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Werder Bremen ist zurück in der Heimat

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Von: Frank Hellmann

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Zwei Väter des Aufstiegs: Niclas Füllkrug (rechts) jubelt mit Marvin Ducksch über sein Tor zum 1:0.
Zwei Väter des Aufstiegs: Niclas Füllkrug (rechts) jubelt mit Marvin Ducksch über sein Tor zum 1:0. © dpa

Trainer Ole Werner und die beiden Stürmer Niclas Füllkrug und Marvin Ducksch führen die Hanseaten zum direkten Wiederaufstieg.

Es hatte schon etwas von einem Kontrollverlust, als plötzlich eine Schar kleiner Kinder auf den Rasen eilte. Das hatte die Regie beim SV Werder nicht vorgesehen, als im Aufstiegsfinale gegen Jahn Regensburg noch die Nachspielzeit lief. Torwart Jiri Pavlenka, der sein Tor beim 2:0-Arbeitssieg bestens bewacht hatte, betätigte sich kurzerhand als Kindergärtner, der die Knirpse wieder behutsam hinter die Bande führte. Kurz darauf gab es im Freudenhaus am Osterdeich dann für Klein und Groß kein Halten mehr: Dem Wiederaufstieg des Bundesliga-Gründungsmitglieds folgte der Platzsturm. In die ausgelassene Feier im Weserstadion fügten sich auch einige Seitenhiebe an den Erzrivalen im Norden, als sich Pavlenka-Vertreter Michael Zetterer das Mikrofon schnappte und grölte: „Hamburg, so wird das gemacht!“

Die Bremer sind letztlich auch deshalb direkt aufgestiegen, weil an der Weser zwei Ausnahmestürmer spielen, die auch am letzten Spieltag den Unterschied machten. Wie auf Knopfdruck lieferten Niclas Füllkrug (10.) und Marvin Ducksch (51.) erneut ab. Die „zwei hässlichen Vögel“, wie sie sich selbst tituliert haben, tüteten mit ihren Saisontoren 19 (Füllkrug) und 21 (Ducksch) einen Erfolg ein, der bisweilen recht mühsam aussah. Doch Trainer Ole Werner war das zu Recht ziemlich egal. „Es war wichtig, dieses Ergebnis zu ziehen. Ein wunderschöner Tag für uns alle.“ Kaum hatte der 33-Jährige diesen Ausspruch getätigt, schütteten die Spieler den Inhalt großer Biergläser über seinem lichten Haupthaar aus.

Nahezu ungerührt redete Werner weiter – und in diesem Moment konnten sich auch die Zuschauer, die die Pressekonferenz auf den Videowänden verfolgten, gut vorstellen, dass dieser Mann wirklich immer die Ruhe behält. Nur so nüchtern wollte er auch nicht bleiben. „Auch ich werde versuchen, beim Feiern nicht zu enttäuschen und alles geben.“ Die These ist nicht vermessen: Ohne den erst für Impfpassfälscher Markus Anfang eingestellten Fußballlehrer hätte Werder kaum den Aufstieg gepackt. Der Erfolgscoach sprach von „einer außergewöhnlichen Geschichte“ – und das war nach seinem Scheitern mit Holstein Kiel im Vorjahr ausnahmsweise auf sich gemünzt.

Auch Kapitän Ömer Toprak wirkte emotional angefasst. „Mir war extrem wichtig, dass wir den Verein wieder dahin kriegen, wo er hingehört.“ Bei den Geschäftsführern Klaus Filbry und Frank Baumann überwog die Erleichterung, dass auch der zweite Abstieg nach 1980 umgehend wieder repariert werden konnte. Dass aber wie damals unter Otto Rehhagel gleich eine goldene Ära folgt, ist ausgeschlossen – dafür sind die finanziellen Rahmenbedingungen heute ein zu limitierender Faktor. Und es passt, dass Werder am Sonntag lange nicht wirklich überzeugte. Trotz eines frühen Führungstores von Füllkrug ging alsbald jede Souveränität verloren. Erst Ducksch brachte mit seinem Abstauber zum 2:0 die Partystimmung in Gange.

Pavlenka will bleiben

Am Abend setzten sich die Aufstiegshelden dann noch in Cabrios, um bei einer Fahrt über den Osterdeich ein Bad in der Menge zu nehmen. Die offizielle Aufstiegsfeier auf dem Marktplatz ist am Montagabend vorgesehen – erstmals seit 2009 wird dann wieder der Rathausbalkon genutzt. Werder und Bremen – das gehört zusammen wie Bier und Bratwurst. Und zu diesem Standort gehört als natürliche Heimat die Bundesliga, wobei es bei nüchternen Betrachtung für die Hanseaten die nächsten Jahre allein um den Klassenerhalt gehen kann.

Zu gewaltig sind die wirtschaftlichen Daumenschrauben, die nach Corona-Pandemie und einer verfehlten Personalpolitik noch auf dem Klub lasten. Als erstes dürfte versucht werden, die wichtigen Leistungsträgern zu binden. Der sich offenbar für Bewachungsaufgaben jeder Art eignende Pavlenka soll übrigens seine Bereitschaft für eine Vertragsverlängerung hinterlegt haben.

Trainer Ole Werner und die beiden Stürmer Niclas Füllkrug und Marvin Ducksch führen die Hanseaten zum direkten Wiederaufstieg

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