der WM-Qualifikation zweimal als Joker aufs Feld. Allerdings fiel der Linksfuß in dieser Saison wegen einer Verstauchung im Sprunggelenk wochenlang aus, wurde erst kürzlich wieder in die Startelf der Monegassen beordert. Wohl auch deshalb fiel die Wahl stattdessen auf die Debütanten Niclas Füllkrug und Youssoufa Moukoko.

Die Übersicht zeigt jedoch: Auch mit den ganzen daheimgebliebenen Stars ließe sich eine ordentliche Mannschaft zusammenstellen - inklusive stark besetzter Ersatzbank.

Startelf: Leno - Henrichs, Tah, Hummels, Gosens - Dahoud, Neuhaus - Reus, Wirtz - Nmecha, Werner

Bank: Halstenberg, Can, Arnold, Volland (mg)

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