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Junger Mann mit Taktiktafel: Jann-Fiete Arp, vom DFB mit der Fritz-Walter-Medaille geehrt, zählt zu den HSV-Zukunftshoffnungen.
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Junger Mann mit Taktiktafel: Jann-Fiete Arp, vom DFB mit der Fritz-Walter-Medaille geehrt, zählt zu den HSV-Zukunftshoffnungen.

Bundesliga-Vorschau

HSV will sich Kraftakt ersparen

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Einen einstelligen Tabellenplatz wird der Hamburger SV wahrscheinlich aber nicht erreichen.

In Hamburg ist man es gewohnt, auch mit negativen Schlagzeilen überregional Aufmerksamkeit zu erregen. Das hanseatische Gemüt nimmt das in der Regel mit stoischer Gelassenheit zur Kenntnis. Man weiß: Am Ende wird doch alles irgendwie gut. So wie bei der wahrlich wunderschönen Elbphilharmonie, die jeden Cent wert ist, oder wie im erfolgreichen Abstiegskampf des FC St. Pauli. Und dann gibt es da ja noch den HSV.

Im Volkspark konnten sie in den vergangenen Jahren noch so viel Geld hinauswerfen und dafür noch so arg als Volltrottel dargestellt werden – am Ende blieb der hinkende Dino doch immer oben. Und verlor dabei noch nicht mal an Reputation. Nach wie vor rennen die Fans dem einzig ewigen Bundesligisten die Bude ein. Die Identifikation ist umgekehrt proportional zur sportlichen Entwicklung noch einmal größer geworden. Die Erwartungen an die Rothosen dafür umso kleiner, was den aktuell hauptverantwortlichen und redlich harmonierenden Herren Jens Todt (Sportchef) Heribert Bruchhagen (Vorstand) und Markus Gisdol (Trainer) die Arbeit ein wenig erleichtert. 

Kader des HSV wirkt zu instabil

Niemand glaubt ernsthaft, dass das Trio, das den HSV zwischen Spätsommer, Herbst und Winter in auch sportlich zugigen Zeiten übernahm, nun plötzlich europäische Plätze angreift; zu instabil wirkt der Kader wieder einmal. Obwohl die Finanzausstattung dank des großzügigen Milliardärs Klaus-Michael Kühne auch in diesem Sommer wieder gut genug für einen einstelligen Tabellenplatz ist. Nur so war es möglich, trotz eines vom „Spiegel“ recherchierten 115-Millionen-Schuldenbergs, Männer wie Angreifer André Hahn, den zuvor ausgeliehenen Abwehrchef Kyriakos Papadopoulos, den U21-Nationaltorhüter Julian Pollersbeck und bald voraussichtlich auch den niederländischen Innenverteidiger Stefano Denswil für zusammen mehr als 20 Millionen Euro zu holen. 

Finanzieller Aufwand und sportlicher Ertrag sind beim Hamburger SV traditionell  so weit voneinander entfernt wie die Lebenswelten in Blankenese und in der Roten Flora im Schanzenviertel. Es wäre indes förderlich, sollte das viele Geld diesmal klüger angelegt worden sein, als zuletzt für die beiden Brasilianer Douglas Santos und Walace, die rund 17 Millionen Euro kosteten und den Nachweis entsprechender Klasse bislang nicht liefern konnten. 

Trainer Markus Gisdol, dem sie nach erfolgreicher Rettungsmission in Hamburg ähnlich ergeben zu Füßen liegen wie es weiland bei Relegationsheld Bruno Labbadia der Fall war, sagt: „Ich wünsche mir, den Verein in andere Regionen führen zu können, sodass der in den letzten Jahren verloren gegangene Respekt wieder zurückkehrt.“ Das ist zweifelsohne ein berechtigter Wunsch, allerdings auch einer, den schon Gisdols zahlreiche Vorgänger dieses Jahrzehnts – Labbadia, Knäbel, Zinnbauer, Slomka, van Marwijk, Fink, Arnesen, Oenning, Veh, Moniz und nochmal Labbadia – ganz ähnlich verspürten. Ohne dabei auch nur einen sichtbaren Zentimeter voranzukommen. 

Für Gisdol stellt sich die Situation nun folgendermaßen dar, wie er jüngst in einem „FAZ“-Interview äußerte: „Man muss der Tatsache ins Auge sehen, dass der Verein an Boden verloren hat. Allein dadurch, dass wir der HSV sind, werden wir in der nächsten Saison keine Punkte holen.“ Diese Wahrheit lehrt die Erfahrung. Dem HSV hat es nämlich zu Beginn der vergangenen Saison auch nichts genutzt, der HSV zu sein. Er hatte dennoch nur bescheidene zwei Punkte nach zehn Spieltagen aufs Konto geschaufelt. Gisdol erinnert sich mit Schrecken an die seinerzeit vorherrschende „Endzeitstimmung“, die er mit einem wahren Kraftakt verscheuchte. 

Abgesehen vom sportlichen Abschneiden in der Bundesliga will der traditionellste aller Traditionsklubs der Liga auch strategisch vorankommen. Das funktioniert hoffentlich besser als das operative Geschäft, welches den Trainingslagertross kurzfristig vom ursprünglich gebuchten Leogang nach Längenfeld ins Wellnesshotel Aqua Dome umleiten musste. Im ursprünglich gebuchten Camp war der Platz von Medizinern bei der Ärzte-WM im bedauernswerten Zustand hinterlassen worden.

Auch die feierliche Übergabe des neben der Arena erbauten HSV-Campus an die neue Mieterin HSV Fußball-AG Anfang Juni verlief nicht ohne falsche Versprechungen und Umwege - unter anderem über eine nie für diesen Zweck verwendete 17,7-Millionen-Euro-Anleihe bei den Fans. Im nun in Anlehnung an seinen großzügigen Hauptfinanzier unter dem offiziellen Namen Alexander-Otto-Akademie firmierenden Leistungszentrum sollen die Stars von morgen ausgebildet werden. Mehr als hundert Spieler der besten fünf Nachwuchsteams von der U16 bis zur U21 trainieren nun direkt am Hamburger Volksparkstadion in Sichtweite zu den Profis, statt wie zuvor im fernen Trainingszentrum Ochsenzoll jenseits der Grenze zu Schleswig-Holstein. 

Die ersten Früchte dieser Saat werden erst in einigen Jahren geerntet werden können. Erst einmal sind sie beim HSV gottfroh, das 17 Jahre alte, europaweit heftig umworbene Toptalent Jann-Fiete Arp zumindest bis 2019 an den Verein gebunden zu haben. 

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