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Klein, aber oho: Sadio Mané ist der große Star im WM-Kader der Senegalesen.
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Klein, aber oho: Sadio Mané ist der große Star im WM-Kader der Senegalesen.

Sadio Mané

Das Wiesel aus der Wüste

  • Manuel Schubert
    VonManuel Schubert
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Die Geschichte des senegalesischen Linksaußen Sadio Mané klingt wie eine aus dem großen Buch der Fußballmärchen

Sadio Mané hat früh gelernt, dass es sich lohnen kann, seine eigene Komfortzone zu verlassen. Im Alter von 17 Jahren ist der junge Mann zu einer großen Reise aufgebrochen, vom sandigen Süden des Senegal bis an den westlichsten Zipfel, vom kleinen Dorf Bambali in die große Hauptstadt Dakar. Wer die Republik im Westen Afrikas von Fuß bis Kopf durchqueren möchte, der muss das schmale Gambia umschiffen, das den Senegal in Nord und Süd spaltet wie ein Keil. Und so war es eine lange, eine beschwerliche Fahrt für den jungen Mané, rund 800 Kilometer musste er mit seinen Eltern bewältigen, um den Onkel zu besuchen, der in der Millionenstadt wohnte. Doch es sollte sich lohnen.

In Dakar gab es ein Probetraining, Mané streifte die verwaschenen Shorts über, schlüpfte in die zerschlissenen Plastiksandalen und versuchte sein Glück. Hinterher sprach ihn ein älterer Herr an. „Ich konnte in seinen Augen sehen, wie beeindruckt er war“, erzählt Mané. Der Mann hatte gute Kontakte zum Fußballinternat Génération Foot, einer modernen Talentschmiede eine Stunde vor den Toren Dakars, die als die beste Fußballschule Afrikas gilt. „Dich nehme ich sofort“, sagte der Talentspäher.

So beginnt die Geschichte von Sadio Mané, die sich liest, wie eine aus dem großen Buch der Fußballmärchen. Vom kleinen Strohhütten-Dorf auf die Titelblätter dieser Welt. Vom Barfußkicker aus der Steppe zum Superstar. Vom Jungen aus ärmlichen Verhältnissen zum Multimillionär. Von der Wüste auf die große Weltbühne.

Lange hielt es Mané nicht mehr in seinem Heimatland, nachdem er entdeckt worden war. Zwei Jahre musste der Rohdiamant von der Straße von den Experten an der Akademie geschliffen werden, schon klopften die europäischen Vereine an. Der FC Metz holte ihn nach Frankreich, über die Stationen Salzburg und Southampton landete er 2016 schließlich beim FC Liverpool. Dort bildet er zusammen mit dem Ägypter Mo Salah und dem Brasilianer Roberto Firmino eine Art magisches Triumvirat, das in der abgelaufenen Saison für 57 Ligatore und 30 weitere Treffer in der Champions League verantwortlich war.

Der flinke Mané passt perfekt in das offensive System des deutschen Trainers Jürgen Klopp mit seinen überfallartigen Kontern. 41 Millionen Euro haben die Reds vor zwei Jahren für den Senegalesen hingeblättert. Für einen Spieler dieser Qualität heutzutage fast schon ein Schnäppchen. Und für den Champions-League-Finalisten gut angelegtes Geld. Seinen Marktwert hat Sané seither fast verdoppelt, das Portal „Transfermarkt“ taxiert ihn mittlerweile auf 70 Millionen Euro.

In der Spielzeit 2017/18 hat der Linksaußen zehn Tore in der Premier League und zehn weitere in der Königsklasse erzielt, hinzu kommen insgesamt acht Vorlagen. Am liebsten trifft der heute 26 Jahre alte Mané, wenn er von der linken Seite nach innen ziehen und mit seinem starken rechten Fuß aufs lange Eck zielen kann. Wie ein auf Links gedrehter Lionel Messi. Doch was den 1,75 Meter kleinen Afrikaner fast genauso gefährlich macht wie sein Abschluss, sind seine Tempodribblings. Mit kurzen, flinken Wieselschritten zischt Mané durch die gegnerischen Reihen, zieht dabei oft mehrere Spieler auf sich – und kann sich meistens doch durchsetzen.

„Sadio Mané ist einer, der das Spiel entscheiden kann“, sagt Klopp über seinen Flügelflitzer. „Er arbeitet hart, schirmt den Ball stark ab und meidet riskante Dribblings.“ Kurzum: „Er ist ein Weltklassespieler.“ Mané, der 2015 den Rekord für den schnellsten Hattrick der Premier-League-Geschichte aufstellte, als er gegen Aston Villa in 2:56 Minuten dreifach traf, gibt das Kompliment zurück: „Nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa ist jedem das Klopp-System ein Begriff“, sagt Mané. „Die Art, wie Jürgen Klopp schon bei Borussia Dortmund spielen ließ, hat die Fußballwelt fasziniert. Er macht uns alle besser.“

Natürlich ist Mané nun auch bei der Weltmeisterschaft der große Star im Kader der Senegalesen, die sich erstmals seit 16 Jahren wieder für eine WM-Endrunde qualifiziert haben. Wenngleich die „Löwen von Teranga“ mit einem gut bestückten Kader nach Russland gereist sind. Mit Kalidou Koulibaly (SSC Neapel), Cheikhou Kouyaté (West Ham United), Badou Ndiaye (Stoke City), Keita Baldé (AS Monaco) oder dem künftigen Schalker Salif Sané gibt es durchaus noch ein paar weitere prominente Namen neben Mané, doch der Star vom FC Liverpool, dem in bislang 51 Länderspielen 14 Tore gelangen, überstrahlt sie natürlich alle.

Die senegalesische Auswahl startet am heutigen Dienstag in Moskau gegen Polen ins Turnier (17 Uhr/ZDF), für Mané, den „kleinen Mann mit dem großen Herzen“ („Liverpool Echo“), bedeuten die kommenden Wochen eine weitere Chance, die Summe auf seinem Preisschild ins Unermessliche zu steigern. Es ist kein Geheimnis, dass noch andere Topklubs auf die besonderen Fähigkeiten des wuseligen Stürmers schielen, mit Real Madrid soll sich Mané sogar schon über einen Wechsel in diesem Sommer einig gewesen sein. Dann aber kam der unerwartete Rücktritt von Trainer Zinédine Zidane.

Zu einem echten Treuebekenntnis für seinen aktuellen Arbeitgeber wollte sich der Flügelspieler bislang nicht durchringen. „Ich bin glücklich in Liverpool. Aber man weiß nie, was in der Zukunft passiert. Ich will Trophäen gewinnen, vor allem die Champions League“, sagte Mané nur. Sein deutscher Berater Dirk Dufner war daraufhin bemüht, die Wogen zu glätten: Auf die Frage, ob für seinen Klienten nach der WM ein Wechsel in die spanische Hauptstadt infrage komme, antwortete er mit einem knappen „Nein“. Mané fühle sich „pudelwohl beim FC Liverpool, ist da total gerne. Er hat auch ein ganz spezielles Verhältnis zu seinem Trainer, den er sehr mag. Da ist also aus Sicht des Spielers alles top in Ordnung“

Manchmal kann es auch gut sein, ein bisschen in der eigenen Komfortzone zu verweilen.

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