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Werder Bremen fühlt sich bereit für den FC Bayern: Torschütze Thedor Gebre Selassie wird von Max Kruse getragen, Nuri Sahin (re.) und Milos Veljkovic schauen zu.

Werder Bremen

Werder ist die Mannschaft der Stunde

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Bremen ist als einziges Team aus den Topligen Europas in diesem Jahr ungeschlagen und misst sich nun gleich zweimal mit dem FC Bayern München.

Es gab Zeiten, da schien der beliebte Schlachtruf aus dem Weserstadion bis rüber über den Fluss zu dröhnen. „Zieht den Bayern die Lederhosen aus!“ war zu Zeiten eines Otto Rehhagel und Thomas Schaaf die akustische Untermalung zum Evergreen SV Werder gegen FC Bayern, in dem der Ausgang über Jahrzehnte zumindest in Bremen völlig offen war. Oft genug schlichen die Münchner am Osterdeich wie geprügelte Hunde vom Rasen; in den 80er Jahren knallte ihnen Uli Borowka die Kugel in den Winkel, spielte sie Rudi Völler schwindlig, schraubte sich Karl-Heinz Riedle in die Lüfte, ehe in den 90er Oliver Reck und Andreas Herzog die Spielverderber gaben, bis später in den 2000er Johan Micoud, Diego oder Mesut Özil die Bremer Sehnsüchte in diesem Nord-Süd-Klassiker mit ihrer besonderen Gabe bedienten. Doch das ist alles verdammt lang her.

16 Bundesligaduelle hintereinander haben die Bayern gegen Bremen gewonnen und dabei 61 Tore geschossen. Beim letzten Werder-Triumph – einem furiosen 5:2 am 20. September 2008 – saß noch Jürgen Klinsmann auf der Bayern-Trainerbank. Insofern ist es schon erstaunlich, dass nach dem mühsamen 2:1-Arbeitssieg gegen den SC Freiburg wieder der Singsang mit den ausgezogenen Lederhosen im Weserstadion ertönte. Nur Florian Kohfeldt wollte es nicht richtig mitbekommen haben. „Im Spiel höre ich doch immer so schlecht“, beschied der Trainer des SV Werder einerseits. Andererseits freut sich der 36-Jährige auf die kommenden Aufgaben gegen den FC Bayern nach eigenem Bekunden „wie ein kleines Kind“.

Erst geht es in der Liga in München (Samstag 15.30 Uhr), dann folgt vier Tage später das DFB-Pokalhalbfinale in Bremen (24. April) gegen den alten Widersacher. Es hätte für diese Doppelhürde kaum einen besseren Zeitpunkt gegeben: Werder ist als einziges Team aus den europäischen Topligen im Jahr 2019 in Pflichtspielen ungeschlagen, die Mannschaft um ihren überragenden Anführer Max Kruse hat in jeder Bundesligapartie getroffen und bestreitet nebenbei die beste Rückrunde seit 15 Jahren.

„Wir wollen beide Spiele gewinnen“, kündigte U21-Nationalspieler Maximilian Eggestein an, der unter der Woche gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Johannes den Vertrag verlängert hatte.

„Wir sind bereit für die Bayern“, betonte Oldie Claudio Pizarro, der nach seiner Einwechslung im zäh anmutenden Abnutzungskampf gegen Freiburg zum entscheidenden Faktor wurde. Zudem hat der 40-Jährige die positive Denke zum Markenkern gemacht. „Schon im ersten Spiel wollen wir mindestens einen Punkt holen. Das Pokalspiel ist ein Entscheidungsspiel, da wollen wir ins Finale“, sagte Pizarro, der selbst zwischen den beiden Vereinen mehrfach gewechselt ist.

„Wir fahren aber jetzt mit einem anderen Gefühl zu den Bayern“, sagte Theodor Gebre Selassie, der gegen Freiburg sein drittes Saisontor erzielte (84. Minute). Der 32 Jahre alte Rechtsverteidiger ist der letzte Stammspieler, der noch in Zeiten von Klaus Allofs verpflichtet wurde. Dessen Nachfolger Thomas Eichin musste einen schwierigen Konsolidierungskurs meistern, der den Klub ständig in den Abstiegskampf verwickelte. Auch der heutige Trainer Kohfeldt hat das mitbekommen, auch wenn er damals noch im Nachwuchsbereich für die Hanseaten arbeitete. „Da standen wir immer zwischen Platz 14 und 18. Jetzt haben wir nicht mehr das Messer am Hals.“ Im Gegenteil: Die Bremer haben trotz des enorm schweren Restprogramms noch eine Doppelchance auf eine Europapokal-Teilnahme.

„Wir fahren nach München um dort zu gewinnen“, kündigte Davy Klaassen selbstbewusst an. Der niederländische Rekordeinkauf vom FC Everton ist zu einem wichtigen Faktor aufgestiegen, der neuerdings auch Torgefahr ausstrahlt. Gegen Freiburg sorgte er mit seinem Treffer zum 1:0 für die Befreiung (76.). Zuvor hatte er im Pokal-Viertelfinale auf Schalke (2:0) und in Mönchengladbach (1:1) wichtige Tore erzielt. „Ich hoffe, ich treffe auch gegen Bayern“, sagte der 26-Jährige. „In der Hinrunde haben wir schon gut gespielt, aber zu wenig Punkte geholt. Jetzt sind wir sehr viel effektiver“, erklärte Klaassen. Hörte sich fast so an, als würden die Protagonisten die Lederhose schon in der Hand haben. (mit dpa)

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