Fußball

Weiter, immer weiter

Nach der Champions League ist vor der Nations League.

Uefa-Präsident Aleksander Ceferin kann sich vermutlich glücklich schätzen, dass der FC Liverpool das Champions-League-Finale am Samstag gewonnen hat. So war Trainer Jürgen Klopp mindestens noch freudetrunken, als sich sechs seiner müden Profis zu den aus seiner Sicht „sinnlosen“ Finalrundenspielen der Nations League nach Portugal aufmachten.

Abwehr-Gigant Virgil van Dijk und Giorginio Wijnaldum kämpfen mit den Niederlanden am Donnerstag in Guimaraes gegen England mit den Klubkollegen Trent Alexander-Arnold, Joe Gomez und Reds-Kapitän Jordan Henderson um den Finaleinzug bei der Premiere des Wettbewerbs. Hinzu kommen vier Spieler des unterlegenen Königsklassen-Finalisten Tottenham Hotspur, darunter der gerade genesene Stürmerstar Harry Kane.

Bereits 24 Stunden zuvor fordert Liverpools Top-Joker Xherdan Shaqiri mit der Schweiz in Porto Europameister Portugal heraus (jeweils 20.45 Uhr). Macht unter dem Strich zehn Spieler aus dem Champions-League-Finale, die noch einmal Kräfte mobilisieren und Spannung aufbauen müssen – obwohl der sportliche Stellenwert überschaubar ist. „Wenn wir nicht lernen, unsere Spieler besser zu pflegen, killen wir dieses wunderschöne Spiel“, hatte Klopp zuletzt gewettert. Der 51-Jährige ist einer der größten Kritiker des Wettbewerbs, der die Test-Länderspiele ersetzt.

Die englischen Fans strömen trotzdem in Scharen nach Portugal. 18 000 Anhänger der Three Lions werden am Donnerstag in Guimaraes erwartet, das Estadio Dom Afonso Henriques bietet allerdings nur Platz für 30 000 Menschen. Nationaltrainer Gareth Southgate richtete vorsichtshalber einen Appell an die Fans: „Ihr seid ein Teil unserer Mannschaft. Macht das Land stolz.“ Was er damit meint: Benehmt Euch!

Gegen die Niederländer, die Deutschland in der Gruppenphase hinter sich ließen, erwartet der frühere Nationalspieler „ein hitziges Duell. Beide Mannschaften ähneln sich sehr.“ Für Oranje, das die Qualifikation für die EM 2016 und die WM 2018 verpasst hatte, ist die Endrunde nach Ansicht von Bondscoach Ronald Koeman eine „gute Gelegenheit zu zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

Der stets titelhungrige fünfmalige Weltfußballer Cristiano Ronaldo und Portugal setzen auf den Heimvorteil. „Wir sind nicht besser als die anderen, aber die anderen werden es schwer haben, vor unseren Fans besser zu sein als wir“, sagte Nationaltrainer Fernando Santos. Achten sollte man bei den Portugiesen neben Ronaldo (34) auf Joao Felix: Der 19 Jahre alte Wunderknabe von Benfica Lissabon wird von halb Europa gejagt und könnte seinen Marktwert bei dem Mini-Turnier weiter steigern.

Die Schweiz mag auf dem Papier der Underdog sein. Die Eidgenossen, die mit neun Bundesliga-Legionären nach Portugal reisen, sind allerdings angestachelt von der Aussicht, im Finale am Sonntag (20.45 Uhr) ihren ersten Titel feiern zu können. „Es sollte nicht nur für mich, sondern für die ganze Schweiz das Ziel sein, das Turnier zu gewinnen“, erklärte Nationaltrainer Vladimir Petkovic. Lohnen würde sich der Sieg auch finanziell: Neben einem 71 Zentimeter großen Silberpokal erhält der Sieger insgesamt 10,5 Millionen Euro. Der unterlegene Finalist verdient immerhin neun Millionen Euro. Platz drei ist acht Millionen Euro wert, der Vierte streicht sieben Millionen Euro für den Trip nach Portugal ein. (sid)

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