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Die Bielefelder Galionsfigur: Kapitän Fabian Klos (Mitte).

FR-Bundesliga-Tipptabelle (9)

Arminia Bielefeld: Wilder Kaiser im Gummiboot

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Ein alter Bekannter schnuppert Bundesligaluft. Für mehr als eine Stippvisite wird es aber nicht reichen - ein Fabian Klos ist halt zu wenig.

Es gehört zu einer liebgewordenen Tradition der FR-Sportredaktion, DSC Arminia Bielefeld nicht viel zuzutrauen. In unserer Tipptabelle landete die Arminia für gewöhnlich auf einem Abstiegsplatz. Nach dem diesjährigen Aufstieg hat die Presseabteilung des Klubs der FR eine Postkarte geschickt. Beigelegt hatten sie freundlicherweise eine blau-schwarze Mund-Nasenmaske mit Arminen-Logo drauf und dem Hinweis, damit „erstklassig Luft zu bekommen.“ Selbst wenn sie dünner wird. Die Arminen haben Stil.

Wie ist die Stimmung?

Prima, wie auch sonst, wenn nach elf Jahren Absenz, darunter drei Jahren in der Dritten Liga (Stichwort: SV Darmstadt, 2014, Relegation), endlich wieder Bundesligafußball auf der Alm gespielt wird – selbst wenn man der Arminia einen besseren Zeitpunkt gewünscht hätte. Geisterspiele in Corona-Zeiten sind gerade für einen Aufsteiger, der doch entscheidend von der Unterstützung, der Leidenschaft und der Euphorie von den Rängen lebt, ausgesprochen ärgerlich. Und für die ausgeladenen Fans sowieso. Aus dem Trainingslager am Wilden Kaiser, wohin die Arminia traditionellerweise reist, kommen dennoch nur hochgereckte Daumen. Der „Geist von Scheffau“ wird beschworen, da wurde im vergangenen Jahr auch die Grundlage zum Aufstieg gelegt.

Wie stark ist der Kader?

In der zweiten Liga bärenstark. Zehn Punkte Vorsprung, die meisten Tore (65) geschossen, die wenigsten (30) kassiert, den Hamburger SV und den VfB Stuttgart deutlich hinter sich gelassen. Aber reicht das für die Bundesliga? Fabian Klos, mit 21 Treffern und zehn Vorlagen mit Abstand bester Stürmer, ist selbst gespannt: „Ich werde in der Winterpause ganz sicher dasitzen und entweder sagen: Ja, lief ganz gut das halbe Jahr. Oder ich werde sagen: Boah, Bundesliga ist aber doch noch ein ganzes Stück schneller“, erzählte er kürzlich dem „Westfalen-Blatt“. Nennenswerte Bundesligaerfahrung haben nur der aus Augsburg gekommene Stürmer Sergio Cordova und Ersatzmann Sven Schipplock. Was für die von Routinier Uwe Neuhaus trainierte Truppe mit einem Gesamtwert von 25 Millionen Euro (zum Vergleich: FSV Mainz: 119 Millionen, VfB Stuttgart: 78 Millionen) spricht: Sie ist eingespielt, tritt solide auf, mannschaftlich geschlossen, der Teamspirit ist prima – und es wird keinen „Total-Umbruch“ geben, wie Sportchef Samir Arabi verspricht. Aus Überzeugung und weil das Geld fehlt.

Worauf steht der Trainer?

Uwe Neuhaus, 60 Jahre schon, aber noch nie in der ersten Liga tätig gewesen, bevorzugt ein ballorientiertes 4-3-3-System, er lässt stürmen und attackieren, die 65 geschossenen Tore sprechen eine klare Sprache – allerdings in der zweiten Liga. Vermutlich werden die Bielefelder, zum achten Mal aufgestiegen, im Oberhaus nicht gegen Dortmund, Bayern, Leipzig auf Teufel-komm-raus pressen. Im Trainingscamp studierte Trainer Neuhaus eine taktische Variante mit einer Dreierkette und zwei Außenverteidigern, allerdings auch mit zwei Spitzen ein. Im Test gegen Feyenoord Rotterdam (0:0) klappte das ganz gut. Der Coach gilt als versiert, detailversessener Arbeiter, dem eine positive Atmosphäre auf dem Platz wichtig ist. Er wird den frechen Stil der Arminen nicht gravierend ändern, und schon gar nicht den Mannschaftsbus vors Tor manövrieren. Und: Im Jahr 2020 hat das Team noch keine einzige Niederlage hinnehmen müssen, weder in Punkt- noch in Testspielen.

