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Eleganter Ballstreichler im neuen DFB-Dress: Kai Havertz.
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Eleganter Ballstreichler im neuen DFB-Dress: Kai Havertz.

Kai Havertz

Wie der junge Thomas Müller

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Kai Havertz vom FC Chelsea ist gerade dabei, im deutschen Nationalteam seinen Stammplatz zu festigen.

Kai Havertz taugt neuerdings sogar zum Coverboy bei der deutschen Nationalmannschaft. Jedenfalls ziert sein Konterfei die Titelseite des in der Pandemie nur als digitales E-Paper verbreiteten Länderspiel-Magazins zum WM-Qualifikationsspiel gegen Nordmazedonien. Dass der Blick des 21-Jährigen dabei gedankenverloren in die Ferne schweift, passt allerdings nicht ganz: Selten war der Jungstar einem Stammplatz so nah wie im Frühjahr 2021. In Duisburg winkt ihm der dritte Startelfeinsatz hintereinander, denn dafür sprechen ein Tor und eine Vorlage bei den ersten Pflichtsiegen gegen Island (3:0) und in Rumänien (1:0).

Für den schon länger als das Toptalent des deutschen Fußballs gehandelten Havertz liegt keine einfache Zeit. „Es ist eine schwere Saison. Ich weiß, dass nicht alles glatt läuft“, gestand er gerade in Bukarest. Der verzögerte Wechsel zum FC Chelsea, die hohe Erwartungshaltung ob der fast 100 Millionen Euro Ablöse, die Turbulenzen an der Stamford Bridge durch die Entlassung von Vereinslegende Frank Lampard – und nicht zuletzt der unerbittliche Terminplan eines englischen Spitzenklubs – all das zehrte an Havertz, der sich zu allem Überfluss im Herbst vergangenen Jahres noch eine Corona-Erkrankung einfing, über die er danach sagte: „Wichtig ist, dass alle verstehen, dass es kein Spaß ist.“

Die britische Presse nannte ihn „Fremdkörper“ oder „Sorgenkind“. Vor allem fehlendes Durchsetzungsvermögen – tatsächlich ein Punkt, an dem der gebürtige Aachener noch arbeiten sollte – wurde ihm im rauen Alltag immer wieder zum Vorwurf gemacht. „Du brauchst ein halbes Jahr, um dich zu akklimatisieren. Ich bin aber für die nächsten Wochen positiv“, erklärte Havertz nun. Sein Mitstreiter Ilkay Gündogan, selbst seit fast fünf Jahren für Manchester City in der Premier League am Ball, konnte ihm da am Dienstag nur beipflichten: Anlaufschwierigkeiten seien ganz normal, „bei dem Alter umso normaler“.

Lob von Gündogan

Ihm imponiere, dass Havertz bereits in so jungen Jahren den Wechsel gewagt habe: „Ich würde mir noch mehr Spieler wünschen, die die Reise ins Ungewisse unternehmen, deshalb finde ich das außergewöhnlich“. Und über die Befähigung des Offensivmannes müsse man doch nicht diskutieren: „Es ist sensationell, was für Anlagen er mitbringt.“

Sein Coach Thomas Tuchel sieht in Havertz sogar einen „einzigartigen Spieler, irgendetwas zwischen einem Neuner und Zehner.“ Bei der Nationalelf trägt der gerade die Zehn. Für Joachim Löw ist der Spielertyp deshalb wichtig, weil die DFB-Auswahl gerade mit einem Dreiersturm agiert, in der die Positionen und Laufwege keinen festen Mustern folgen. Dafür braucht es Instinktfußballer wie Havertz, der seinen Part nun zweimal von der rechten Angriffsseite fast ähnlich interpretierte wie Thomas Müller beim FC Bayern: fallen lassen, häufiger ins Zentrum ziehen.

Daher stellt sich die Frage, ob eine Rückholaktion ungeachtet der unbestrittenen Qualitäten des Münchner Allesgewinners nicht eine wichtige Erfahrung blockieren würde: nämlich den EM-Ernstfall für einen der wenigen deutschen Topspieler aus den Jahrgängen 1997/98/99. Es liegt an Havertz, jetzt Argumente nachzureichen, die Müllers Rückkehr nicht zwingend nötig machen.

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