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Kämpfen gemeinsam: Guardiola (li.) und Klopp. Foto: rtr.
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Kämpfen gemeinsam: Guardiola (li.) und Klopp.

WM-Qualifikationsspiele

Wenn einer keine Reise tut

  • Jakob Böllhoff
    VonJakob Böllhoff
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Angesichts strenger Quarantänereglungen drohen die ersten Fußballländerspiele des Jahres zur Farce zu werden. Klubs verweigern Abstellungen.

Es ist bald wieder Reisezeit im Weltfußball, wie immer, wenn die Nationalteams dran sind. Nach dem kommenden Wochenende also, mit den Spieltagen in den einzelnen Ligen, folgen zahlreiche Profis wieder ihrer Berufung und klettern in Flugzeuge, die sie über dem gesamten Globus verteilen – oder doch nicht?

Nicht nur Joachim Löw schaut dieser Tage gespannt auf die Experten vom Auswärtigen Amt, Gesundheits- und Innenministerium. Wenn der scheidende Bundestrainer am Freitag zum vorletzten Mal einen Nationalmannschaftskader nominieren wird, sprechen die Fachleute indirekt ein gewichtiges Wörtchen mit. Denn sie bestimmen darüber, welche Länder als sogenannte Virusvarianten-Gebiete eingestuft werden – und damit, ob Löw seine fünf England-Legionäre um Ilkay Gündogan für den Dreierpack zum Start der WM-Qualifikation berufen kann.

Aktuell stünden der Profi von Manchester City, das Chelsea-Trio Timo Werner, Kai Havertz und Antonio Rüdiger sowie Arsenal-Torwart Bernd Leno höchstens für das Auswärtsspiel in Rumänien am 28. März zur Verfügung. Die Voraussetzung dafür, um dort in die DFB-Blase einzutreten, wären zwei bis drei weitere, negative Tests. Für die Heimspiele in Duisburg gegen Island (25.) und Nordmazedonien (31.) fiele das Quintett wegen der aktuell gültigen Quarantäne-Anordnung aus – weil das Vereinigte Königreich als Mutantengebiet gilt.

Corona hat auch den Fußball weiter fest im Griff. Nie war die Verunsicherung bei allen Beteiligten größer als vor der anstehenden Abstellungsperiode. Die Infektionszahlen steigen wieder weltweit, Virusmutationen sind auf dem Vormarsch, unterschiedliche Quarantänteregelungen sorgen für Kopfzerbrechen. Gleichzeitig drängen die Verbände auf die Abstellung der Spieler. Die Situation ist verzwickt.

Mit einer ersten Drohung hatten die Vereine bereits Erfolg. Nachdem die Trainer Jürgen Klopp (FC Liverpool) und Pep Guardiola (Manchester City) öffentlich angekündigt hatten, ihre Spieler nicht zu den Länderspielen Ende März reisen zu lassen, sagte der südamerikanische Verband Conmebol alle anstehenden Spiele ab. Schon vor zehn Tagen hatten sich Klopp und Guardiola unabhängig voneinander klar positioniert. Es mache „keinen Sinn“, befand Guardiola, Spieler für Länderspiele abzustellen, wenn sie nach ihrer Rückkehr in eine mehrtägige Quarantäne müssten. Weil: „Wir arbeiten unglaublich hart über neun Monate, und dann können die Spieler in einer der wichtigsten Phasen der Saison nicht spielen, wenn sie von den Länderspielen zurückkommen. Wir investieren so viel.“ Für Klopp hätten die Klub „erste Priorität“, weil sie die Spieler bezahlten: „Klar ist: Wir können die Spieler nicht gehen lassen, wen sie danach zehn Tage in Quarantäne müssen.“

Auch mit der Absage der Spiele in Südamerika ist das Thema natürlich längst nicht vom Tisch. Noch immer werden hunderte Spieler durch die Welt reisen und womöglich durch Corona-Fälle oder Quarantäne ganze Teams lahmlegen. Bereits bei den Länderspielen im vergangenen Jahr hatte es in der Bundesliga zahlreiche Fälle gegeben.

Eintracht Frankfurts Trainer Adi Hütter äußerte vor dem Spiel bei RB Leipzig am vergangenen Wochenende Bedenken. „Grundsätzlich finde ich es nicht gerade intelligent, dass man solche Spiele, wer weiß wo überall, austrägt“, erklärte der Österreicher: „Ich weiß, es ist ein Wettbewerb da, es geht um die WM-Qualifikation. Es ist unglaublich schwierig, darüber zu diskutieren, zumal die Verbände darauf beharren, dass die Spieler abgestellt werden. Aber es ist wahnsinnig gefährlich. Wenn sie wieder retour kommen, ist die Ansteckungsgefahr da.“

Die Eintracht ist stark betroffen von der Problematik, sie hat zahlreiche Nationalspieler aus vielen verschiedenen Ländern unter Vertrag. Serbien, Heimat der Eintracht-Profis Filip Kostic und Luka Jovic, gilt aktuell als Hochinzidenzgebiet. Nun stehen zwei Heimspiele gegen Irland und Portugal an und eine Reise nach Aserbaidschan. Noch weiter hätten es Daichi Kamada (Japan, Spiel in der Mongolei) und Aymen Barkok (Marokko, Spiel in Mauretanien), sollten sie nominiert werden. Und die Österreicher Stefan Ilsanker und Martin Hinteregger (zurzeit verletzt) könnten für die Partie am 25. März in Schottland berufen werden, einem sogenannten Virusvarianten-Gebiet. Für die Rückkehr aus einer solchen Region ist in Deutschland zurzeit eine 14-tägige Quarantäne vorgeschrieben. Zu den Staaten auf der roten Liste gehören Großbritannien, Portugal, Brasilien und Irland.

Der österreichische Verband reagierte und setzte die Abstellungspflicht für die Bundesligaklubs aus für die Partie in Glasgow. Eine Regelung der Fifa besagt nämlich, dass Vereine ihre Profis nicht zu den Nationalmannschaften schicken müssen, sollten die Spieler bei der Rückkehr aufgrund der Corona-Bestimmungen fünf Tage oder länger in Quarantäne müssen. „Es gab in dieser Situation keine zufriedenstellende Option“, sagte Nationaltrainer Franco Foda. Der ÖFB werde „unverändert alles versuchen“, im „Rahmen der aktuellen Möglichkeiten eine Abstellung für die in der deutschen Bundesliga unter Vertrag stehenden Spieler zu erwirken“, hieß es in einer Mitteilung. Zuletzt hatte Foda 18 Bundesliga-Profis in sein Aufgebot berufen. Nun muss er mit einer Rumpftruppe in eine WM-Qualifikation starten, die zur Farce zu werden droht.

Statt auf Spieler zu verzichten, hatte der ÖFB eine Verlegung des Spiels nach Österreich erwogen. Der Plan wurde deswegen verworfen, weil eine Ausnahmegenehmigung für das Landeverbot für Flüge aus Großbritannien nötig gewesen wäre. mit sid/dpa

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