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Gutes Timing: Der 1. FFC Frankfurt partizipiert an den Hilfsgeldern, weil der Verein erst in der nächsten Saison unter das Dach von Eintracht Frankfurt schlüpfen will.

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Auch die Frauen-Bundesliga soll fortgesetzt werden, da kommt die Finanzspritze aus dem Männerfußball wie gerufen.

Eine der wichtigsten Schaltstellen im deutschen Frauenfußball liegt hinter hohen Hecken im Frankfurter Stadtteil Heddernheim. Aus einem Gebäude führt Siegfried Dietrich die Geschäfte der Agentur Sidi-Sportmanagement. Im Erdgeschoss sind eine Logopäde, eine Arztpraxis und ein Rechtsanwaltsbüro untergebracht, darüber arbeitet Dietrich mit seinen in Einzelbüros untergebrachten Mitarbeitern – Teammanagerin Stefanie Stavrakidis, Projektmanagerin Sarah Desch und Medienreferent Paul Schönwetter – weiter an allem, um nicht nur den organisatorischen Betrieb für den 1. FFC Frankfurt in dieser schwierigen Zeit am Laufen zu halten. Denn in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) angesiedelten Ausschusses Frauen-Bundesligen ist Sidi-Inhaber Dietrich ohnehin fürs große Ganze zuständig.

Am Freitag (24.4.2020) wird bei einer DFB-Präsidiumssitzung darüber entschieden, was mit der unterbrochenen Saison in der Dritten Liga und Frauen-Bundesliga passiert. Die Tendenz ist eindeutig: Die beiden höchsten Spielklassen unter DFB-Obhut sollen fortgesetzt werden. Genau zur rechten Zeit kommt daher die am Donnerstag beschlossene Rettungsaktion der Deutschen-Fußball-Liga (DFL): Aus dem von den vier Champions-League-Vereinen FC Bayern, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen mit 20 Millionen Euro gefüllten Solidarfonds werden 7,5 Millionen Euro diesen beiden Ligen zur Verfügung gestellt. Ausgenommen sind die Teams, die einen Bundesligaklub als Mutterverein haben: bei den Frauen sind das mit VfL Wolfsburg, FC Bayern, TSG Hoffenheim, SC Freiburg, Bayer Leverkusen und 1. FC Köln die Hälfte der zwölf Klubs. Weil der 1. FFC Frankfurt erst in der nächsten Saison unter das Dach von Eintracht Frankfurt schlüpfen will, partizipiert der reine Frauenfußballverein. Pro Klub gibt es jetzt 300.000 Euro.

Der Geldregen ist willkommen. „Das ist ein großartiges Signal der DFL, das den Zusammenhalt der deutschen Fußball-Familie unterstreicht“, sagte Dietrich der FR. Der von ihm geführte 13-köpfige Ausschuss befindet sich in ständiger Abstimmung und orientiert sich an jenem roten Faden, den die DFL für die 36 Männer-Lizenzvereine erarbeitet hat. Die Frauen-Bundesliga möchte, wenn auch verspätet, ins selbe Fahrwasser. Darüber besteht, anders als bei der Dritten Liga, auch weitgehend Einigkeit.

Auch wenn die Interessen des USV Jena oder MSV Duisburg gewiss völlig andere sind als die der noch in der Women’s Champions League beschäftigten Topklubs aus München und Wolfsburg, zerfällt die Frauen-Bundesliga nicht in zwei Lager. Netzwerker Dietrich kämpft für ein öffentlich einheitliches Erscheinungsbild. Der 62-Jährige befindet sich fast pausenlos in Telefonaten und Video-Schalten. Früh hat er in einem persönlichen Rundruf bei den Entscheidern fast aller Vereine ein Meinungsbild eingeholt, bei dem sich ergab, dass sich die Existenzängste in Grenzen halten. Insgesamt überwiegt der Solidaritätsgedanke, der sich auch daran zeigte, dass beispielsweise kürzlich die Spielerinnen des SC Sand zum Spargelstechen gingen, um für einen guten Zweck zu sammeln.

Mit Geisterspielen will auch der Frauenfußball noch die wichtigsten sportlichen Entscheidungen herbeiführen. Dietrich hält das unter Berücksichtigung aller Vorgaben für dringend geboten. „Wir sind die höchste Frauen-Spielklasse, haben gute Fernsehaktivitäten, eine sehr gut funktionierende DFB-Zentralvermarktung, daher wollen wir unter den gebotenen Umständen wieder Gesicht zeigen.“ DFB-Präsident Fritz Keller unterstützt diese Haltung, der in einem „Kicker“-Gastbeitrag festhielt, dass es auch Profifußballerinnen möglich sein müsse, „ihrem Beruf nachzugehen – und damit ihre Unternehmen und die damit verbundenen Arbeitsplätze zu sichern“. Hinzu kommt: Genau wie in der Dritten Liga könnte auch in der Frauen-Bundesliga nicht einfach so die Saison abgebrochen werden: Auch hierzu wäre erst ein Außerordentlicher Bundestag erforderlich.

Fußball-EM 2021 findet nun im Sommer 2022 statt

Als erste große Sportveranstaltung ist die Fußball-EM der Frauen im Zuge der Corona-Pandemie ins Jahr 2022 verschoben worden. Das Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union beschloss am Donnerstag den neuen Zeitraum: Gespielt werden soll – weiterhin in England – vom 6. bis zum 31. Juli 2022. Der ursprünglich geplante Termin im Sommer 2021 war wegen der massiven Auswirkungen der Krise geplatzt. 

Im kommenden Jahr hätte die Frauen-EM mit dem paneuropäischen Turnier der Männer und den Olympischen Spielen konkurrieren müssen.
„Ich begrüße es, dass unsere EM im Jahr 2022 stattfinden soll und damit nicht zeitgleich zum Turnier der Männer“, sagte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. „Wir brauchen das Alleinstellungsmerkmal im Fußball, um die größtmögliche Aufmerksamkeit zu erzielen.“ 

Ursprünglich hätte die Frauen-EM vom 7. Juli bis zum 1. August 2021 stattfinden sollen. Die Verlegung war mit der Verschiebung der Männer-EM beschlossen worden. Die Eröffnungsfeier der Sommerspiele in Tokio ist für den 23. Juli geplant, die Schlussfeier für den 8. August. Am Olympischen Fußballturnier nehmen die drei europäischen Frauen-Nationalteams von Niederlande, Schweden und England teil. Deutschland ist nicht qualifiziert. (sid)

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