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Hat allen Grund zur Freude: Jürgen Klopp.

Premier League

Wende an Weihnachten

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Der FC Liverpool distanziert Manchester City im Titelrennen. Während das Team von Pep Guardiola zwei Mal in Folge verloren hat, thront die Mannschaft von Jürgen Klopp an der Tabellenspitze.

Die Spiele am zweiten Weihnachtstag, dem Boxing Day, sind ein Höhepunkt im Kalender des englischen Fußballs, doch das ist keine Garantie dafür, dass die Stimmung im Stadion gut ist. Mit vollem Magen und leichtem Kater vom Vorabend singt es sich eben nicht besonders gut, erst recht nicht, wenn es auch noch bitterkalt und nass ist. Als der FC Liverpool im vergangenen Jahr Swansea City an dem festlichen Termin 5:0 abfertigte, wurde es nur bei den Toren ein bisschen lauter an der Anfield Road. Ansonsten verfolgten die Zuschauer die Veranstaltung weitgehend schweigend und wünschten sich vermutlich so schnell wie möglich zurück vor den Weihnachtsbaum im warmen Wohnzimmer.

Der 26. Dezember 2018 war anders. Zum Ende von Liverpools Partie gegen Newcastle United brach stürmische Freude in der mythischen Spielstätte aus. Für Trainer Jürgen Klopp konnte das nur an dem 4:0-Erfolg seines Teams liegen. „Ich dachte, es sei wegen uns. Ich dachte: Wow, das ist nett, vielen Dank“, berichtete er. Nach eigener Aussage erfuhr er erst nach Schlusspfiff, dass die euphorischen Zustände mit dem Geschehen in einem anderen Stadion zu tun hatten, nämlich mit der 1:2-Niederlage von Manchester City bei Leicester City durch einen späten Treffer.

In der Premier League sind erst 19 von 38 Spieltagen absolviert, es kann noch viel passieren. Doch die Chancen stehen nicht schlecht, dass Liverpool am Ende der Saison zum ersten Mal seit 1990 zum Meister gekürt wird. Sollte dann nach den wichtigsten Momenten auf dem Weg dorthin gesucht werden, dann dürfte es kein Vorbeikommen an den Tagen um Weihnachten geben. Der Titelkampf in England hat über die Feiertage möglicherweise seine entscheidende Wendung genommen.

Während Liverpool durch den Sieg gegen Newcastle zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte noch ohne Niederlage nach der Hinrunde ist, hat Manchester City, der 100-Punkte-Champion der Vorsaison, die Aura der Unantastbarkeit eingebüßt und innerhalb von fünf Tagen so viele Niederlagen kassiert wie in der ganzen abgelaufenen Spielzeit, nämlich zwei. Kurz vor Heiligabend gegen Crystal Palace (2:3), am zweiten Weihnachtstag in Leicester.

Liverpools Vorsprung auf den Titelverteidiger, neuerdings nur noch Tabellendritter, ist über Weihnachten auf sieben Punkte gewachsen, der Abstand auf den neuen Ranglisten-Zweiten Tottenham Hotspur beträgt sechs Zähler. Während sich Englands Medien gerade noch gefragt hatten, ob in der Premier League überhaupt ein Titelrennen stattfinde oder nicht ohnehin klar sei, dass die Mannschaft von Trainer Josep Guardiola die Saison wieder auf Platz eins abschließen werde, hat Liverpool die Meisterschaft nach den Festtagen selbst in der Hand.

Natürlich, Manchester City hat mit Verletzungen zu kämpfen. Bei den jüngsten Niederlagen machte sich besonders das Fehlen von Mittelfeld-Stabilisator Fernandinho bemerkbar. Doch das reicht nicht als Erklärung für den Verlust der Dominanz. Kevin De Bruyne, Guardiolas nominell bester Spieler, fehlte ja schon seit Beginn der Saison. Die Zwei-Spiele-Krise des Titelverteidigers ist eher auf Schwächen bei der Konzentration und auf seltsame Ungenauigkeiten in der Offensive zurückzuführen. Es scheint sich zu bewahrheiten, was viele Fachleute schon länger sagen: dass nämlich City sich auf dem Weg zum zweiten Titel nacheinander nur selbst stoppen könne. Und dann gibt es in dieser Saison eben einen Konkurrenten, der gut genug ist, die Ausrutscher von Guardiolas Mannschaft zu nutzen.

Der wichtigste Grund für Liverpools makellose Hinrunde ist die Tatsache, dass es Klopp gelungen ist, den spektakulären Fußball, den seine Mannschaft zu spielen vermag, auf ein solides Fundament zu stellen. Liverpool hat erst sieben Tore kassiert (Tottenham steht bei 18, City bei 15 Gegentreffern) und spielte gegen Newcastle zum zwölften in dieser Saison zu Null. Während Klopps Mannschaft in der Vergangenheit oft anfällig und unberechenbar war, wirkt sie mittlerweile souverän und zuverlässig. Sie gewinnt auch schwächere Spiele – und zeigt in stärkeren wie gegen Newcastle eine Gala.

Neben seinen Aufgaben auf dem Platz muss Klopp künftig mehr als ohnehin schon die Erwartungen moderieren und verhindern, dass sich die Euphorie in Liverpools Umfeld in Übermut verwandelt. Der Vorsprung an der Tabellenspitze „bedeutet nichts“, sagte der Trainer am Ende des emotionalen zweiten Weihnachtstags und verwies auf die bevorstehenden Aufgaben. Am Samstag ist der FC Arsenal zu Gast an der Anfield Road, am kommenden Donnerstag geht es zu Manchester City. Zu der Mannschaft, die gerade noch klarer Favorit auf den Titel war – und neuerdings fürchten muss, den Anschluss zu verlieren.

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