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Wie sich Deutschland bei entscheidenden WM-Gruppenspielen schlug

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Von: Jan Christian Müller

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2018 – die Schmach von Kasan: Deutschland verliert 0:2 gegen Südkorea.
2018 – die Schmach von Kasan: Deutschland verliert 0:2 gegen Südkorea. © imago/Moritz Müller

Völler setzt auf Ramelow, Klinsmann auf den Flow, Löw auf eine Rasselbande, Ein Blick zurück auf entscheidende WM-Gruppenspiele.

Zwei Tore, ein Punkt, letzter Platz. Das ist die magere Bilanz der deutschen Nationalmannschaft vor dem entscheidenden WM-Vorrundenspiel gegen Costa Rica. Ein Unentschieden am Donnerstag (20 Uhr/ARD) wäre zu wenig. Schauen wir gemeinsam zurück; nicht in die ganz ferne Vergangenheit, aber auf dieses Jahrtausend. Und legen wir über das zweimalige, jeweils hochnotpeinlich frühe Aus bei der Europameisterschaft 2000 (0:3 gegen Portugal in Rotterdam) und vier Jahre später in Lissabon (1:2 gegen Tschechien) fürsorglich den Mantel des Schweigens. Sondern konzentrieren uns auf die Weltmeisterschaften seit dem Turnier in Japan und Südkorea 2002.

Shizuoka, 11. Juni 2002: Es fühlt sich an wie in einer Sauna im erst ein Jahr zuvor eröffneten Stadion von Shizouka. Die Luftfeuchtigkeit irgendwo zwischen 80 und 90 Prozent, Deutschland gegen Kamerun, die „unzähmbaren Löwen“, trainiert vom deutschen Trainer Winfried Schäfer. Das DFB-Team, mit minimaler Erwartungshaltung angereist, ist erstaunlich gut in diese WM gestartet. 8:0 gegen Saudi-Arabien im geschlossenen Dome von Sapporo. Bald darauf aber ein ernüchterndes 1:1 gegen Irland in Kashima. Gegentor in letzter Minute durch Robbie Keane. Hängende Köpfe. Und Druck, Druck, Druck gegen Kamerun.

Erst recht, als der bereits gelbverwarnte Carsten Ramelow schon nach 40 Minuten nach einem Foul am viel zu schnellen Samuel Eto’o die Gelb-Rote Karte sieht. Der Leverkusener gibt einen klassischen Libero. Die Position galt seinerzeit eigentlich schon als abgeschafft. Aber Teamchef Rudi Völler setzt auf Ramelow. In jedem Vorrundenspiel startet Völler mit derselben Formation. Zur Pause stellt er um. Moderne Viererkette ohne Ramelow, Marco Bode rein, Carsten Jancker raus. Miro Klose gibt den Ein-Mann-Sturm, Bode sticht von links ständig vor. Und trifft nach 50 Minuten und prächtiger Vorarbeit von Klose zum 1:0, dem Klose selbst später das 2:0 folgen lässt.

Noch in der Nacht startet der Mannschaftsflieger von Japan statt wie befürchtet nach Deutschland nun nach Südkorea. Ziel: Die Urlaubsinsel Jeju Island. Mit drei 1:0-Siegen gegen Paraguay, die USA und Co-Gastgeber Südkorea schlurft Völler mit seiner Mannschaft ins Finale von Yokohama – und unterliegt dort ohne den gelbgesperrten Michael Ballack unglücklich 0:2. Nach der Ankunft in Frankfurt werden Teamchef und Spieler gefeiert.

Berlin, 20. Juni 2006: Nach Siegen gegen Costa Rica (4:2 in München) und Polen (1:0 in Dortmund) ist Jürgen Klinsmanns Mannschaft schon vor dem Spiel gegen Ecuador durch. Im Berliner Olympiastadion gewinnt sie 3:0 – und schafft es bis ins Halbfinale. Dort ist nach Verlängerung Schluss gegen den späteren Weltmeister Italien.

Johannesburg, 23. Juni 2010: Ein kalter Abend im südafrikanischen Winter. Lange-Unterhosen-Temperaturen. Deutschland gegen Ghana im Finalstadion Soccer City. Die Rasselbande von Joachim Löw ist zum Auftakt mit 4:0 im warmen Durban über Australien hinweggefegt. Danach verliert sie völlig überraschend im Stadion Nelson Mandela Bay in Port Elizabeth 0:1 gegen Serbien. Miro Klose sieht Gelb-Rot und ist gesperrt, Lukas Podolski verschießt einen Strafstoß.

Somit herrscht maximaler Druck gegen Ghana im deutschen Teamquartier, dem Velmore Hotel in der fernen Nähe der Hauptstadt Pretoria. Deutschland, ganz in Schwarz, spielt mit Zitterfüßen – und siegt dennoch. Mesut Özil trifft mit links aus 20 Metern.

Es folgen atemberaubende Vorstellungen in Bloemfontein gegen England (4:1) und im wunderschönen Green Point Stadium von Kapstadt gegen Diego Maradonas Argentinien (4:0). Erst im Halbfinale in Durban gegen Spanien ist Schluss. 0:1. Spanien wird Weltmeister. Deutschland Dritter.

Recife, 26. Juni 2014: Es regnet seit Stunden wie aus Kübeln. Die Straßen: überflutet. Der Platz: kaum bespielbar. Deutschland braucht einen Punkt gegen die von Jürgen Klinsmann gecoachten USA, weil es zuvor nach dem 4:0 gegen Portugal nur zu einem 2:2 gegen Ghana gereicht hat. Die Nerven gespannt. Jogi Löw platschnass. Thomas Müller macht mit seinem vierten Turniertor per Flachschuss das 1:0.

Sodann: mehr Glück als Verstand beim 2:1 nach Verlängerung im Achtelfinale in Porto Alegre gegen Algerien. 1:0 im Viertelfinale in Rio gegen Frankreich, 7:1 in Belo Horizonte gegen Brasilien. 1:0 im Finale nach Verlängerung gegen Argentinien. Weltmeister. Der Siegerflieger dreht vor der Landung eine Extrarunde über Berlin.

Kasan, 27. Juni 2018: Nach dem Fehlstart gegen Mexiko (0:1) in Moskau und dem in letzter Minute durch den Kunstschuss von Toni Kroos erwürgten 2:1 gegen Schweden in Sotschi braucht Joachim Löws Team einen Sieg gegen Südkorea. Doch die Partie gegen die schon ausgeschiedenen Asiaten wird zu einer der blamabelsten Vorstellungen einer deutschen Nationalmannschaft.

Nach der 0:2-Niederlage und einer kurzen Nacht im berüchtigten Teamquartier in Watutinki landen die Gedemütigten am nächsten Nachmittag unerkannt in Frankfurt. Diesmal nicht im Siegerflieger, sondern in einem Airbus, in dem passenderweise noch nicht einmal die Bordtoilette in der Business Class funktioniert.

2002 – die Erlösung von Shizuoka: Marco Bode (Anzeigetafel) und Miroslav Klose treffen in Unterzahl zum 2:0 gegen Kamerun.
2002 – die Erlösung von Shizuoka: Marco Bode (Anzeigetafel) und Miroslav Klose treffen in Unterzahl zum 2:0 gegen Kamerun. © imago/Sven Simon

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