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Glücklos: Die Nationalspieler Nordirlands (grüne Trikots) ärgern sich nach einer vergebenen Torchance gegen Deutschland.

EM-Qualifikation

„Wir hatten sie an der Gurgel“

Die starken Nordiren hadern und hoffen nach der folgenreichen Niederlage gegen Deutschland.

Als die stolzen Gesänge im Windsor Park verklungen waren und das Flutlicht erloschen, blieb dann doch ein ungutes Gefühl zurück bei den Gastgebern. Das Gefühl einer vergebenen Chance. „Wir hatten sie an der Gurgel“, sagte Nordirlands Stürmer Conor Washington über den großen Gegner aus Deutschland, „und dann haben wir sie doch noch vom Haken gelassen.“

0:2 (0:0) gegen den viermaligen Weltmeister, das klang am Ende standesgemäß. Doch der einstige Fußballzwerg hätte durchaus mehr verdient, Nordirland wehrte sich nicht bloß, es griff an. Und zwar so entschlossen, dass Joachim Löws Mannschaft vor allem in der ersten Hälfte wackelte.

Das Team hatte „Deutschland bereits in den Seilen“, schrieb der „Belfast Telegraph“, und bei den „Irish News“ wunderte man sich: „Lange hat man glauben können, dass es die Deutschen waren, die da in Grün spielten.“

Die Niederlage war zwar Nordirlands erste in der laufenden EM-Qualifikation nach zuvor vier Siegen, doch sie hat große Auswirkungen. Die Briten liegen in der Gruppe C nun hinter dem punktgleichen Tabellenführer Deutschland (jeweils 12), die Niederlande (9) können mit derzeit einem Spiel weniger auch vorbeiziehen. Und im Kampf um die beiden Direkttickets für die Endrunde trifft Nordirland nur noch auf diese beiden Schwergewichte. Ein schier aussichtsloses Unterfangen.

Doch dass das kleine Land mittlerweile überhaupt eine solche Rolle spielen kann im internationalen Fußball, das ist bemerkenswert. 2012 übernahm Michael O‘Neill die Auswahl, die sich damals gerade so in den Top 100 der Weltrangliste hielt.

Kein Sparringspartner mehr

„Im internationalen Fußball gehörst du entweder zum Aufwärmprogramm oder zu den großen Turnieren“, sagte Patrick Nelson, Geschäftsführer des nordirischen Verbandes IFA, rückblickend. Der Anspruch war es damals, die Rolle als reiner Sparringspartner endlich abzulegen. Und das gelang unter O‘Neill.

Durch die EM-Qualifikation 2016 nahm Nordirland erstmals nach 30 Jahren an einem großen Turnier teil und stieß ins Achtelfinale vor, vor der WM 2018 scheiterte das Team erst in den Play-offs an der Schweiz und wird mittlerweile auf Rang 29 der Weltrangliste geführt.

Der Weg zur EM ist in einer Gruppe mit Deutschland und den Niederlanden wohl zu steinig für Nordirland. Doch im Kampf um den Gruppensieg zwischen den beiden Topteams könnte der Außenseiter mit seiner zähen, unangenehmen Spielweise noch zum Zünglein an der Waage werden.

„Wir haben gesehen, dass wir auch auf diesem Niveau definitiv mithalten können“, sagte O‘Neill, er sei „stolz auf diese Spieler“. Und war damit wohl nicht allein im stimmungsvollen Getöse des Windsor Parks. (sid)

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