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Willkommen bei den Killern

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Von: Jan Christian Müller

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Champions League in Zukunft nur noch im Abo.
Champions League in Zukunft nur noch im Abo. © Patrick Seeger (dpa)

Der Trend, den Profifußball hinter Bezahlschranken zu packen, hält an. Sehr zum Leidwesen derer, die sich das nicht leisten können. Ein Kommentar.

Es soll eine Menge Leute im Land geben, die bei sich eine gewisse Übersättigung in Sachen Fußballübertragungen diagnostiziert haben. Diese Menschen dürften in ihrer Lebensqualität weniger negativ beeinflusst werden, wenn sie die den ganz großen Fußball künftig nicht mehr im Zwangs-Pay-TV des ZDF präsentiert bekommen, denn: Von der übernächsten Saison an gibt es die Spiele der Champions League nur noch im freiwilligen Bezahlfernsehen bei Sky und auf dem Streamingportal DAZN.

Der Trend, den Profifußball hinter Bezahlschranken zu packen, ist nicht nur bei internationalen Begegnungen deutlich, sondern auch hierzulande. Schon von der kommenden Spielzeit an verschwindet das Montagsspiel der Zweiten Bundesliga aus dem Free-TV von Sport1. Sky hat sich die Exklusivrechte gesichert. Auch die super-spannenden Relegationspartien des Drittletzten der Bundesliga gegen den Dritten der zweiten Liga gibt es künftig nicht mehr bei der ARD, sondern nur noch im Bezahlbereich von Eurosport. Für die Unterhaltungsindustrie Profifußball sind das gute Nachrichten. Das verschärfte Wettbieten neuer Player im TV-und Online-Markt führt zu höheren Rechtepreisen, eine Verknappung der Ware Fußball im Free-TV wirkt zudem Tendenzen der Übersättigung entgegen, wenn es denn die Übersättigung tatsächlich geben sollte, was letztlich noch nicht konkret bewiesen wäre. Ein führender RTL-Mann hat jüngst die Ware Spitzenfußball als „Killerrecht“ bezeichnet. Will heißen: Fußball, selbst ein WM-Qualifikationsspiel Deutschland gegen San Marino, killt alle anderen Konkurrenzsendungen. Jedenfalls dann, wenn es frei empfangbar ist.

Sky erhöht die Preise

Das werden Spiele der Münchner Bayern und Dortmunder Borussen in der Königsklasse dann bald nicht mehr sein. Die zusätzlichen Rechte-Millionen, für welche Abonnenten von Sky schon während des laufenden Vertragsjahres eine kurzfristig angekündigte Preiserhöhung aufgedrückt bekommen haben, wandern sodann mutmaßlich direkt auf die Konten der Profis. Und sie führen dazu, dass die Kluft zwischen wenigen superreichen Klubs und den vielen anderen Vereinen bestimmt nicht kleiner wird. Ganz im Gegenteil. Besonders bedauerlich ist die Entwicklung für diejenigen, die sich Pay-TV oder Bezahl-Streamingdienste schlicht nicht leisten können. Es sind Menschen, die für die Entwicklung der pulsierenden „Killer“-Branche keine Bedeutung haben, weil ihnen die Zukunft und die Kaufkraft fehlt: Die Alten, die Einsamen, die Kranken, für die die Rente gerade so reicht, werden ausgegrenzt. Dabei sind es gerade diese, für die ein Spiel der Bayern gegen Real Madrid mehr Bedeutung hat als bloße Fußballunterhaltung. Ihnen wird ein Stück Lebensglück genommen.

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