Zu- und Abgänge

Zugänge: Sergio Cordova (FC Augsburg, Leihe), Nathan de Medina (Royal Excel Mouscron), Christian Gebauer (SCR Altach), Jacob Laursen (Odense BK), Can Özkan (Alemannia Aachen, Leihe beendet), Nikolai Rehnen (Alemannia Aachen, Leihe beendet), Noel Niemann (TSV 1860 München), Prince Osei Owusu (TSV 1860 München, Leihe beendet).
Abgänge: Florian Hartherz (Fortuna Düsseldorf), Jonathan Clauss (RC Lens), Agoston Kiss (Haladas Szombathely, Leihe beendet), Philipp Klewin (Vertragsende, Erzgebirge Aue), Alex Perez (Vertragsende), Nils Quaschner (Vertragsende), Keanu Staude (Vertragsende, Würzburger Kickers), Patrick Weihrauch (Vertragsende, Dynamo Dresden).

Wo hapert’s noch?

Ein starker Innenverteidiger wird noch gesucht. Dazu erfahrene Recken im defensiven wie offensiven Mittelfeld. Entscheidend wird aber sein, wie schnell sich die an sich sehr heimstarke Arminia an die raue Luft in der Bundesliga gewöhnt – trotz fehlender Fan-Unterstützung.

Wer sticht heraus?

Natürlich die beiden Stürmer, Kapitän Fabian Klos, seit 2011 auf der Alm, und Andreas Voglsammer, der allerdings wegen eines Haarrisses im linken Fuß derzeit nicht mittun kann. Beide erzielten zusammen praktisch die Hälfte aller Bielefelder Tore in der vergangenen Saison, nämlich 33. Und sonst? Da wird’s dann schon dünn.

Wie geht’s dem Schatzmeister?

Lässt man Corona mal außen vor, dann eigentlich ganz gut. Knapp 30 Millionen Euro kassieren die Bielefelder an TV-Geld, weniger erhält kein anderer Bundesligist, aber dennoch kann man in Ostwestfalen damit laut „Kicker“ den Etat auf 48 Millionen hieven - davon 25 Millionen für Personal. Das ist der mit Abstand geringste Etat aller 18 Klubs. „Wir werden für den Sport nicht ins Risiko gehen“, betonte unlängst Geschäftsführer Markus Rejek. Arminia Bielefeld ist ein gebranntes Kind: 2014 stand der Klub mit etwa 30 Millionen Euro Schulden in der Kreide und knapp vor der Insolvenz. Ein „Bündnis Ostwestfalen“, ein Zusammenschluss finanzkräftiger regionaler Unternehmen wie Dr. Oetker, Melitta oder Gerry Weber, sprang ein und gab eine Millionenspritze. Mittlerweile sei der Klub schuldenfrei, so Markus Rejek, „und soll es bleiben“. Allerdings muss Arminia sein Stadion bundesligatauglich machen: In eine stärkere Flutlichtanlage, in Torlinientechnik und in bessere Medienarbeitsplätze soll investiert werden.

Bundesliga-Tipptabelle der FR

Was ist drin?

Nicht viel, müssen wir sagen. Arminia Bielefeld wird sich strecken, wird alles versuchen, wird für die eine oder andere Überraschung sorgen. Am Ende wird aber der Abstieg bleiben. Und wenn der DSC kein finanzielles Harakiri betreibt, kann er sich in der obersten Liga endgültig sanieren. Sportchef Arabi schätzt die Chancen realistisch ein: „Es ist, als würde ein Gummiboot gegen lauter Motorboote antreten. Und wegen Corona hat das Gummiboot jetzt auch noch ein Leck.“

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