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Kultjubel: Marcus Thuram mit der Eckfahne.

FR-Bundesliga-Tipptabelle (6)

Borussia Mönchengladbach: Wilde Fohlen vom Niederrhein

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Mit ihrem Volldampfpressing möchte die Mannschaft von Trainer Marco Rose erneut die Spitzenplätze attackieren. Sie hat dafür alle Möglichkeiten.

  • Borussia Mönchengladbach will wieder vorne mitspielen
  • Trainer Marco Rose geht in die zweite Saison mit den Gladbachern
  • Die FR traut dem Team einiges zu

Mönchengladbach - Mit der zweitbesten Punkteausbeute seit 36 Jahren zog Borussia Mönchengladbach in die Champions League ein. Für den ehrgeizigen Trainer Marco Rose und sein Mannschaft soll das aber längst nicht das Ende der Entwicklung bedeuten.

Borussia Mönchengladbach: Wie ist die Stimmung bei den Fohlen?

Ausgezeichnet, warum auch nicht? Schließlich war das Premierenjahr unter Trainer Marco Rose ein sehr erfolgreiches. Platz vier, Qualifikation zur Königsklasse, Chapeau. Freilich gibt es noch Luft nach oben, dazu aber später mehr (siehe: Was ist drin?). Die Borussia verzichtete auf ein Trainingslager in der fernen Fremde, reiste stattdessen ins nahe Ostwestfalen, nach Harsewinkel-Marienfeld, ins Sporthotel Klosterpforte. Dort, wo sich vor der WM 2006 auch Cristiano Ronaldo und seine portugiesischen Kickerkollegen in Turnierform brachten, arbeiteten die Gladbacher an Körper und Geist.

Wie stark ist der Kader von Borussia Mönchengladbach?

Mindestens genauso gut wie in der Vorsaison. Natürlich verlor Borussia Mönchengladbach mit Angreifer Raffael ein Aushängeschild des Klubs, dazu einen netten Kerl, sportlich aber spielte der Brasilianer unter Coach Rose nur noch eine untergeordnete Rolle. Ansonsten blieb der Kader beisammen, beachtlich allemal. Die umworbensten Spieler der Mannschaft, Matthias Ginter, Nico Elvedi und Denis Zakaria, entschieden sich für einen Verbleib am Niederrhein. Neu im Team sind die flexibel einsetzbaren und entwicklungsfähigen Hannes Wolf, 21 Jahre, und Valentino Lazaro, 24 - beide per Leihe geholt, beide mit einer Kaufoptionen versehen, beide einst unter Marco Rose in Salzburg am Ball. Klingt vielversprechend.

Worauf steht BMG-Trainer Marco Rose?

Im Privaten ganz offenbar auf Wohngemeinschaften. Zu Mainzer Spielerzeiten lebte Rose mit Sandro Schwarz, später auch Trainer der Nullfünfer, unter einem Dach, nun mit seinem aktuellen Co-Coach Alexander Zickler. Es werde natürlich sehr viel über Fußball gesprochen in der Rose-Zickler-WG, berichtet der frühere Bayern-Stürmer, aus dem Weg könne man sich bisweilen aber schon mal gehen. Marco Rose, 43 Jahre alt, in Leipzig geboren, wurde vor einem Jahr bei seinem Amtsantritt extrem gehypt, rückblickend betrachtet: zu Recht. Binnen kürzester Zeit krempelte er den Spielstil der Borussia grundlegend um. Weg vom viele Jahre praktizierten Ballbesitzfußball, hin zum Volldampfpressing. Selbst Rückschläge wie das peinliche Europa-League-Aus gegen den Wolfsberger AC brachten den passionierten Boccia-Spieler nicht aus der Fassung. Ehrgeizig, fordernd, detailverliebt ist er, manchmal auch außer Kontrolle wie bei seiner Roten Karte gegen Borussia Dortmund. „Du Blinder“ schimpfte er da kurz und knackig in Richtung des Schiedsrichters. Dennoch: „Er ist die Schlüsselfigur des Erfolges“, sagt Max Eberl, der es wissen sollte, so als Sportchef.

Zu- und Abgänge

Zugänge: Hannes Wolf (RB Leipzig, Leihe), Valentino Lazaro (Inter Mailand, Leihe), Jan Olschowsky (eigene U23), Joe Scally (New York City), Jordan Beyer (Hamburger SV, Leihe beendet), Michael Lang (Werder Bremen, Leihe beendet), Andreas Poulsen (Austria Wien, Leihe beendet), Julio Villalba (SCR Altach, Leihe beendet).

