1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball

Wenn der PCR-Test fehlt

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jan Christian Müller

Kommentare

Kann sich das Grinsen nicht verkneifen: Louis van Gaal.
Kann sich das Grinsen nicht verkneifen: Louis van Gaal. © AFP

Bondscoach Louis van Gaal verspürt wenig Lust, sich den Mühen eines Trips zur WM-Auslosung in Doha zu unterwerfen, da kommt es ihm nur Recht, dass er wegen einer Corona-Infektion nicht einreisen darf. Die Kolumne „Einwurf“.

Dass die Interpretationen im Umgang mit dem Corona-Virus unter den Menschen nicht ganz deckungsgleich sind, ist nicht neu. Auch die Auslegungen in Nachbarländern führen zu skurrilen Situationen, etwa jener, dass Zugreisende zwischen den Niederlanden und Deutschland tunlichst bei Tempo 145 km/h im Grenzgebiet weit vor Oberhausen jene Mund-Nasenbedeckung überziehen müssen, die zwischen Amsterdam und Arnheim kein Mensch trug, weil sie auf holländischem Grund und Boden in der Eisenbahn schon eine ganze Weile nicht mehr obligatorisch ist.

Bei Louis van Gaal handelt es sich bekanntermaßen um einen Mann, der sich nicht gern viel vorsagen lässt. Aber da der Bondscoach wenig Lust verspürt, sich den Mühen eines Trips zur WM-Auslosung am Freitag in Doha zu unterwerfen, ist es ihm nur zu Recht, dass er wegen einer Corona-Infektion nicht nach Katar einreisen darf. Er benötige einen negativen PCR-Test, den habe er aber nicht, berichtete van Gaal mit triumphierend blitzenden Augen im picke-packe vollen Presseraum nach dem 1:1 seiner niederländischen Mannschaft gegen Deutschland. Und dann ließ er den verdutzten Fragesteller noch wissen: „Komm mir lieber nicht zu nah.“

Offenbar trägt der quietschfidele 70-Jährige noch einen Rest an Viruslast in sich, der ihm daheim erlaubt, seinen Job auszuüben, im gestrengeren Katar aber gerade noch nicht. Es könnte sich kaum besser fügen für den Altmeister, der zuletzt ein öffentlichkeitswirksame Scharmützel mit dem WM-Ausrichterland bot und dabei selbstverständlich keinen Millimeter preisgab. Eine WM in Katar sei „lächerlich“. Die Scheichs reagierten verstimmt. Van Gaal ließ ausrichten, ihm sei das schnurz.

Aber Mijnheer van Gaal hat natürlich noch ein paar Freunde, wenn auch nicht im fernen Wüstenemirat. Es hätte bestimmt nicht viel gefehlt, und der Trainer von Oranje wäre nach dem deutschen Führungstor durch Liebling Müller jubelnd durch seine Coachingzone gesprungen. Denn den Müller-Thomas hat van Gaal in seiner Zeit bei den Bayern vom Praktikanten zum Weltstar entwickelt. So eine Bande hält. Prompt liegt man sich nach dem Spiel in den Armen und winkt gemeinsam der lieben Gattin des Bondscoaches hoch auf die Tribüne. Die Gefahr ist überschaubar. Müller hatte ja gerade wieder Corona, besten Schleimhautschutz inklusive.

Auch interessant

Kommentare