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Die Medienerlöse machen 37 Prozent der Gesamteinnahmen der ersten Liga aus.

DFL-Wirtschaftsreport 2020

Wirtschaftsreport der DFL: Geld rein, Geld raus

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Die Deutsche Fußball-Liga vermeldet erneut einen Rekordumsatz, muss sich aber auch ein paar Sorgen machen.

Neuer Umsatzrekord, aber auch einige Grauschleier und ein paar dunkle Wolken. So lassen sich die am Mittwoch im „DFL-Wirtschaftsreport 2020“ veröffentlichten Zahlen für die Bundesliga- und Zweitligasaison 2018/19 zusammenfassen. Die 18 Erstligisten haben laut der alljährlich herausgegebenen Zahlenkolonnen der Deutschen Fußball-Liga insgesamt 4,02 Milliarden Euro (plus 5,4 Prozent im Vergleich zur Vorsaison) eingenommen, das allermeiste Geld aber auch postwendend wieder ausgegeben.

Am Ende blieb ein relativ kleiner Gesamtgewinn aller 18 Klubs nach Steuern von lediglich 128 Millionen Euro, der traditionell vor allem von den Branchenführern getragen wird. In der Spielzeit 2017/18 waren es insgesamt gar nur 102 Millionen Euro gewesen, in der Saison davor immerhin 145 Millionen Euro. Wie dem auch sei: Die Umsatzrendite im deutschen Profifußball fällt im Vergleich zur freien Wirtschaft und zur englischen Premier League klein aus.

Der 15. Umsatzrekord in Folge klingt jedenfalls rekordverdächtiger, als er eigentlich ist. Denn er wurde noch mehr als zuvor durch die von der DFL ausgehandelten Medienverträge getrieben. Die Gesamterlössteigerung um 206 Millionen Euro relativiert sich dadurch, dass alleine die mediale Verwertung ein Plus von 235 Millionen Euro einbrachte. Insgesamt erwirtschaftete das Büro von DFL-Boss Christian Seifert 1,5 Milliarden Euro durch den Verkauf von TV-, Internet- und Audiorechten in Deutschland und der ganzen Welt.

Diese Medienerlöse machen 37 Prozent der Gesamteinnahmen der ersten Liga aus. Die Einnahmen aus Werbung (845 Millionen Euro) und Eintrittskarten (520 Millionen Euro) waren dagegen sogar rückläufig, ebenso das Merchandising (175 Millionen Euro). Und: Wie schon in der Saison 2017/18 gaben die 18 Klubs auch 2018/19 viel mehr Geld für Transfers aus als sie einnahmen. Diesmal waren es 167 Millionen Euro (842 Millionen Euro Ausgaben, 675 Millionen Einnahmen) Unterdeckung aus Ablösesummen, davor sogar 194 Millionen Euro minus.

Immerhin: 14 Klubs wiesen einen Gewinn nach Steuern aus, das ist einer mehr als in der ausgewiesenen Vorsaison 2017/18, das sind aber auch zwei weniger als 2016/17. Die Tendenz könnte zweifellos besser sein. Auch in der zweiten Liga schafften genau 14 Klubs einen kleinen Gewinn, im Vorjahr waren es 15 Vereine, zwei Jahre zuvor allerdings auch nur neun. Insgesamt entwickelte sich die zweite Liga dynamischer als das Oberhaus.

Noch nicht innovativ genug

In der vergangenen Saison gab es beim Erlös der zweiten Liga ebenfalls einen historischen Höchstwert: 782 Millionen Euro entsprechen einem Anstieg um 28,5 Prozent – auch dank des 2018 erstmals abgestiegenen Großkunden Hamburger SV. Bei Ausgaben von 758 Millionen Euro blieb im Unterhaus ein Häufchen Gewinn übrig, ohne den gewohntermaßen nicht profitabel arbeitenden Umsatztreiber HSV wäre dieses Häufchen natürlich größer gewesen.

Schön anzusehen: Das Eigenkapital der Klubs hat laut DFL „in beiden Ligen ein Rekordniveau erreicht“, ein bisschen Fett für schlechte Zeiten haben sich die meisten also angefressen. In der Bundesliga lag das Eigenkapital bei 1,8 Milliarden Euro, in der zweiten Bundesliga bei 174 Millionen Euro.

Klar, dass DFL-Präsidiumssprecher Seifert in seinem öffentlichen Statement zur Sache vor allem das Positive herausstrich, wenn er auch zurecht nicht in Jubelstimmung ausbrach, was seine Sache sowieso noch nie war: „Wir haben den deutschen Profifußball in den vergangenen Jahren gemeinsam mit unseren Partnern zu einem sehr erfolgreichen Wirtschaftszweig entwickelt, Bundesliga und Zweite Bundesliga verfügen zwischenzeitlich in Summe über eine verlässliche wirtschaftliche Stabilität. Weitere Wachstumsperspektiven ergeben sich künftig vor allem aus digitalen Innovationen und im internationalen Bereich.“

Also: Der Boss weitet vor allem den Blick nach vorn, man weiß, dass er sowohl bei ihren digitalen als auch bei ihren internationalen Anstrengungen manche Klubs gerne noch deutlich innovativer unterwegs sähe.

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