Mainz 05 besiegt Werder Bremen

Werder Bremen und die große Leere

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Mainz 05 schubst die Fußballer aus der Hansestadt noch ein Stück näher an den Abgrund zur zweiten Liga.

  • Mainz entscheidet das Abstiegsduell gegen Werder Bremen für sich
  • Mainz ist gerettet und bleibt in der ersten Liga
  • Werder Bremen hingegen kann nur noch ein Wunder retten 

In den Augen von Fußballtrainern kann man gut erkennen, wie kräftezehrend der Abnutzungskampf im Tabellenkeller ist. Auch dem Mainzer Fußballlehrer Achim Beierlorzer war das nach der Rettung durch ein 3:1 (2:0) gegen Werder Bremen anzusehen. „Ich fühle mich müde“, gab der Franke zu, „die letzte Zeit war auch emotional extrem anstrengend.“ Jetzt, da die Klasse für Mainz 05 zum elften Mal in Folge gesichert werden konnte, sei er gottfroh, „am letzten Spieltag diesen Psychoterror nicht mehr aushalten zu müssen“.

Werder Bremen: Florian Kohfeldt fühlt sich „leer“

Genau dieser neuerliche Psychoterror steht nun Florian Kohfeldt bevor, er begleitet den tapferen Trainer schon durch die gesamte Saison. Das zehrt, und irgendwann zehrt es zu viel. Der sonst selbst nach harten Nackenschlägen so kraftvoll und optimistisch daherkommende Bremer Chefcoach sah nach der Niederlage aus wie der Trainer eines Absteigers. „Ich bin leer.“

So konsterniert wurde Kohfeldt (37) noch nie öffentlich angetroffen. „Wir haben heute eine Riesenchance vergeben“, ächzte ein junger Mann, der sichtlich um Fassung rang. Ein Abstieg nächste Woche nach dem Spiel gegen den 1. FC Köln wäre die logische Folge einer verkorksten Saison. Nur mit wohl mehr Glück als Verstand kann es im Fernkampf mit Fortuna Düsseldorf noch zur Relegation reichen.

Werder Bremen gegen Mainz: Insgesamt 1:8 verloren

Daheim weist Werder eine Statistik der ständigen Demütigung auf, das 0:5 gegen Mainz im Hinspiel als Tiefpunkt. Ex-Manager Willi Lemke rechnete im ZDF-Sportstudio nach: „0:5 und 1:3. Insgesamt 1:8 verloren gegen Mainz 05. Wir stehen in der Tabelle genau da, wo wir hingehören.“ Er habe nie zuvor so viele „grottenschlechte“ Spiele erlebt wie diese Saison. Man muss sagen: Da hat der gute Mann Recht.

Leer und verzweifelt: Florian Kohfeldt, Werder-Trainer.

Nach dem Schlusspfiff in Mainz hätten die Befindlichkeiten nicht unterschiedlicher sein können. Hier feiernde Gastgeber in vorbereiteten T-Shirts freudig erregt am Mittelkreis, dort ein Bremer Vereinspräsident Hubertus Hess-Grunewald, der die Partylaune der Nullfünfer wie hinter einer Nebelwand wahrzunehmen schien. Aufsichtsratschef Marco Bode hatte den Ort des Grauens da schon längst verlassen. Er sah nicht gut aus. Verständlich.

Werder Bremens bester Mann war der Torwart

Der Mainzer Sieg war hochverdient, wiewohl dazu eine konzentrierte Durchschnittsleitung reichte. Bis auf zehn Minuten in der Anfangsphase und der Szene zum Anschlusstor zum 1:2 durch den ansonsten schwachen Japaner Yuya Osako bekamen die Gäste kaum etwas Produktives zustande. Das war viel, viel zu wenig. Die flinkeren Rheinhessen hätten noch einige Treffer mehr als jene freundlich von Werder begleiteten Tore von Robin Quaison, Jean-Paul Boetius. Edimilson Fernandes erzielen können. Bezeichnend, dass bei den Bremern der mit Abstand beste Spieler Jiri Pavlenka war, der Torwart. Und ähnlich bezeichnend, dass Werder am Ende auch mit den vier Mittelstürmern Sargent, Pizarro, Füllkrug und Selke auf dem Platz keine echte Chance zustande brachte.

Sowohl in Bremen als auch in Mainz wird die Saison in aller Tiefe analysiert. Mag 05-Sportchef Rouven Schröder im Spielerkreis noch so lautstark seinen ungebändigten Stolz auf die Profis zum Ausdruck gebracht haben – der Fachmann weiß, dass kollektive Laufbereitschaft und Einsatzwillen erst in der Schlussphase der Saison vollständig sichtbar wurden. Fast wäre das zu spät gewesen. Man hätte nach vier Jahren des Zitterns ganz gern mal wieder eine entspanntere Saison mit einem Team, das geraume Zeit zu wenig Energie aus sich selbst heraus entwickelte.

Das Beispiel Klopp

In Bremen würde der öffentliche Druck für den Fall des Abstiegs heftig werden. Er ist es im Grunde jetzt schon. Besonders für Sportchef Frank Baumann und Trainer Kohfeldt. Das Volk verlangt, dass Köpfe rollen. Die Fehleranalyse wird ellenlang werden, zu viel ist fundamental schiefgelaufen. So viel steht fest. Nicht fest steht, ob vor allem Kohfeldt sich nicht zu abgenutzt fühlt nach einer solchen Saison der Pleiten und Pannen. Und ob der Klub, der für seine Treue überregional mehr gelobt wurde als vor Ort in Bremen, nicht doch Geduld und Vertrauen in den eloquenten Coach verloren hat. Vielleicht wären die Werderaner gut beraten, sich Mainz 05 aus dem Jahr 2007 zum Vorbild zu nehmen: Trotz Abstiegs hielt man zu Jürgen Klopp, dem inzwischen besten Trainer der Welt.

Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa

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