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Der SV Werder nahm den nächsten Rückschlag hin.

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Werder Bremen: Der Abstieg zeichnet sich ab

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Werder Bremen spielt seit Monaten eigentlich zu schlecht, um den zweiten Abstieg nach 1980 noch vermeiden zu können. Ein Kommentar.

Abstand halten ist ja so etwas wie das Gebot der Stunde. Rund ums Bremer Weserstadion sind deswegen Plakate angebracht, auf denen Claudio Pizarro mit ausgebreiteten Armen jubelt - aber eigentlich will die Bundesliga-Legende damit zeigen, Mitmenschen nicht zu eng auf die Pelle zu rücken. Wer den Mitspielern des 41-Jährigen, der vermutlich bis Ende Juni wegen einer schwerwiegenden Muskelverletzungen fehlen wird, beim Montagskick gegen Bayer Leverkusen zusah, könnte den Eindruck gewonnen haben, dass die Aktion offenbar ein wenig zu gut gemeint war: Der SV Werder nahm teils körperlos den nächsten Rückschlag hin. Nach der 1:4-Lehrstunde - der siebten Heimpleite hintereinander - ist der mit einem Jahr Ausnahme stets erstklassige Klub inzwischen viel weiter weg vom Klassenerhalt als nur eineinhalb Meter. Gefühlt eine halbe Erdumrundung.

Die Lage für eine lange leuchtende Vorzeigemarke der Liga wirkt ähnlich gespenstisch wie die Atmosphäre beim ersten Geisterspiel der Vereinsgeschichte. Die Warnungen von Innensenator Ulrich Mäurer, Spiele hier notfalls zu verbieten, falls sich im Umfeld Menschenansammlungen bilden, hatten die Anhänger artig befolgt.

In der Spielstätte scheint es ohnehin gar keinen Unterschied mehr zu machen, ob Menschen auf den grünen Schalensitzen Platz nehmen oder nicht. Seit der Umbenennung nach einem Immobilienunternehmen ist die Festung zum Selbstbedienungsladen verkommen. Die ganz wenigen Beobachter vor Ort waren sich weitgehend einig: Wäre die Partie am 16. März vor vollbesetzen Rängen zur Austragung gekommen, hätte das Ergebnis kaum anders ausgesehen.

Lässige Leverkusener mussten das Bällchen nur laufen lassen und eine gescheite Flanke beziehungsweise Standard schlagen: Mühelos nickten Kai Havertz und Co. die Kugel über die Linie. Der Bremer Aufsichtsratschef Marco Bode hätte sich mehr Courage und Kreativität im Offensivspiel, einst mal Werder-Urtugenden, gewünscht. Erstaunlicherweise schafft es Trainer Florian Kohfeldt immer wieder, die selbst vom obersten Kontrolleur ausgesprochenen Mängel in seinem Verantwortungsbereich durch geschickte Rhetorik wegzuschieben.

Der Abstieg zeichnet sich ab

Auf der über die Videowände übertragenen Pressekonferenz vermittelte der junge Fußballlehrer unverdrossen Zuversicht („Das ist kein K.o.-Schlag für uns“). Seinem Mienenspiel war ein gewisser Verdruss anzusehen. Der 37-Jährige hatte nämlich gehofft, die vielschichtigen Probleme könnten sich in der Pandemie-Pause verflüchtigen, aber die in dem falsch zusammengestellten Kader seit Saisonanfang zu besichtigenden Mängel scheinen mindestens so hartnäckig wie das tückische Virus.

Kohfeldt macht weiter auf Zuversicht, die Hoffnung auf den Klassenerhalt sei immer noch groß. Auf dem Papier ist das nicht unmöglich: Seine Mannen treten am Samstag beim SC Freiburg an, haben Anfang Juni im Nachholspiel noch Eintracht Frankfurt zu Gast und auf der Zielgeraden warten der SC Paderborn, der FSV Mainz 05 und der 1. FC Köln.

Nur in der Hinrunde verbuchten die Bremer gegen dieselben Kontrahenten auch nur zwei magere Zähler. Es reicht eben nicht, wenn der Trainer mit Abstand der lauteste ist, wie in dem fast menschenleeren Stadion gut zu hören war. Die Mannschaft spielt seit Monaten zu schlecht, um den zweiten Abstieg nach 1980 zu vermeiden. Für Claudio Pizarro wäre das - ganz nebenbei - ein unwürdiger Abschied aus der Bundesliga.

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