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Wirkt ratlos: BVB-Trainer Lucien Favre.

Borussia Dortmund

Weiter mit Favre - erst einmal

Borussia Dortmund hält nach Tagen voller Krisensitzungen am Trainer fest, allerdings mit Einschränkungen

Marco Reus hatte eine wenig überraschende Vorahnung. „Wir erwarten nicht, dass wir mit großen Beifall empfangen werden“, sagte der Kapitän von Borussia Dortmund – kurz bevor er mit den Profis des BVB zur Mitgliederversammlung gestoßen war. Als sie um 12.12 Uhr die Westfalenhalle 3 betreten hatten, war der Empfang durchaus gemischt: Es gab Applaus, gleichermaßen auch Pfiffe oder „Schämt euch“-Rufe.

Denn auch wenn es die Versammlung des eingetragenen Vereins war, stand die aktuelle Situation des Bundesligisten im Vordergrund. Zur Eröffnung meinte Präsident Dr. Reinhard Rauball mit klaren Worten: „Auch an Tag zwei nach der katastrophalen Leistung von Freitag gegen Paderborn gibt es erhöhten Diskussionsbedarf.“ Nach dem 3:3 und der indiskutablen ersten Halbzeit gegen den Aufsteiger steht einmal mehr Trainer Lucien Favre besonders im Fokus der Kritik.

In seiner vorgezogenen Rede stellte sich Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hinter Favre, wenn auch nur eingeschränkt: „Lucien, du hast weiterhin unser Vertrauen, aber eins ist klar: Am Ende ist Fußball immer über Ergebnisse definiert. Wir hoffen, dass es gelingt, eine Wende zum Positiven herbeizuführen.“ Der BVB-Boss nahm jedoch genauso die Mannschaft in die Pflicht. Watzke lobte Reus, dass er sich am Freitag stellvertretend für das gesamte Team entschuldigt habe, meinte aber auch: „Ihr seid jetzt gefordert, Taten folgen zu lassen. Nur vom Reden kriegen wir nicht die Ergebnisse, die wir uns wünschen.“ Dabei fordert der 60-Jährige Hingabe und Leidenschaft. „Man kann auch als Borussia Dortmund ein Spiel verlieren, nur muss zu erkennen sein, dass man vorher alles dafür getan hat.“ Watzke traf damit den Nerv der 1165 anwesenden Mitglieder.

In den Analysen der sportlichen Leitungen seien vor allem zwei Dinge aufgefallen. Dass sich viele viele Leistungsträger derzeit nicht in ihrer besten Form präsentieren – und: „Auf dem Platz erwecken wir nicht den Eindruck einer stabilen Einheit“, meinte Watzke: „Das ist in allererster Linie eine Aufgabe der Mannschaft und von dir, lieber Lucien Favre und deinem Trainerteam, das zu verbessern.“

Ein klarer Appell an den Schweizer und seine Truppe, die sich weiterhin hinter Favre stellt. „Wir dürfen die Verantwortung nicht immer weiterschieben“, sagte Reus und bestätigte eine längere Fehleranalyse am Samstagvormittag. „Das Problem ist, dass wir momentan nur dann gut spielen, wenn wir das Gefühl haben, dass wir nichts mehr zu verlieren haben. Das liegt schon an der Bereitschaft, von Anfang an zu leiden.“

Das ist zwar richtig analysiert, allerdings nicht erst seit dem Auftritt gegen Paderborn ein großes Manko. Seit Wochen ist von Reus und Co. Ähnliches zu hören, auf eine Steigerung in dieser Hinsicht warten alle, die es mit den Schwarz-Gelben halten, allerdings vergeblich. Wohl auch deshalb arbeitet Favre weiter auf Bewährung. Watzke: „Wir sind Borussia Dortmund, das muss man sehen. Reißt euch zusammen, strafft euch. Versucht so aufzutreten, wie das von Borussen erwartet wird.“ In den kommenden beiden Partien am Mittwoch in der Champions League beim FC Barcelona sowie drei Tage darauf in der Meisterschaft bei Hertha BSC müssen Fortschritte erkennbar sein. Ansonsten gehen dem Schweizer die Argumente endgültig aus, auch sein Kredit aus der Vorsaison scheint verspielt.

Zumal es Favre bislang nicht gelungen ist, die Sommerinvestitionen von 130 Millionen Euro passend einzubauen. Wobei auch Watzke einen entscheidenden Fehler zugab: „Wir hätten definitiv eine zweite Nummer neun verpflichten müssen. Das haben wir falsch bewertet.“

Klingt nach einer Ankündigung, im Winter einen weiteren Stürmer zu holen. Ob Favre dann noch Dortmunder Chefcoach ist, hängt stark von den kommenden Wochen ab.

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