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Team Austria bereitet sich aufs Halbfinale vor.

Fußball Österreich

"I werd narrisch"

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Nicht auszudenken, wenn die Österreicherinnen heute gegen Deutschland um den Einzug ins Finale kämpfen würden. Die höchsten Einschaltquoten des modernen Fernsehzeitalters wären in Gefahr. Ein Kommentar.

In Wien haben sie eine Straße nach ihm benannt. Weil das Ereignis, welches Edi Finger 1978 kommentierte, das wahrscheinlich zweitgrößte in der Sporthistorie Österreichs war, gleich hinter der sagenhaften Wiederauferstehung von Hermann Maier bei den Winterspielen in Nagano 1998, bekam die Hauptstadt auch noch einen Cordoba-Platz geschenkt. Dem Ingenieur Finger und dem Krankl Hans sei Dank.

Letzterer hatte in dem WM-Spiel, das sich bis heute gut als Valiumersatz eignet, für Österreich zum 3:2-Siegtreffer gegen Deutschland eingelocht. Dass diese einschläfernde Partie bis heute in beiden Ländern unvergessen ist, liegt an dem österreichischen Reporter, der sich den seit dem Niedergang des Habsburger-Reiches grassierenden Minderwertigkeitskomplex gegenüber dem großen Nachbarn mit den herausgebrüllten Worten „I werd narrisch“ von der gepeinigten Seele schrie. Die drei Worte sind zum geflügelten Wort geworden. Die Niederlage des bis dato zweimaligen Weltmeisters gegen den Waldmeister aus Österreich ist zum Synonym für eine kaum zu überbietende Schmach geworden.

Die Leute drehen durch

Deutschland ist 2014 zum vierten Mal Welt-Champion geworden, Österreich hat 1990 mit 0:1 gegen die Faröer verloren. So weit der ungefähr aktuelle Stand der Fußballgeschichte - was das Kicken unter Männern betrifft. Gerade sind viele der 8,74 Millionen Österreicher wieder am „Narrischwerden“. Dabei ist, bei Lichte betrachtet, noch gar nicht so viel passiert. Elf Fußball spielende Österreicherinnen stehen im EM-Halbfinale, und zwischen Burgenland und Vorarlberg drehen die Leute durch. So um die 1,5 Millionen Zuschauer (ungefähr so viele wie bei Marcel Hirschers Tänzen um die Slalomstangen) erwartet der ORF am Donnerstag, wenn das rot-weiß-rote Ballett auf Dänemark trifft. Vorab Herzrasen bekommen der Herr Bundeskanzler, Schlagerstar Hansi Hinterseer und sogar Formel-1-Orakel Niki Lauda.

Nicht auszudenken, wenn die Österreicherinnen heute gegen Deutschland um den Einzug ins Finale kämpfen würden. Die höchsten Einschaltquoten des modernen Fernsehzeitalters wären in Gefahr. Das erste Interview von Entführungsopfer Natascha Kampusch sahen weit mehr als zwei Millionen Leute, ähnlich viele packte in Österreich der kalte Graus, als sich Felix Baumgartner aus dem All auf die Erde stürzte. Falls die österreichischen Frauen Europameisterinnen werden, wird Edi Finger im Reporterhimmel bestimmt wieder ein bisschen narrisch.

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