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Kann sich unter Männern ein Profil verschaffen: die neue Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg.

Fußball-Bundestrainerin

Mit Witz und Weitblick

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Martina Voss-Tecklenburg gefällt bei ihrer Vorstellung als Bundestrainerin.

Dass Martina Voss-Tecklenburg am Tag vor ihrer Präsentation noch einen Friseurbesuch eingeschoben und ihr äußeres Erscheinungsbild geändert hat, wird kein Zufall gewesen sein. Auf die öffentliche Vorstellung als neue Bundestrainerin der deutschen Frauen-Nationalmannschaft hatte die 50-Jährige ja viel zu lange warten müssen, „nun bin ich froh, dass es endlich losgeht“.

Obwohl ihre Verpflichtung bereits Ende April verkündet worden war, konnte ihr bis Sommer 2021 datierter Vertrag erst kürzlich am 15. November Gültigkeit erlangen. Einfacher Grund: Die gebürtige Duisburgerin wollte ihre Mission als Schweizer Nationaltrainerin nicht vorzeitig aufgeben, doch letztlich schaffte sie es über den ungewollten Umweg der Playoffs nicht, die Schweizerinnen zur Frauen-WM 2019 in Frankreich zu führen. Das Doppelleben, sagte sie am Freitag, sei „nicht so einfach gewesen“, denn im Hintergrund wurde sie von ihrer Co-Trainerin Britta Carlson bereits über alle Entwicklungen bei den DFB-Frauen informiert. 

Nach eigenem Bekunden sei die Berufung das „i-Tüpfelchen“ und auch gleichzeitig „der letzte Schritt meiner Trainerkarriere“. Kaum jemand aus dem Kreis verdienter deutscher Fußballerinnen hat sich so konsequent in diesem Metier weiterentwickelt. Sie ist eine echte Anführerin, die Witz mit Weitblick verbindet und als ebenso kompetent wie selbstbewusst gilt. Und: Voss-Tecklenburg gehen jegliche Berührungsängste mit Männerrunden ab.

Ihre Ansagen sind klar, ihre Vita ist facettenreich. Dazu verfügt sie über einen breiten Erfahrungshorizont als Trainerin, der der in dieser Funktion am Ende überforderten Steffi Jones vollkommen fehlte. Dass Interimscoach Horst Hrubesch ihr wieder ein funktionierendes Team übergibt, erleichtert die Aufgabe. „Horst hat mir eine Basis gelegt“, lobte Voss-Tecklenburg, die aber wohl mehr als die von ihr genannten „Nuancen“ sieht, um das junge Ensemble noch besser zu machen. 

Auch im Aufsichtsrat tätig

Allein die hochkarätige Besetzung bei ihrer Vorstellungsrunde in der DFB-Zentrale mit Präsident Reinhard Grindel untermauerte, welchen Stellenwert der neuen Führungskraft zukommt, die sich bei einer zufälligen Begegnung auch mit Joachim Löw schon ausgetauscht hat. Der „Flankengott aus dem Kohlenpott“ (Grindel) stehe für attraktiven Fußball und soll „an die Erfolge der Vergangenheit anknüpfen“. Ihre Nebentätigkeit als Aufsichtsratsmitglied beim Bundesligisten Fortuna Düsseldorf dürfe Voss-Tecklenburg übrigens fortführen, erläuterte der Verbandschef: Die hauseigene Ethikkommission konnte keine Interessenskonflikte erkennen.

Obwohl ihr abruptes Ende aus der Nationalmannschaft nach 125 Länderspielen – die damalige Bundestrainerin Tina Theune bootete sie nach einem Streit mit ihrer Mitspielerin Inka Grings vor den Olympischen Spielen 2000 in Sydney aus – eher unschön verlief, war Voss-Tecklenburg sofort Feuer und Flamme, als „das Heimatland rief“, wie sie es formulierte. „Ich bin ein Kind des DFB. Ich habe mit 16 Jahren mein erstes Länderspiel gemacht. Ich habe große Lust auf diese Aufgabe.“ 

Interessant: Oliver Bierhoff als Direktor Nationalmannschaften benannte zwar die Zielsetzung „Frauen und Männer zurück an die Weltspitze“ zu führen, aber eine klare Vorgabe für die Frauen-WM 2019 in Frankreich (7. Juni bis 7. Juli) gab er nicht aus. Auch die neue Trainerin wollte sich diesbezüglich nicht festlegen, sondern erst die Eindrücke eines Trainingslagers im Januar in Marbella und einer Frankreich-Reise im März einwirken lassen. Aber sie sagte dann auch: „Ich möchte Titel gewinnen. Ich war noch nie Weltmeisterin.“

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