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Willkommener Härtest - DFB-Elf mit Licht und Schatten

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Von: Jan Christian Müller

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Bejubelt sein Führungstor: Thomas Müller.
Bejubelt sein Führungstor: Thomas Müller. © IMAGO/Ulrich Hufnagel

Die Siegesserie von Hansi Flick ist in Amsterdam gerissen, doch das 1:1-Unentschieden in den Niederlanden taugte lange als Mutmacher. Am Ende aber hat Deutschland auch Glück.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat im neunten Spiel unter Hansi Flick die erste wirklich zentnerschwere Aufgabe zu bewältigen gehabt. Sie zog sich dabei achtbar aus der Affäre. In Amsterdam gab es gegen die Niederlande ein verdientes und doch auch glückliches 1:1 (0:1). Netter Nebenaspekt: Thomas Müllers Führungstreffer bedeutete: „Uns Thomas“ hat damit 43 und damit ebenso viele Tore erzielt wie „Uns Uwe“ Seeler.

Die Holländer, das muss man schon sagen, sind in ihrer Fußballkultur ein sehr besonderes Völkchen. Sie mögen es, bereits viele Stunden vor dem Anpfiff in konsequent orangen Klamotten ums Stadion herum zu tanzen, als gäbe es kein Morgen mehr, dabei Bier hektoliterweise wegzukippen und eigentümliches Liedgut zu präsentieren, das in deutschen Ohren lustig klingt und ziemlich sicher auch lustig ist.

Aber darum geht es bei diesem Spielbericht natürlich nicht, es sei nur nebenbei erwähnt, weil es natürlich besonders auffällig ist, so viele fröhliche Menschen auf einen Haufen besichtigen zu können nach der ellenlangen Corona-Zeit, die ja auch noch längst nicht vorüber ist. Was man indes rund um die und in der Johan-Cruyjff-Arena gar nicht mitkriegt, in der zudem eine gigantische Techno-Light-Show vor dem Testspiel geboten wurde, fast so, als handele es sich um ein WM-Finale.

Der Bundestrainer Hansi Flick hatte durchaus mindestens eine Überraschung parat mit der von ihm aufgebotenen Startelf. Denn dass dort wiederum Nico Schlotterbeck zu finden sein würde und schon wieder nicht der bei Joachim Löw noch viel höher im Kurs stehenden Matthias Ginter, war so nicht erwartet worden. Mutig auch Flicks Entscheid, dass Jamal Musiala im 45. Aufeinandertreffen der beiden genuinen Fußballnationen gemeinsam mit Ilkay Gündogan die Doppelsechs bildete. Dazu Leroy Sané, Thomas Müller, Kai Havertz, Timo Werner und der stets nach vorn drängende David Raum – mehr personelle Offensive ging wahrlich nicht.

Die Erinnerungen an Amsterdam waren aus deutscher Sicht schön. Vor drei Jahren hatte es in der EM-Qualifikation durch Nico Schulz, damals auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft, ein spätes Tor zum 3:2-Sieg gegeben. Danach glaubte Fußball, dass es tatsächlich auch ohne die damals von Joachim Löw geschassten Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller gut klappen würde. Es hat dann später ja auch mit Hummels und Müller gemeinsam nicht viel funktioniert.

Dieser Müller war der Mann, der mit einem satten Linksschuss kurz vor der Pause die deutsche 1:0-Führung erzielte. Das Tor fiel nach dem pfiffigsten Angriff, den das etwas schwergängige Spiel bis dahin gesehen hatte. Timo Werner passte auf den nicht nur in dieser Szene hervorragenden Jamal Musiala, dessen Hereingabe die Niederländer nur kurz abwehren konnten, ehe Müller humorlos aus elf, zwölf Metern traf. Torwart Mark Flekken vom SC Freiburg blieb nicht der Hauch einer Abwehrchance.

Bis dahin hatten die Gastgeber erstaunlich zurückhaltend Fußball gespielt, ihr Mittelfeldpressing begann 30 Meter tiefer als das Angriffs-Forechecking der Deutschen, die auch mehr am Ball waren. Aber ganz vorn waren sie lange nicht wirklich durchschlagsstark, es fehlte ein paar Mal der Mut, einmal wollte Werner recht plump einen Elfmeter schinden, ein paarmal traf Sané aussichtsreich das Tor nicht. Auf der anderen Seite gab es nur einmal vor dem Wechsel wirklich Unruhe im deutschen Strafraum, aber der durchgebrochene Dortmunder Donyell Malen verlor auf dem Weg Richtung Manuel Neuer den Mut.

Deutschland war über links mit David Raum vor dem konzentriert agierenden Nico Schlotterbeck klar besser als über rechts mit Müller und Thilo Kehrer. Der Wahl-Pariser, in allen neun Spielen unter Flick dabei, erledigte seinen Job diesmal nicht immer überzeugend. Weder nach vorn noch in der Defensivarbeit, wo er einige Fouls produzierte. Umso besser machte es neben dem gut sortierten Ilkay Gündogan wieder der wendige Ballklauer Musiala: Der 19-Jährige spielte wie ein Alter, war fast so etwas wie der ordnende Fuß im deutschen Spiel. Sein Trikot wurde mehreren Zerreißproben unterzogen, weil er anders nicht zu bremsen war.

Nach dem Wechsel machte die Elftal dann wenig überraschend mehr Druck. Zunächst aber nicht so anhaltend, als dass das Spiel dadurch eine neue Note bekam. Der Ausgleich durch den eingewechselten Steven Bergwijn nach 68 Minuten fiel wie aus dem Nichts, nachdem Raum eine lange Flanke nicht erreicht hatte. Und dann war sie plötzlich da, die neue Note: Drei Minuten später attackierte Kehrer Memphis Depay im Strafraum nicht ganz astrein, doch überraschend nahm Schiedsrichter Craig Pawson seine Strafstoßentscheidung nach Rücksprache mit dem Videoassistenten und Überprüfung vor dem Bildschirm wieder zurück. Das gellende Pfeifkonzert von den Rängen war verständlich.

Danach schafften es die Gäste bald wieder, die Partie zu beruhigen. Das war aus deutscher Sicht auch notwendig, weil Oranje jetzt aggressiver attackierte und den Strafraum bevölkerte. Aber am Ende auch kein weiteres Kapital mehr daraus schlagen konnte, weil Antonio Rüdiger besonders konsequent verteidigte. Und der eingewechselte Lukas Nmecha vergab sogar noch die Siegchance - Flekken nahm seinen zu zentralen Schuss lässig auf.

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