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Regt sich über DFB-Präsident Keller auf: Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge.

FC Bayern

Mal wieder im Streitmodus

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In schöner Regelmäßigkeit keilen der FC Bayern und der DFB gegeneinander aus. Diesmal Karl-Heinz Rummenigge gegen DFB-Präsident Fritz Keller.

Vor zwei Wochen, als um den Wiedereinstieg in den Fußballbetrieb noch gerungen und in der Szene Solidarität gelebt wurde, begann es schon wieder zu knistern zwischen dem FC Bayern und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB). In einem Studio des Bayerischen Fernsehens hatte sich eine große Runde eingefunden, die die Lage des Sports in Corona-Zeiten diskutierte, für den FC Bayern saß dort sein Ehrenpräsident Uli Hoeneß, für den DFB dessen Vize Rainer Koch, der auch dem Bayerischen Fußball-Verband vorsteht und der deutsche Mann in der Uefa-Exekutive ist. Man sprach über den Fußball unter der Profi-Spitze: Dritte Liga, Frauen-Bundesliga, die unter Obhut des DFB stehen.

Uli Hoeneß fand, um die Probleme dieser Klubs aufzufangen, „könnte der DFB ja mal seine Silos öffnen“. Rainer Koch richtete sich sofort auf in seinem Stuhl: „Ich glaube, die Silos des DFB sind nur ein Bruchteil der Silos des FC Bayern.“ Man solle das jetzt aber nicht vertiefen.

Die Bayern als Primus der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und der DFB – kaum rollt der Ball, gehen sie nun wieder aufeinander los. Den Anlass gab aus Münchner Sicht ein Interview, das Verbandspräsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius dem „Spiegel“ gegeben hatten. Keller hatte eigentlich nichts explizit gegen den FC Bayern Gerichtetes gesagt, sondern eine allgemein gehaltene Kritik an Umtrieben des Profifußballs geäußert.

Die „Neureichen, die mit ihrem Geld herumprotzen“, kamen vor, Curtius fügte „die Goldsteaks, die einige Spieler sich gegönnt haben“ hinzu sowie die 222 Millionen Euro Ablöse, die Paris St. Germain für den Spieler Neymar entrichtet hat. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge konterte am Sonntag: „Wenn wir eine Krise im deutschen Fußball in den vergangenen Jahren hatten, war sie beim DFB zu suchen.“ Und wenn Protzerei der Stars beklagt werde – er könne ja auch Beispiele der Demut nennen. Er verwies auf die von Bayern-Spielern angeschobene Aktion „We Kick Corona“.

Bayern und der DFB – immer wieder kommt es zu Konflikten.Besonders häufig wegen der Nationalmannschaft. Mal kritisieren die Münchner, dass ihre Spieler zu sehr beansprucht werden, vor allem die diversen Qualifikationsrunden, die aber von Fifa und Uefa festgelegt werden, würde Rummenigge abschaffen oder verkürzen. Auch verletzt von ihren Nationalmannschaften (nicht nur der deutschen) zurückkehrende Akteure nerven den FC Bayern. Sein Lamento: Es sind seine Angestellten, er muss sie bezahlen, bekommt lediglich eine geringe Abstellungsgebühr – und der DFB macht Geld mit ihnen, spannt sie auch für Werbezwecke ein, die den Sponsoring-Interessen des Vereins entgegenstehen.

Auf der anderen Seite geraten die Bayern in Wallung, wenn ihre Spieler keine Anerkennung durch eine Berufung in die DFB-Auswahl erfahren. Als Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels von Bundestrainer Joachim Löw für immer aus der Nationalmannschaft gestrichen wurden, schäumten die Bayern, Uli Hoeneß meinte, wenn er zum Ausdruck bringe, was er denke, werde „das Internet einen Salto rückwärts und dann einen vorwärts schlagen“.

Das tat das Netz dann aber, als Hoeneß drohte, was alles geschehen werde, wenn der DFB Manuel Neuer nicht den Rücken stärken und ihn für alle Zeiten zur Nummer eins erklären werde.

Zwischen den Bayern und dem DFB geht es immer auch um die Deutungshoheit im deutschen Fußball. Der FC Bayern bringt an die 300 000 Mitglieder in die Beziehung ein, auch dank der Strahlkraft des erfolgreichsten Klubs darf sich der DFB als Vertreter von mittlerweile sieben Millionen Menschen sehen. Ebenso profitiert davon der Bayerische Fußball-Verband, der, wie Rainer Koch stolz vorrechnet, „der achtgrößte in der Uefa wäre“. Wenn er die Bilanzen der Verbände schon gut aussehen lässt, dann will der FC Bayern auch gehört werden, lässt gelegentlich Spitzen raus (gegen DFB-Direktor Oliver Bierhoff die „Ich-AG vom Starnberger See“, gegen Rainer Koch, den „Amateur“). Und Uli Hoeneß ruft – geschehen bei der WM 2018 – schon mal bei der Nationalmannschaft an, um seine Aufstellungswünsche („Nicht Özil“) zu platzieren.

Der nächste Streit kommt bestimmt. 2023 läuft der Grundlagenvertrag zwischen DFB und DFL aus, vielleicht wird der Profibereich mehr als bisher an die Amateure abgeben müssen. Der FC Bayern wird sich melden.

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