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Oliver Bierhoff war oft genug selbst Zielscheibe des Klubfrustes.

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Wenn der DFB Mehrwert bringt

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Viele Jahre lang kam der DFB bei den Vereinen als überheblicher Besserwisser rüber - dieses Verhältnis hat sich grundlegend geändert.

Es tut sich was im deutschen Fußball. Man sieht es nur noch nicht. Und man wird es vermutlich auch noch nicht so schnell sehen. Dafür ist in den vergangenen Jahren zu viel falsch gemacht worden in der Ausbildung. DFB und Klubs haben viel zu lange viel zu schlecht zusammengearbeitet. Die Vereinsmanager hatten kaum Respekt vor den Verbandsleuten, was oft begründet schien: Die vom DFB waren schlicht nicht gut genug. Mit der Folge: Man gönnte sich gegenseitig Spieler und Erfolge nicht.

Oliver Bierhoff hat das hautnah mitbekommen, und der DFB-Direktor hat ein wenig spät, aber dafür umso besser und konsequenter reagiert. Oft genug war der Ex-Nationalspieler selbst Zielscheibe des Klubfrustes, weil er in den Vereinen als Besserwisser wahrgenommen wurde, von dem die Sportdirektoren regelmäßig nur Klugheiten aus den Medien übermittelt bekamen. Bierhoff hat daraus gelernt. Er hat sich Top-Personal beschafft, und er ist auf die Liga zugegangen. Mit folgendem Zwischenergebnis: „Ich bin seit 16 Jahren beim DFB und habe noch nie eine so ehrliche und authentische Zusammenarbeit mit den Vereinen erlebt.“ Ein konkretes Beispiel: Gerade in diesen Tagen sitzen Nachwuchstrainer mit DFB-Leuten in einem Hotel in Mainz zusammen. Den Juniorencoaches wird ein Stürmerprojekt vorgestellt. Im Verband wurde präzise Vorarbeit geleistet. DFB-Experten analysierten, wo sich die sogenannte „Goldene Zone“ im internationalen Spitzenfußball befindet. Die konkrete Fragestellung lautete: Von welcher Position aus werden die meisten Tore geschossen und von wo kommen wie die Vorlagen? Daraus folgert die Fragestellung: Wie muss sich ein Stürmer bewegen, damit er möglichst viele Tore schießt? Solange das, was der DFB weitergibt, einen Mehrwert für die Vereine darstellt, darf der Verband mit Unterstützung rechnen. Die ist auch nötig, denn die Weltspitze in der Nachwuchsförderung ist der Talentschmiede Made in Germany weit entrückt.

Aus England, Portugal und Spanien haben die wissbegierigen Deutschen gerade gelernt, dass es Sinn macht, im Trainerteam Spezialisten für alle Positionen dabei zu haben, die auch auf kleinste technische Details eingehen. Und sie sind dabei zu lernen, dass die persönliche und vertrauensvolle Ansprache zuletzt viel zu sehr in den Hintergrund geraten ist, vor allem hinter taktische Überlegungen und einen notorischen Hang zum Aussortieren statt zum Fördern. Man fragt sich nur, warum das alles so lange gedauert hat.

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