Dicke Backen vor der Relegation: Trainer Florian Kohfeldt. reuters
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Dicke Backen vor der Relegation: Trainer Florian Kohfeldt. 

Werder Bremen

Werder Bremen vor der Relegation: Plötzlich Favorit

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Wie Werder Bremens Trainer Florian Kohfeldt den Rollenwechsel für die Relegation gegen den 1. FC Heidenheim moderiert.

Mitunter wundert sich Florian Kohfeldt selbst, wie schnell die Zeit vergeht. „Gestern vor einem Jahr war Trainingsauftakt“, sagte der Trainer des SV Werder am Mittwoch in der Video-Pressekonferenz aus einer Loge des Weserstadions. Die Bremer wollten vor einem Jahr eigentlich wieder Kurs auf den Europapokal nehmen. Als der Tross Mitte Juli im Trainingslager in Zell am Ziller aufschlug, nagelten die Fans ein entsprechendes Plakat ans Quartier. Kohfeldt fand das gut: Sollte doch jeder sehen, wo Werder hinwollte.

Ein Jahr später warnt derselbe Fußballlehrer zur „absoluten Vorsicht“: vor den Relegationsspielen gegen den Zweitligisten 1. FC Heidenheim (Donnerstag und Montag je 20.30 Uhr). Zwar ist nicht, wie von vielen erwartet, der Hamburger SV der Gegner, aber die Fallhöhe für Werder dadurch nicht geringer. Kohfeldt: „Wir stehen nach wie vor mit dem Rücken zur Wand. Es geht nur um diese beiden Spiele. Danach kannst du nichts mehr korrigieren.“

Sollte der am längsten erstklassige Verein ausgerechnet gegen einen Klub straucheln, der das provinzielle Ambiente der Zweitklassigkeit verkörpert, wäre die Blamage komplett. Bremens Cheftrainer gab zu verstehen, seine Spieler würden den Ernst der Lage nicht verkennen: „Hier ist keiner, der Heidenheim unterschätzt.“ Seine Warnung: „Es darf nicht einen Hauch Spannungsabfall geben.“

Die psychologische Komponente könnte vielleicht sogar schwieriger werden als die sportliche Aufgabe. Plötzlich ist Werder wieder Favorit; eine Ausgangslage, in der sich Kohfeldt grundsätzlich „wohl fühlt“. Der Rollenwechsel wird durch das Zweitrundenduell im DFB-Pokal gestützt. Werder fegte Ende September vergangenen Jahres im fast vollbesetzten Weserstadion wie ein Orkan über überforderten Heidenheimer hinweg. Die Aufzeichnung vom 4:1-Pflichtsieg hat sich Bremens Trainer in voller Länge angesehen, aber er will daraus keine Schlüsse ziehen. Zumal: „Jetzt reden wir über zwei Spiele.“ Auf Gedeih und Verderb stürmen, obwohl das beim 6:1 gegen den 1. FC Köln mit Niclas Füllkrug, Yuya Osako und Milot Rashica vorne so vortrefflich geklappt hat, komme nicht infrage.

Kohfeldt ließ sogar offen, ob sein Mittelstürmer Füllkrug wieder beginnt, der nur eine Halbzeit durchhält. Der Hoffnungsträger hat schon zweimal eine Relegation (2014 mit Fürth, 2016 mit Nürnberg) verloren, weshalb der Trainer scherzhaft anmerkte, eigentlich dürfe er ihn nicht in den Kader nehmen. Strategisch wird interessant, wie Kohfeldt den gesperrten Kevin Vogt ersetzt, der erst beim Rückspiel wieder das Scharnier zwischen Abwehr und Mittelfeld bildet. Christian Groß wäre die Sicherheitsvariante.

Zwei Personen befragt

Der derzeit extrem fokussiert wirkende Kohfeldt glaubt nicht, dass allein die fußballerische Qualität und erst recht nicht „taktischen Elemente“ entscheiden. Sondern „Mentalität, Intensität und Bereitschaft“. Dass die Zwangspause durch die Pandemie ihm die Chance gegeben hat, für sein Team endlich ein bundesligataugliches Fitnesslevel zu erreichen, ist unübersehbar.

Diese unverhoffte Chance will Kohfeldt nutzten, der nach eigenem Bekunden sich bei zwei Personen, deren Namen er nicht nennen will, nach dem Nervenkitzel von Relegationsspielen erkundigt hat. Als junger Trainer habe damit noch keine Erfahrung, spüre aber bei sich eine „besondere Anspannung“. Denn: „Mehr als ‚All in‘ geht nicht.“ Vor einem Jahr hätte Kohfeldt nicht im Traum daran gedacht, in solch eine Situation zu geraten – aber im Sommer 2019 haben die meisten bei Corona auch nur an eine mexikanische Biersorte gedacht.

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