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Vollbesetzte Ränge in einem Fußballstadion in England.
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Volle Stadien – wie hier in England –  sind in Deutschland noch nicht erlaubt.

Corona-Bedingungen

Fußball-Bundesliga trotz Corona: Wer darf ins Stadion?

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Am ersten Bundesliga-Spieltag sind überall wieder Fans erlaubt – aber der Umgang mit Corona-Geimpften und Getesteten ist nicht einheitlich.

Frankfurt – Als Erling Haaland im Januar 2020 beim 5:1 gegen den 1. FC Köln mit einem Doppelpack für Borussia Dortmund furios in der Bundesliga gestartet war, teilte der Stürmer via Twitter mit: „Worte können meine Gänsehaut nicht beschreiben, die ich nach meinem Heimdebüt vor der Gelben Wand hatte.“ Dummerweise sollte der Auftritt vor der vollen Fantribüne bald Geschichte sein: Wegen der Corona-Pandemie hat die norwegische Naturgewalt seine Tore seit mehr als einem Jahr nur vor leeren Rängen erzielt.

Vergangenen Samstag beim SV Wehen Wiesbaden wirkte es fast schon rührig, wie die blonde Tormaschine mit der Tribüne interagierte. Der 21-Jährige labte sich daran, wieder von Angesicht zu Angesicht mit den BVB-Anhängern unter 4882 Zuschauern zu kommunizieren: Er warf neben einer Kusshand auch sein Trikot in die Menge.

Fußball-Bundesliga – Trotz Corona insgesamt 150.000 Fans erwartet

Eine Woche später werden sogar 25.000 Menschen in Dortmund zum Bundesligaauftakt gegen Eintracht Frankfurt (Samstag 18.30 Uhr) dabei sein. Es ist die größte Kulisse, die sich für den ersten Spieltag ankündigt. Beim Eröffnungsspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem FC Bayern sollen es immerhin 23.000 sein, der VfB Stuttgart will 22.500, der 1. FC Köln 16.500 Fans begrüßen.

Obwohl in Berlin die Inzidenz schon wieder über 35 gestiegen ist, erhält Union wegen des „sehr guten Hygienekonzepts“ eine Ausnahmegenehmigung für exakt 11.006 Anhänger. Insgesamt werden an den neun Spielorten knapp 150.000 Zuschauer erwartet. Die Gesamtkapazität der neun Stadien liegt bei 389.000. Neben den Emotionen fehlten den Klubs vor allem die Erlöse.

Einbußen durch Corona: Den Fußball-Klubs fehlt es an Einnahmen

Gerade hat der BVB in seine tiefrote Bilanz blicken lassen: Waren zu den wettbewerbsübergreifend 23 Heimspielen in der Saison 2018/2019 – ohne Corona – knapp 1,8 Millionen Eintrittskarten verkauft worden, durften 2020/2021 lediglich 21.100 Besucher eingelassen werden.

Folglich brachen die Einnahmen aus dem Ticketing von 44,7 Millionen Euro fast komplett weg. Auch bei Catering und sonstigen Erlösen kamen statt 36,6 nur 7,8 Millionen Euro zusammen. Macht ein Minus von 73 Millionen – fast exakt der Fehlbetrag aus dem Geschäftsjahr 2020/2021. Das Rechenbeispiel bei der zuschauerträchtigsten Bundesligamarke zeigt, warum BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke für „mutige Entscheidungen“ plädiert: „Man kann nicht mehr alles damit lösen, indem man den Laden abschließt.“

Bundesliga in Frankfurt: Grünes Licht für 25.000 Zuschauer

Ähnlich wird auch am Standort Frankfurt argumentiert. Dort gab das Gesundheitsamt grünes Licht für 25.000 Zuschauer zum ersten Spiel in Frankfurt gegen den FC Augsburg – vorausgesetzt, die Sieben-Tage-Inzidenz steigt bis zum 21. August nicht über 100. Vorstand Axel Hellmann hofft jedoch darauf, dass sich der Besucherschnitt bei 30.000, 35.000 einpendelt, weil es Ziel sein müsse, „die Zahl nach oben irgendwann nicht zu begrenzen.“ Viele Vereine würden also gerne mehr wagen – und schon bald wieder auf eine Vollauslastung wie in Frankreich oder England zusteuern.

Doch gerade erst hat die Politik durch die Ministerpräsidentenkonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel bekräftigt: Bei Sportgroßveranstaltungen dürfen auch in naher Zukunft maximal 50 Prozent der jeweiligen Höchstkapazität belegt werden, die Zuschauerzahl insgesamt ist bei 25.000 Zuschauer gedeckelt. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte danach, man sehe, „dass wir uns etwas zutrauen können, zulassen können, aber nicht in jeder Form, weil wir nicht komplett über den Berg sind“.

Vorstand von Eintracht Frankfurt: „Inzidenz allein nicht aussagekräftig“

Der Fußball möchte vor allem von der Inzidenz als alleinige Kennziffer wegkommen. „Wir halten die Inzidenz allein für keinen aussagekräftigen Parameter“, betonte Hellmann am Mittwoch. Womöglich käme Deutschland nach der Bundestagswahl zu anderen Bewertungen, bemerkte das Eintracht-Sprachrohr Hellmann mit durchaus spitzem Unterton. Der findige Jurist würde sich Kenngrößen wie „Hospitalisierung und Mortalität“ als Richtwert wünschen. Die Hessen stellen sich in Sachen Zuschauer erneut auf eine „Saison der Unwägbarkeiten“ ein. Ein Hoffen und Bangen von Spieltag zu Spieltag.

Große Unterschiede zeigen sich beim Umgang mit Ungeimpften. Bei Borussia Dortmund werden nur 1000 getestete Personen im Stadion sein, die Mehrzahl ist geimpft oder genesen. Mit der so genannten „2G“-Strategie will auch der 1. FC Köln ab dem zweiten Heimspiel gegen den VfL Bochum verfahren und bei Nicht-Geimpften nur noch wenige Ausnahmen machen, die Kinder und Menschen mit medizinischen Gründen betreffen. Kölns Geschäftsführer Alexander Wehrle will vor allem den geimpften Fans „eine Perspektive bieten“.

Fußball-Bundesliga für Geimpfte: Impfung als gesellschaftliche Solidarität

An diesem Punkt scheiden sich in der Liga die Geister. Geschäftsführer Jan Mayer von der TSG Hoffenheim befürchtet eine „Impfpflicht durch die Hintertür“. So weit will Rudi Völler von Bayer Leverkusen nicht gehen, aber der gebürtige Hesse sagt: „Für den Fußball gilt wie für unsere Gesellschaft im Allgemeinen, dass es erst dann wieder eine gewisse Form von Normalität geben kann, wenn man möglichst viele Menschen von einer Impfung überzeugt. Wer zu dieser Form der gesellschaftlichen Solidarität nicht bereit ist, der muss auch mit Konsequenzen klarkommen.“

Ergo: Auch in der Bundesliga sind die Impfungen „der Schlüssel für alles“ (Watzke). Viele Vereine bekämpfen daher die Impfmüdigkeit gleich selbst – und nehmen die lange Absenz als Lockmittel, um in unmittelbarer Stadionnähe den Piks zu geben. Köln bietet vor dem Heimspiel gegen Hertha BSC eine Impfung mit dem Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson an – und gleichzeitig eine Option auf Tickets fürs Bochum-Spiel. Der SC Freiburg will sogar 1100 Freikarten für eine Partie im neuen Stadion am Wolfswinkel an Personen ausgeben, die sich an diesem Wochenende auf der Freiburger Messe die erste Impfung abholen. (Frank Hellmann mit dpa/sid)

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