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Barcelonas Lionel Messi (C) kämpft mit Real Madrids Toni Kroos (R) und Gareth Bale beim Fußballspiel der spanischen Primera Division zwischen Real Madrid und Barcelona im Stadion Santiago Bernabeu um den Ball.

Spanien

„Wir leben für solche Spiele“

Faszination Clásico: Das Duell zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid birgt diesmal auch wegen angekündigter Proteste besondere Brisanz. Teams steigen im selben Hotel ab.

Gerard Piqué vom FC Barcelona und Sergio Ramos von Real Madrid küssen sich auf Barcelonas Nobelmeile Passeig de Gràcia – nicht wahrhaftig natürlich, aber auf einem in der Nacht zum Dienstag gemalten Bild. Zärtlichkeiten sind am Mittwochabend beim Topduell in der spanischen Eliteliga Primera Division zwischen dem Meister aus Katalonien und den Königlichen aus der Hauptstadt trotz des Friedensappells eines bekannten Graffiti-Künstlers eher nicht zu erwarten. Ganz im Gegenteil.

Warum ist der 242. Clásico so brisant? Dafür gibt es mehrere Gründen. Zum einen natürlich die sportlichen. Beide Klubs liegen in der Tabelle mit jeweils 35 Punkten aus 16 Spielen vorne. So eng ging es an der Spitze des spanischen Tableaus lange nicht mehr zu. Zudem sinnt Real nach dem peinlichen 1:5-Debakel der vergangenen Saison im Camp Nou auf Revanche, und überhaupt auf eine bessere Bilanz: Der letzte Ligasieg im Clásico liegt für die Madrilenen bereits gut dreieinhalb Jahre zurück. „Beide Teams sind in guter Form“, sagt Real-Kapitän Ramos, „aber unabhängig davon ist ein Clásico ein Clásico. Egal wie die Form ist: Wir müssen gut vorbereitet sein,“

Zum anderen ist die Beziehungen zwischen den beiden Klubs gespannter denn je. Unvergessen ist gerade der Spott von Piqué nach dem 3:0-Sieg im Februar beim Pokalrückspiel im Bernabéu. „Das wird langsam zur Gewohnheit. Das macht schon fast keinen Spaß mehr, hier zu gewinnen. 0:3, 0:4, 0:5...“, hatte der Abwehrmann gesagt. Das kam verständlicherweise nicht gut an.

Als wäre das Duell nicht schon so brisant genug, wollen Aktivisten der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung erstmals den Clásico zum Anlass nehmen, um für ihr Anliegen zu werben. Mit Barrikaden in unmittelbarer Stadionnähe und einer Blockade des Real-Busses, für die nach Angaben der Organisation „Tsunami Democratic“ mehr als 25 000 Menschen ihre Teilnahme zugesagt haben. Rund 4000 Polizeibeamte sollen im Stadion und rundherum für Ruhe und Ordnung sorgen.

Pikant: Wegen der Proteste werden beide Teams erstmals auch im identischen Hotel ihre Unterkunft beziehen. Die Nobelherberge Sofia liegt nur rund 600 Meter vom Stadion entfernt, der Weg sollte somit also leicht zu meistern sein. Die beiden Kontrahenten reisen auch jeweils erst am heutigen Mittwochvormittag an – ein Streit ums letzte Frühstücksei dürfte also nicht entbrennen. Der Klassiker der beiden Weltklubs sollte in dieser Hinrunde ja eigentlich schon am 26. Oktober ausgetragen werden. Aufgrund der Unruhen in Katalonien wegen der Gerichtsurteile gegen neun Separatistenführer wurde die Begegnung aber verschoben. Anpfiff ist um 20 Uhr. Die Demos sollen schon um 16 Uhr beginnen.

Aus den Weltklassekadern der beiden Teams stechen zurzeit zwei Stars noch einmal hervor. Lionel Messi beim FC Barcelona, natürlich möchte man anfügen, und Karim Benzema, nicht mehr ganz so klar, bei Real Madrid. Der Argentinier und der Franzose führen die Torschützenliste mit je zwölf Toren an. In 41 Duellen gegen Real traf Messi so oft wie kein Zweiter in der 117-jährigen Clásico-Historie: 26 Mal. „Wir wissen, dass sie Messi haben. Aber auch wir haben unsere Waffen“, sagte Real-Trainer Zinedine Zidane.

TV-Livebilder in 180 Ländern

Doch gerade Benzema, mittlerweile 31 Jahre alt, überzeugt in dieser Spielzeit mit hervorragenden Leistungen. Der Mittelstürmer mit der feinen Technik hat sein Spiel noch einmal auf ein höheres Niveau gehievt. Es sieht nicht nur nett aus, sondern ist auch äußerst effektiv. Nicht umsonst bekommt der Ex-Frankfurter Luka Jovic bei Trainer Zidane kaum Gelegenheiten, seine Qualitäten zu zeigen. „Karim ist in einer sehr guten Form und hoffentlich kann er sie über die ganze Saison beibehalten“, sagt Kollege Ramos zu Benzema, während dieser selbst ergänzt: „Wir wissen, dass es ein schwieriges Spiel ist. Ich kann sagen, es ist das wichtigste Spiel der Saison.“

So wichtig, dass wohl mehr als 650 Millionen Menschen in rund 180 Ländern das Duell live im Fernsehen betrachten werden. Für Zinedine Zidane, einst ja auch selbst Teil dieses Fußballduells auf dem Rasen, ist das nur allzu logisch. Er fasste die Faszination des Clásico vorab wie folgt zusammen: „„Ich bin glücklich, wir sind alle glücklich, dass wir einen Clásico spielen dürfen. Ich kann mich noch an meine Profizeit erinnern. Wir leben für solche Spiele.“ (dpa/dani)

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