Die DFL hat erste Schritte zur Rückkehr von realen Fans ins Stadion vorgestellt.
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Die DFL hat erste Schritte zur Rückkehr von realen Fans ins Stadion vorgestellt.

Zweiter Re-Start

Bundesliga will wieder vor Zuschauern kicken

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Die DFL stellt in einem Rundschreiben die ersten Schritte zur Rückkehr in die Normalität für die Bundesliga in Aussicht.

Um die verwaisten Tribünen zu verdecken, sind die Gepflogenheiten im Geisterspiel-Betrieb der Bundesliga ganz unterschiedlich. In Mainz oder Leverkusen werden breitflächige Banner gespannt. Die Idee mit den Pappkameraden im großen Stil ist Alleinstellungsmerkmal in Mönchengladbach geblieben, während Standorte wie Bremen oder Frankfurt ganz bewusst darauf verzichten, etwas zu überdecken, was eigentlich nicht übertüncht werden sollte: das Fehlen der Fans. Dass das über diese von der Corona-Krise gezeichnete Saison nicht hinaus der Standard bleiben sollte, hat jeder der 36 Lizenzvereine seit Montag von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) schriftlich: In einem dreiseitigen Rundschreiben informierte Chef Christian Seifert über die Zukunftspläne, wohl wissend, dass einiges an die Öffentlichkeit gelangen würde. Der dritte Punkt in seinem Brief war der wichtigste: die Zulassung von Zuschauern.

Nachdem der in der DFL-Kommission sitzende Alexander Wehrle (1. FC Köln) als eines der Liga-Sprachrohre die Thematik aufgegriffen hatte, teilte die DFL nun mit, dass sie bereits den Dialog mit dem Bundesgesundheitsministerium aufgenommen habe, „mit Blick auf die Möglichkeit, mit dem Saisonstart schrittweise Zuschauer zu den Spielen beider Ligen zuzulassen“, schrieb der mit dem Gesundheitsministern Jens Spahn (CDU) im persönlichen Austausch stehende Seifert.

Tatsächlich ist es ja schwer vermittelbar, dass Zehntausende für Demonstrationen im Gedränge auf die Straße gehen, aber auf absehbare Zeit die Stadien verschlossen bleiben sollen. Nur in dieser Saison wird am Verzicht aufs Publikum nicht mehr gerüttelt – jede virenfrei über die Runden gebrachte Begegnung gilt intern bei der DFL immer noch als Erfolg. Insofern wird es die Öffnung nur nach ganz reiflichen Überlegungen geben, wie beispielsweise die Einhaltung der Abstände gewährleistet werden kann. Keinesfalls soll es Bilder wie in Ungarn geben, wo beim Pokalendspiel die feiernden Anhänger von Honved Budapest eine Menschenansammlung bildeten, die wieder Viruslast weitertragen könnte.

Völler sieht Korrekturbedarf

Der DFL-Chef ermahnte die Klubs, „keine konkreten Zahlen oder Zeitpunkte ungeprüft in den Raum zu stellen“, um eine erneute Debatte über eine Sonderrolle des Fußballs zu vermeiden. Der designierte Vorstandsboss des FC Bayern, Oliver Kahn, muss noch besser hinhören: Der Ex-Nationalkeeper hatte über „10 000 bis 11 000 mögliche Zuschauer“ in der Münchner Arena gemutmaßt. Legitim sind eingedenk der extrem niedrigen Zahl an Infizierten die Überlegungen in der Liga zur Rückkehr in die Normalität allemal. Das Fachmagazin „Kicker“ berichtete von einem Konzept unter dem Arbeitstitel „Re-Start 2“. Lockerungen der strengen Regeln im derzeit gültigen Hygiene- und Sicherheitskonzept stehen zum avisierten Start der Saison 2020/21 am 11. September scheinen unausweichlich.

Die DFL will ihre Bestimmungen „an die zwischenzeitlichen Entwicklungen in der Gesamtgesellschaft“ anpassen. Leverkusens Geschäftsführer Rudi Völler wertete es als „schwer nachvollziehbar, dass Menschen in Cafes ohne Mundschutz ihren Cappuccino trinken dürfen, während unsere Co-Trainer, die Ersatzspieler und wir Offiziellen auf der Tribüne mit großem Abstand und an der frischen Luft noch eine Maske tragen müssen“. Gleichwohl ist der deutsche Fußball gut beraten, seinen Vorsprung gegenüber anderen Ligen (und Sportarten) nicht leichtfertig zu verspielen.

Wo noch in dieser Spielzeit nachjustiert werden könnte – sofern alle Landesregierungen mitspielen – ist bei der bislang auf 300 Personen begrenzten Teilnehmerzahl pro Partie. Die DFL spricht sich inzwischen für die Zulassung von mehr Journalisten (derzeit zehn) und Fotografen (drei) aus. Auch die Delegationen der Klubs (acht für den Heimverein, vier für den Gast) könnte erweitert werden. Pressetribüne bzw. Businessbereiche bieten reichlich freien Raum. Der unmittelbare Personenkreis um die Mannschaft sei aber „nach wie vor als hochsensibel anzusehen“, hieß es in dem Schreiben. Nicht völlig abwegig ist, dass zumindest für die letzten beiden Bundesliga-Spieltage erste Lockerungen erlaubt werden. Vielleicht wird auch erst das DFB-Pokalfinale in Berlin am 4. Juli zum Probelauf, zumal speziell im weitläufigen Olympiastadion niemand Gefahr läuft, sich zu nahe zu kommen.

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