Tanja Pawollek.  
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Tanja Pawollek.  

Interview

„Wir haben genauso das Recht wie die Männer“

Tanja Pawollek, Kapitänin des 1. FFC Frankfurt, zum Re-Start der Frauen-Bundesliga, dem Quarantäne-Trainingslager, den Corona-Tests und der Frage zur Gleichberechtigung.

Seit dem vergangenen Samstag befand sich der 1. FFC Frankfurt im Sporthotel Grünberg in Quarantäne. Wie steht es vor dem Heimspiel zum Re-Start gegen den SC Sand (Freitag 19.15 Uhr/Eurosport) um die Gefühlslage?

Wir sind alle gut drauf. Wir genießen jede Trainingseinheit und bereiten uns optimal auf das Spiel vor. Wir haben alle Lust, nach der langen Zeit wieder zu spielen.

Inwiefern war ein normales Training möglich?

Das Spiel auf dem Platz ist wie immer. Wir haben auch keine Angst, in die Zweikämpfe zu gehen. Ich dachte, am Anfang könnte das passieren. Natürlich ist es eine außergewöhnliche Situation, vor einem Spiel eine Woche lang in Quarantäne zu sein, aber wenn man Fußball spielt und endlich wieder richtig gegen den Ball treten kann, vergisst man das.

Worin liegen die größten Unterschiede zu einem der bislang gewohnten Trainingslager?

Vor jedem Training wird Fieber gemessen, man geht mit einer Maske zum Essen, und jeder hat ein Einzelzimmer. Man hat relativ viel Zeit, weil man nicht zu viel trainieren kann, um am Freitag frisch zu sein. Man geht ja in ein richtiges Punktspiel und nicht in ein Testspiel. Für uns als Spielerinnen ist es aber relativ einfach. Das Management hat vermutlich viel mehr zu tun als wir, um das Konzept des DFB zu erfüllen.

Wie füllen Sie den Freiraum während der Quarantäne?

Das Wetter ist gut, da sind einige draußen und sonnen oder unterhalten sich mit Abstand. Es gibt ja genug Platz. Manche lernen, manche schauen sich auf den Zimmern Serien an. Wir versuchen, unter Wahrung der Regeln eine gute Zeit miteinander zu verbringen, damit sie schnell herumgeht.

Ist es leichter geworden, weil man wieder zusammen ist?

Für jeden war es in der individuellen Isolation schwer, seine Pläne zu machen, laufen zu gehen, Routine in den Tag zu bringen. Natürlich ist es schöner, wenn man mit der Mannschaft zusammen ist. Das schweißt auch zusammen.

Wie haben Sie selbst Ihren Tag organisiert? Sie arbeiten ja neben Ihrer sportlichen Karriere beim Hessischen Fußball-Verband.

Wir sind dort auch im Homeoffice. Deshalb war es für mich relativ einfach, Arbeit und Training im Tagesverlauf unterzubringen. In dieser Woche bin ich freigestellt und kann mich ganz auf den Fußball konzentrieren.

Zur Person

Tanja Pawollek ist Kapitänin beim Frauen-Bundesligisten 1. FFC Frankfurt. Die 21-Jährige gehört zu den jungen Stützen des Tabellensechsten. Sie spielte bis zur männlichen B-Jugend für die SG Rosenhöhe, ehe im Sommer 2016 der Wechsel zum 1. FFC Frankfurt folgte. Sie ist optimistisch, dass dem in diesem Jahr noch ungeschlagenen FFC der Re-Start in die letzten sechs verbliebenen Partien gelingt.

Ihre Mitspielerin Sophia Kleinherne, immerhin Nationalspielerin, konnte wegen einer Abiturprüfung in dieser Woche die für einen Einsatz erforderliche Quarantäne nicht absolvieren. Wie wird die Isolation nach dem ersten Spiel fortgesetzt?

Es ist vorgesehen, dass man sich wieder in häusliche Quarantäne begibt, möglichst wenig das Haus verlässt und auf soziale Kontakte verzichtet, damit man das Risiko minimiert und die Liga wie geplant und möglichst ohne positive Fälle von Covid-19 fortgesetzt werden kann.

Wie wirkt sich die wochenlange Abkapselung psychisch aus?

Jeder würde gerne ein normales Leben führen. Aber jede Fußballerin möchte spielen, und wenn man sich anstecken würde, würde das den gesamten Spielablauf stören. Es ist einfacher, mit der Situation umzugehen, wenn man weiß, ich mache das für das Spiel am Wochenende.

Das ein Geisterspiel sein wird: Ist es für Sie weniger einschneidend als für die Männer, damit umzugehen, weil im Frauenfußball sowieso an vielen Spielorten nur wenige Zuschauer dabei sind?

Wir hätten es auch lieber, wenn Zuschauer da sind und uns anfeuern. Deshalb wird es auch für uns ungewohnt sein. Wenn man im Spiel drin ist, blendet man das sicherlich aus und will einfach die drei Punkte mitnehmen. Außerdem geht es allen Mannschaften so. Deshalb ist das nicht unfair.

Sie werden regelmäßig auf den Erreger getestet. Inwiefern fürchten Sie positive Ergebnisse?

Wir haben keine Angst davor, und es herrscht auch keine Anspannung. Wir gehen alle gut und eigenverantwortlich mit der Situation um. Wir beachten die Regeln und wissen, in welcher Verantwortung wir stehen.

Warum ist es für die Frauen-Bundesliga so wichtig, dass es nach dem Abbruch im März wieder weitergeht?

Wir haben genauso das Recht wie die Männer, Fußball zu spielen. Die Männer zeigen, dass man es kann. Das Hygiene-Konzept verspricht eine größtmögliche Sicherheit, deshalb spricht nichts dagegen. Wir machen das auf einer genauso professionellen Ebene wie die Männer auch.

Durch die Fortsetzung der Liga geht die Geschichte des FFC doch noch auf dem Rasen weiter, bevor er am 1. Juli unter das Dach der Frankfurter Eintracht schlüpft. Ist das für Sie von Bedeutung?

Auf jeden Fall. Der FFC ist ein Traditionsverein im Frauenfußball. So ein abruptes Ende wäre nicht schön gewesen. 

Interview: Katja Sturm

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