+
50.000 Boca-Fans sind beim Abschlusstraining vor dem Finale der Copa Libertadores im Stadion.

Boca Juniors - River Plate

Welch Freude, welch Wahnsinn

  • schließen

50 000 Fans heizen den Boca-Spielern vor dem Superclasico gegen River Plate beim Training ein.

Que alegria, que alegria, ole ole ola - welch Freude, welch Freude, ole ole ola: Als die Spieler den Rasen betraten, intonierten die Fans eines ihrer liebsten Lieder. Sie hüpften im Rhythmus, zündeten Rauchtöpfe und feierten ihre Helden: die Fußballprofis vom Club Atletico Boca Juniors. 50 000 Menschen also hatten sich am Donnerstag im vielleicht stimmungsvollsten Stadion der Welt, „La Bombonera“, der Pralinenschachtel, versammelt, um ihre Mannschaft mit Zuneigung, mit endloser Liebe zu überschütten. Nein, nicht etwa bei einem entscheidenden Spiel, das ist beim argentinischen Traditionsverein aus Buenos Aires sowieso Alltag, sondern bei einem schnöden Training. 50 000 Fans bei einem Training - welch Freude, welch Wahnsinn.

Grund für diesen Auflauf der Massen, der wohl weltweit seinesgleichen sucht, war das heute bevorstehende und gar nicht mal mehr so schnöde Rückspiel im Finale der Copa Libertadores, der südamerikanischen Champions League. Für Boca, die Blau-Gelben aus dem Hafenviertel, geht es zum Stadtrivalen River Plate, den Millionarios, den Rot-Weißen aus dem Nobelviertel der Millionenstadt. 

Im Hinspiel des sogenannten Superclasicos hatten sich die beiden verfeindeten Klubs 2:2-Unentschieden getrennt, die Gastgeber sind vor heimischen Publikum nun also leichter Favorit. Vor allem deswegen, weil aufgrund der brisanten Historie des ewigen Duells keine Gästefans im jeweils anderen Stadion zugelassen sind, es sich die verrückten Boca-Anhänger also vor den heimischen TV-Bildschirmen und in den Kneipen ihres Viertels bequem machen müssen. Der argentinische Fußballverband AFA und die Regierung versuchen mit ihrer Maßnahme, der extremen Fangewalt Einhalt zu gebieten. Der Erfolg hält sich in Grenzen. In den vergangenen zehn Jahren sind im ganzen Land 138 Menschen in Streitigkeiten unter Fußballfans umgebracht worden, 53 von ihnen seit dem Ausschluss der Gästefans.

„Mehr Krieg als Fußball“

„Das ist mehr wie ein Krieg als ein Fußballspiel“, hatte River-Mittelfeldspieler Leonardo Ponzio ziemlich wortgewaltig vor drei Jahren einmal formuliert, nachdem eine Partie der beiden Stadtrivalen abgebrochen werden musste. Boca-Fans hatten Tränengas versprüht, um die River-Spieler außer Gefecht zu setzen. 

Nun beim entscheidenden Rückspiel werden 2100 Polizisten im Einsatz sein. Dabei geht es vor allem darum, den Andrang von Fans mit gefälschten Eintrittskarten zu stoppen. Die Ticketpreise sind im Weiterverkauf auf dem Schwarzmarkt bis auf umgerechnet 4800 Euro angestiegen. Der illegale Kartenverkauf bedeutet einen Umsatz von rund 300 000 Euro, nach Schätzung der Staatsanwaltschaft, die auf Anzeige von River Plate ermittelt.

Nicht ausgeschlossen also, dass sich trotz aller Verbote einige Boca-Anhänger auf fremdes Gebiet wagen. Und sollte am Ende tatsächlich ein Triumph für die Blau-Gelben herausspringen, ja dann ist der Ort der Siegesparty gewiss ein ganz besonderer: die Pralinenschachtel, La Bombonera, „Que alegria, que alegria, ole ole ola“ - welch Freude, welch Wahnsinn. (mit dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion