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Blickwinkel verschoben: Niko Kovac.

Kommentar Bayern München

Wenn zwei das Gleiche tun

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Uli Hoeneß bellt, Niko Kovac sieht seine Spieler als "Freiwild" - in München, bei den Bayern, wittern sie offensichtlich die große Verschwörung. Ein Kommentar.

Wenn man Uli Hoeneß an diesem Samstagnachmittag gelassen hätte, wahrscheinlich wäre er stante pede in die Katakomben gerannt und hätte mit seinem rot-weißen Bayern-Schal diesen verdammten Leverkusener Treter ein bisschen gewürgt. Ging nicht, das hat selbst Hoeneß intuitiv gespürt, also hat er den Bösewicht standesgemäß verbal attackiert, „geisteskrank“, „vorsätzliche Körperverletzung“, „Dummheit“, „drei Monate Sperre“ - was ein Hoeneß halt alles so bellt, wenn ihm was gegen den Strich geht. Das war der reine, echte, unverfälschte Hoeneß, laut, unsachlich, populistisch. Man kennt das, der Mann verspürt selbst nach jahrelanger Auszeit kein Bedürfnis nach Mäßigung. Mesut Özil hat er zuletzt auch angeraunzt und der hat nicht mal einen Bayern getreten.

In München, bei den Bayern, wittern sie  offensichtlich die große Verschwörung, nicht der ganzen Welt, aber schon der Liga. Weil die Bayern dort keine natürlichen Feinde mehr haben, weil die Dominanz so groß ist, keiner mehr gewinnen kann und nicht mal mehr wagt, daran zu glauben, scheint die Liga eine andere Vorgehensweise an den Tag legen zu können. Getreu dem Motto: Wenn du sie nicht schlagen kannst, treten wir sie wenigstens vom Feld. Seit drei Spieltagen gehe das so, lamentieren die Bayern, seit dem Auftakt gegen die TSG Hoffenheim, drei Schwerverletzte haben man bereits zu beklagen, Coman, Tolisso, Rafinha – und sie vermuten: Eine Masche steckt dahinter. Trainer Niko Kovac sieht seine Spieler gar als „Freiwild“ – hilflos derben Tritten ausgesetzt, keiner da, der dem bösen Tun Einhalt gebiete, die Gegner würden nur noch „reintreten“, lamentiert er.

Dass gerade Niko Kovac eine härtere Gangart kritisiert, entbehrt ja nicht einer gewissen Pikanterie. Kovac, der Berliner mit kroatischen Wurzeln, als Spieler keiner, der zurückgezogen hatte, hat bei seinem vorherigen Arbeitgeber körperbetontes Spiel salonfähig gemacht. Eintracht Frankfurt gehörte zwei Jahre lang zu der Mannschaft, die bekannt, ja berüchtigt dafür war, extrem physisch, nicklig und gallig zu Werke zu gehen und die Grenzen des Erlaubten allemal zu streifen, wenn nicht zu überschreiten. Zwei Jahre lang belegte der hessische Klub den letzten Platz in der Fairnesstabelle, einmal mit 83 Gelben Karten, das andere Mal mit 72. Alles schon vergessen?

Und es war Niko Kovac, der einer gesunden Härte das Wort redete, der von Fußball als einer Kontaktsportart sprach, der vom „Balkan-Gen“ schwadronierte und von „Kriegern“, die in seinem Team stünden, und einen wahren Feldzug führte gegen Vorhaltungen aus der Liga, Eintracht Frankfurt sei „eine Tretermannschaft“.

Nun hat sich sein Blickwinkel geändert, prompt redet er anders. Auch das kommt nicht ganz überraschend. Wenn zwei das Gleiche tun … Allerdings sind die Bayern nicht das Team, das am häufigsten gefoult wird. Bayern-Profis haben bisher 34 Tritte abbekommen, Spieler aus Wolfsburg 37, Kicker aus Düsseldorf gar 42. Kein Spieler, diese These sei gewagt, verletzt einen Kollegen absichtlich. Fouls, auch mehrere und schwere, kommen vor. Majestätsbeleidigungen sind sie nicht, auch wenn das die Bayern anders zu sehen scheinen.

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