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Die Tore von Mario Gomez (l) rückten angesichts des Todes des Vaters von Christian Gentner in den Hintergrund.

Stuttgart - Hertha

Wenn der Sport nur noch Nebensache ist

Beim 2:1-Sieg gegen Hertha BSC stirbt der Vater des Stuttgarter Kapitäns Gentner im Stadion.

Als Kapitän Christian Gentner wenige Minuten nach dem Schlusspfiff aus dem Kabinenbereich eilte, wurde beim VfB Stuttgart alles andere zur Nebensache. Die Erleichterung über das befreiende 2:1 und die zwei Tore von Mario Gomez gegen Hertha BSC wichen dem Schock.

Gentners Vater Herbert war im Stadion zusammengebrochen und musste behandelt werden. Nach bedrückenden zwei Stunden veröffentlichte der Fußball-Bundesligist die bestürzende Todes-Nachricht.

„Der Vater unseres Mannschaftskapitäns Christian Gentner ist unmittelbar nach dem Heimspiel gegen Hertha BSC im Stadion verstorben“, heißt es in den knappen Zeilen, die auf der Website des Vereins von VfB-Vereinsfahnen in blassen Grautönen unterlegt sind. „Der VfB Stuttgart ist in diesen schweren Stunden mit seinen Gedanken ganz bei der Familie Gentner.“

Die tiefe Trauer überdeckte an diesem Abend einen der wenigen Erfolgsmomente der kriselnden Schwaben in dieser Saison. Dass Gomez nach zwei Monaten endlich wieder getroffen hatte, dass der VfB mit einem Kraftakt der Partie gegen die Berliner nach einem 0:1-Rückstand noch eine verdiente Wende gab und mit dem Sieg den Abstiegs-Relegationsplatz verließ - all das rückte ganz weit in den Hintergrund.

Am Sonntag sagte der Club alle bis zum Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg am Dienstag (20.30 Uhr) geplanten Medienaktivitäten ab. Dies betrifft sowohl die Pressekonferenz am Montag wie auch einen geplanten Besuch von Sportvorstand Michael Reschke in der SWR-Sendung „Sport im Dritten“ am Sonntagabend, wie ein Sprecher sagte. „Wir denken, dass wir mit der medialen Zurückhaltung angemessen auf dieses Ereignis reagieren.“ Ob Gentner in Wolfsburg spielt, sei noch nicht besprochen worden.

Schon kurz nach Ende der Partie hatte der Verein entschieden, dass sich angesichts der tragischen Umstände kein Spieler oder Verantwortlicher mehr äußert. Anschließend wurden alle Stadionbesucher per Durchsage aufgefordert, wegen eines medizinischen Notfalls das Stadion zu verlassen.

Den einzigen Kommentar eines VfB-Spielers gab es unmittelbar nach dem Abpfiff noch auf dem Spielfeld am Mikrofon des TV-Senders Sky: Von Christian Gentner, der sich dort noch über seine Vorarbeit zum 2:1-Siegtreffer von Gomez freuen konnte. Es sei schön, „dass wir heute mal wieder dazu beigetragen haben, dass wir gewonnen haben“, sagte der 33-Jährige.

Noch am späten Samstagabend reagierten Vereine und Profis der Fußball-Bundesliga auf den tragischen Vorfall in Stuttgart. „Sehr, sehr traurig. Mein herzliches Beileid, Christian Gentner! Viel Kraft“, twitterte Nationalspieler Jérôme Boateng. Auch Gentners Ex-Club VfL Wolfsburg bekundete via Twitter sein Beileid. „Wir trauern mit unserem ehemaligen Spieler Christian Gentner um seinen Vater, der heute unerwartet verstorben ist. Lieber Christian, wir wünschen dir und deiner Familie in diesen schweren Stunden viel Kraft und sind in Gedanken bei euch.“

Wenn Wolfsburg und Stuttgart im direkten Duell aufeinandertreffen, wird dieses Spiel auch unter dem Eindruck des traurigen Vorfalls am Samstagabend stehen. Der VfB könnte mit einem Erfolg in Wolfsburg noch vor der Winterpause den Abstand auf die Abstiegsränge ausbauen. An sportliche Erfolge dürfte bei den Stuttgartern im Moment aber wohl keiner denken. (dpa)

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