Abgänge: Moritz Nicolas (VfL Osnabrück, Leihe, zuvor an Union Berlin verliehen), Tobias Strobl (FC Augsburg), Fabian Johnson (Vertragsende), Raffael (Vertragsende).

Wo hapert’s bei Borussia Mönchengladbach noch?

Die Testspielergebnisse waren ordentlich, das Trainingslager ebenfalls, wichtige Spieler verkündeten ihren Verbleib, neue potenzielle Stammkräfte sind da. Viel zu meckern gibt’s nicht. Höchstens, dass drei absolute Leistungsträger der Fohlen noch nicht so können, wie sie es gerne wollen: Denis Zakaria, der fleißige Ackergaul im Mittelfeld, Marcus Thuram, das wuchtige Wildpferd im Offensivspiel, und Alassane Plea, der feinfühlige Warmblüter im Angriffszentrum. Alle drei Stammkräfte mussten aufgrund verschiedener Blessuren die Vorbereitung teils mit individuellen Programm absolvieren, sie werden also nicht topfit in die Runde starten können. Wenn sie überhaupt schon dabei sein werden.

Wer sticht bei Borussia Mönchengladbach heraus?

Viele, nach Meinung der Gladbacher Fans aber am ehesten Marcus Thuram. Die Anhänger wählten den Franzosen mit 43 Prozent der Stimmen zum Spieler der vergangenen Saison. Verdient. Marcus Thuram, Sohn von 98er-Weltmeister Lilian Thuram, brachte mit seiner Körperlichkeit einen neue Note ins Gladbacher Angriffsspiel. Außerdem: Sein Trikot-Eckfahnen-Jubel ist längst Kult. Und, so Thuram hoffnungsvoll: „Die vergangene Saison war sehr gut. Aber ich hoffe, dass die neue Saison sogar noch besser wird.“ Na dann.

Die Bundesliga-Tipptabelle der FR-Redaktion für die Saison 20/21

PlatzVerein
1noch nicht gesetzt
2noch nicht gesetzt
3Borussia Mönchengladbach (4)
4noch nicht gesetzt
5Hertha BSC Berlin (10)
6noch nicht gesetzt
7noch nicht gesetzt
8TSG Hoffenheim (6)
9noch nicht gesetzt
10FC Augsburg (15)
11noch nicht gesetzt
12noch nicht gesetzt
13noch nicht gesetzt
14Mainz 05 (13)
15noch nicht gesetzt
16VfB Stuttgart (-)
17noch nicht gesetzt
18noch nicht gesetzt

In Klammern: Platz in der letzten Saison

Borussia Mönchengladbach: Wie geht’s dem Schatzmeister?

Durch das Erreichen der Königsklasse schifft Borussia Mönchengladbach sicherer durch die unruhigen Corona-Gewässer als so mancher Konkurrent. Mehreinnahmen von rund 20 Millionen Euro im Vergleich zu einer Europa-League-Teilnahme helfen ungemein. „Diese Einnahmen waren nicht eingeplant, deswegen hilft uns das deutlich vermehrte Geld zur Sicherung des Klubs. Es ist das erste Mal, dass wir keinen unserer Eckpfeiler verkaufen werden und den Kader so zusammenhalten“, sagte Sportdirektor Max Eberl. Teure Einkäufe blieben und bleiben wohl aus, die ohnehin nur kleinen Lücken im Kader wurden – sehr klug – mithilfe von Leihgeschäften geschlossen.

Was ist drin für Borussia Mönchengladbach

Es besteht im Vergleich zur Vorsaison noch ein bisschen Luft nach oben (siehe: Wie ist die Stimmung?). Also zur Attacke auf die Plätze eins bis drei blasen? Die FR hält das für möglich, schätzt die Gladbacher gar ein wenig stärker als die Timo-Werner-losen Leipziger ein. Bei der Borussia aber wären sie auch mit dem vierten Platz zufrieden, keine Frage. Noch mehr Steigerungspotenzial als in der Bundesliga besteht für die Gladbacher in den Cupwettbewerben. Die zweite DFB-Pokalrunde, die vergangene Saison das Aus bedeutete, sollte schon überstanden werden, ebenso ist das Erreichen des Champions-League-Achtelfinales natürlich ein äußerst lohnendes Ziel.

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