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Mikhael Ponomarev hält über eine Gesellschaft namens „KFC Uerdingen Entertainment GmbH“ 97,5 Prozent an der ausgegliederten KFC Uerdingen 05 Fußball GmbH. 

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Whistleblower wider Willen

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Was der Fußballspieler Manuel Konrad über den Ausraster des Uerdinger Klubchefs Mikhael Ponomarevs verraten hat. Der Kommentar.

Am Sonntag hat Manuel Konrad dann gefehlt. Beim Drittligaspiel in Meppen stand der Mittelfeldspieler des KFC Uerdingen 05 nicht im Kader der Rheinländer, und wer in der vergangenen Woche gut vernetzt war, konnte sich auch vorstellen, warum. Sagen wir mal so: Es waren wohl keine sportlichen Gründe.

Eine Sprachnachricht von Konrad hatte auf dem Nachrichtendienst Whatsapp die Runde gemacht. In der privaten Mitteilung, offenbar an ehemalige Mitspieler versandt, berichtet der 31-jährige ehemalige Profi des FSV Frankfurt gleichermaßen entgeistert wie amüsiert von einem Ausraster Mikhael Ponomarevs, dem Uerdinger Klubboss. Nach der 0:3-Niederlage am Montagabend gegen Waldhof Mannheim war dem Russen der Kragen geplatzt, bei seiner Körperfülle womöglich sogar wortwörtlich. „Ich schwöre dir, das hab ich in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt, ich habe noch nie so ein Monster in der Kabine gesehen“, sagt Konrad in der unter anderem auf Youtube abrufbaren Aufnahme: „Das war geisteskrank. Die Physios haben fast geweint, der ist eskaliert“, berichtet der Fußballer. „Hätte der ein Messer gehabt – gemetzelt hätte der uns.“

„Was passieren mit euch – Idiot blöd!“, äffte Konrad den Investor nach, ziemlich gekonnt übrigens, inklusive russischem Akzent. Ponomarev habe „Tische durch die Gegend geschlagen“ sowie „mit der Faust in den Kühlschrank rein“. Der wenig später entlassene Coach Heiko Vogel musste sich zudem derbe Beleidigungen anhören: „Trainer erzählen du mir, was du machen mit Mannschaft – Arschloch!“ Vogel erhielt am Dienstag schließlich den Laufpass. Über Manuel Konrads Schicksal ist über die Kaderverbannung hinaus noch nichts Näheres bekannt.

Ponomarev hat die Macht

Als die Nachricht an die Medien durchgesickert war, war der Profi jedenfalls gleich um Schadensbegrenzung bemüht. Es habe sich um eine „überzeichnete Persiflage“ gehandelt, sagte er der „Rheinischen Post“. In ein schlechtes Licht habe er Ponomarev nicht rücken wollen: „Im Gegenteil, ich kann ihn verstehen. Er steckt viel Geld in den Verein und derzeit stehen Investition und Ertrag in einem krassen Missverhältnis.“ Tatsächlich will der Russe unbedingt ins Rampenlicht des deutschen Fußballs, dafür scheint ihm jedes Mittel recht. Mit Vorliebe verpflichtet er namhafte, aber in Wahrheit längst abgehalfterte Spieler wie Kevin Großkreutz, schmeißt dafür einen Trainer nach dem anderen raus. Acht verschiedene Übungsleiter sind gelistet, seit Ponomarev im Juni 2016 in Krefeld einstieg. Ohne den gewünschten Erfolg. Aktuell müssen sich die Uerdinger in der Dritten Liga eher mit dem Ab- als mit dem Aufstieg beschäftigen.

Das alles zeigt auch, wie schädlich der Einfluss von windigen Investoren sein, die sich auch von der 50+1-Regel nicht abhalten lassen, einen Klub de facto zu übernehmen. Ponomarev, über dessen Vermögensbildung fast nichts bekannt ist, hält über eine Gesellschaft namens „KFC Uerdingen Entertainment GmbH“ 97,5 Prozent an der ausgegliederten KFC Uerdingen 05 Fußball GmbH. Zwar hält der e.V. zur Wahrung von 50+1 die Stimmenmehrheit in der GmbH, aber weil Ponomarev auch Präsident des e.V. ist, hat er die Kontrolle übers Profiteam. Er kann tun und lassen, was er will, schreien, beschimpfen, gegen Tische und Kühlschränke schlagen. Blöd halt, wenn es rauskommt. Blöd vor allem für den unfreiwilligen Whistleblower Manuel Konrad.

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