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Hannover 96 setzt auf Hendrik Weydandt.

Hannover-Stürmer

Weydandt gegen Lewandowski: 96-Aufsteiger vor FCB-Premiere

Einmal ein Bundesliga-Tor schießen. Einmal gegen die großen Bayern spielen. Davon träumt jeder Kreisliga-Fußballer. Hendrik Weydandt von Hannover 96 erlebt gerade genau diese Karriere. An diesem Samstag spielt er zum ersten Mal gegen den deutschen Meister.

Robert Lewandowski oder Arjen Robben kennt er bislang nur aus dem Fernsehen. Als der FC Bayern München vor fünf Jahren die Champions League gewann, spielte Hendrik Weydandt noch für den TSV Groß Munzel in der Kreisliga.

Der 23 Jahre alte Stürmer ist der Aufsteiger dieser Saison bei Hannover 96, wenn nicht sogar in der gesamten Fußball-Bundesliga. An diesem Samstag (15.30 Uhr) spielt er auch zum ersten Mal gegen den deutschen Meister.

„Die Bayern sind aktuell zwar nicht der Primus der Liga. Trotzdem sind sie über Jahre gesehen der Club mit der größten Ausstrahlung in Deutschland“, sagte Weydandt in dieser Woche. „Der Nervenkitzel ist dadurch automatisch etwas höher. Ich freue mich auf das Spiel.“

Für einen Fußballer mit seiner Vita ist das noch einmal ein größerer Tag als für jemanden, der schon fünf Bundesliga-Jahre hinter sich hat oder einige Bayern-Stars noch aus der Junioren-Nationalmannschaft kennt. Drei Tore in den ersten neun Bundesliga-Spielen. Und jetzt womöglich von der ersten Minute an gegen die großen Bayern: Die meisten Spieler können von so etwas nur träumen, wenn sie wie Weydandt nie ein Nachwuchsleistungszentrum von innen gesehen haben oder einen Wechsel vom TSV Groß Munzel zu Germania Egestorf/

Langreder lange Zeit für die größte Herausforderung ihrer Karriere hielten.

Der Aufstieg 23-Jährigen ist eine so große und vor allem selten gewordene Geschichte, dass man sich in Hannover seit Tagen einen Spaß daraus macht, den „Henne“ mit dem dreimaligen Bundesliga-

Torschützenkönig Robert Lewandowski zu vergleichen. So hat die „Neue Presse“ in dieser Woche errechnet, dass Weydandt sogar eine bessere Quote als der Bayern-Torjäger aufweist, wenn man die erzielten Tore und die gespielten Minuten in dieser Saison in ein Verhältnis setzt. Danach traf Weydandt in seiner ersten Bundesliga-Saison bislang alle 91 Minuten, während zwischen den neun Lewandowski-Treffern statistisch gesehen jeweils 129 Minuten lagen.

Hannovers Stürmer amüsiert so etwas. „Eine nette Anekdote“, sagte er. Tatsächlich hat man bei Lewandowski schnell vergessen, dass seine Weltkarriere zumindest in den ersten Jahren mehr Ähnlichkeiten mit der von Hendrik Weydandt hatte als mit der eines Cristiano Ronaldo.

Der 1. FC Germania Egestorf/Langreder im Leben des Robert Lewandowski heißt Znicz Pruszkow. Noch mit 19 Jahren spielte er in der polnischen Provinz. Das zeigt: Karrieren, die alles andere als linear verlaufen, sind immer noch möglich. Neben allem Talent und Ehrgeiz braucht man dafür vor allem den richtigen Förderer zur richtigen Zeit.

Hannovers Trainer André Breitenreiter ist jemand, der jungen Leuten vertraut. Unter ihm wurde Leroy Sané bei Schalke 04 zum Nationalspieler. Seinen Stürmer Niclas Füllkrug formte er vom Ersatzspieler in der Zweiten Liga zum neuen Gesicht von Hannover 96.

Über Weydandt sagte Breitenreiter: „Ich zähle Henne noch zu den jungen Spielern, weil er auf diesem Niveau null Komma null Erfahrung hat. Es war richtig, ihn nach dem Start ein bisschen rauszunehmen, damit der Hype nicht zu groß wird und er das alles verarbeiten kann.“ In ein Leistungsloch ist der frühere Kreisliga-Stürmer aber auch in der Bundesliga nie gefallen.

„Henne hat über Wochen hinweg auch bei seinen Einwechselungen immer wieder gezeigt, dass er brandgefährlich ist, dass er immer eine positive Energie auf den Platz bringt und immer etwas bewegen will“, meinte Breitenreiter. „Jetzt überlegen wir uns, welche Spielertypen wir gegen die Bayern brauchen. Und dann ist Henne natürlich wieder eine Option für die Anfangsformation.“

(Von Sebastian Stiekel, dpa)

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