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Friedrich Curtius, Generalsekretär des DFB, zieht Strippen im Hintergrund.

EM-Bewerbung

Der wichtigste Tag des Jahres

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Sollte die Bewerbung des Deutschen Fußball-Bundes um die EM 2024 scheitern, drohen krachende Konsequenzen.

Die übergreifenden Botschaften der Bewerbungen zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und dem Türkischen Fußball-Verband (TFF) um die EM 2024 sind sich verdächtig ähnlich. Dem deutschen Slogan „United by Football“ steht das türkische Motto „Share together“ entgegen. Auch im Evaluierungsbericht finden sich deckungsgleiche Passagen. Über Deutschland heißt es da: „Insgesamt präsentiert der Bewerber eine inspirierende, kreative und sehr professionelle Vision.“ Über die Türkei: „Insgesamt präsentiert der Bewerber eine inspirierende, attraktive und qualitativ hochstehende Vision.“

Seit Dienstag hat sich die deutsche Delegation am malerischen Genfer See zurückgezogen. Für den größten deutschen Sportverband ist die Vergabe am Donnerstag (ab 13 Uhr) der wichtigste Tag des Jahres. Der zuletzt auffällige wortkarge Reinhard Grindel ließ in Nyon gegenüber den Agenturen ausrichten: „Wir bieten politische und wirtschaftliche Stabilität, wir haben ein Nachhaltigkeitskonzept und verfügen über die Erfahrung in der Organisation großer Turniere.“

Der DFB stünde vor einer Zäsur, sollte Grindels „Leuchtturmprojekt kippen. Dabei geht der Ursprung der Bewerbung noch auf Vorgänger Wolfgang Niersbach zurück. Sein Nachfolger hat inzwischen national und international nur noch wenige Fürsprecher. Selbst bei einem EM-Zuschlag wäre nicht sicher, dass der 57-Jährige im September 2019 wiedergewählt wird. Der größte deutsche Sportverband arbeitet seit diesem Jahr zwar in einer neuen Organisationsstruktur, aber ausgerechnet der Drahtzieher dieser Reform, Generalsekretär Friedrich Curtius, hat sie bei einem Scheitern infrage gestellt.

Bekommt Deutschland das Recht, das zweite Mal nach 1988 eine EM auszurichten – damals noch mit acht Teams – dann wäre es zumindest ein bisschen Rückenwind, der zum Durchlüften genutzt werden müsste. Schließlich will sich gerade die zu errichtenden Akademie, ein 150-Millionen-Projekt, besonders innovativ und kreativ zeigen. Die Spannung bei den DFB-Oberen steigt, denn die Lage im schwer durchschaubaren Uefa-Zirkel ist offenbar nicht so eindeutig pro DFB wie viele glauben. Es soll Exekutivmitglieder geben, die haben den Prüfbericht gar nicht gelesen. Vermutlich hatte Joachim Löw Recht, als er bei seinem London-Besuch kürzlich sagte: „Ich glaube, wir gehen mit einem leichten Vorsprung in die nächste Woche.“ Der Bundestrainer wird wie EM-Botschafter Philipp Lahm bei der Kür am Genfer See dabei sein. Mitglieder der Bewerbungsdelegationen müssen eine Funktion im Fußball bekleiden.

Lobbyisten wird es nicht hindern, sich bis kurz vor solch einem Entscheid – auf welchem Wege auch immer – an die Wahlmänner heranzumachen. Mit der Französin Florence Hardouin ist diesmal auch eine Frau dabei. Obskur wirkt zweierlei: Die Uefa billigt auf einmal Enthaltungen und macht ungeachtet aller Transparenzversprechungen im Nachgang nicht öffentlich, wer für wen gestimmt hat.

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