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Alex Wehrle gibt das Tempo beim VfB Stuttgart vor

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Von: Jan Christian Müller

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Immer am Ball: Trainer Pellegrino Matarazzo.
Immer am Ball: Trainer Pellegrino Matarazzo. © AFP

VfB Stuttgart Neuer Boss lässt sich vor Spiel gegen Ex-Klub nicht in die Karten schauen

Als Absolvent des Diplom-Studiengangs Verwaltungswissenschaften der Uni Konstanz am Bodensee und der University of Limerick in Irland kennt sich Alexander Wehrle im Rechnungswesen aus. Seit 53 Tagen ist der 47-Jährige Vorstandschef beim VfB Stuttgart als Nachfolger von Thomas Hitzlsperger und hat sich tief in nicht ganz unkomplizierte Zahlenwerke eingearbeitet. Schließlich steht ein 128-Millionen-Euro-Investment in den anderthalbjährigen Stadionumbau an. Und es gibt Überlegungen, den coronabedingten knapp 100-Millionen-Euro-Umsatzausfall durch die Ausgabe von Genussscheinen abzufedern. Die hohe Kunst der Betriebswirtschaftlehre.

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Für Samstag in der ausverkauften Arena ist die Rechnung viel einfacher: Siegt der VfB gegen den 1. FC Köln und verliert gleichzeitig Hertha BSC bei Borussia Dortmund, wäre Stuttgart direkt gerettet. Andernfalls wird es die Relegation, um ein ansonsten missratenes Spieljahr noch erträglich zu gestalten. Ironie des Schicksals und des eigenen Karrierewegs: Wehrle kennt sich mit diesen Entscheidungsspielen aus. Denn er hat vergangene Saison als Geschäftsführer just jenes 1. FC Köln, der dem VfB Stuttgart am Samstag in die Suppe spucken kann, eine Relegation ja schon erlebt, Köln gegen Kiel, Hinspiel 0:1, Rückspiel 5:1 aus Sicht der Geißböcke. Liga erhalten, jetzt mindestens Conference League-Teilnahme. So schnell kann es gehen.

Guten Draht zu Horst Heldt

Nach neun Jahren am Rhein zog es Wehrle zurück in die alte Heimat, dorthin, wo er früher am Frühstückstisch mit seinem Vater gestritten hat, wer zuerst die „Ludwigsburger Kreiszeitung“ lesen dufte, dorthin, wo ganz in der Nähe die Eltern noch wohnen, die er aufgrund des immensen Arbeitsaufwands laut Selbstauskunft bisher erst einmal besucht hat. Er ist jetzt der neue starke Mann des VfB, er ist zudem kürzlich zum Aufsichtsratschef der neuen DFB-GmbH bestimmt worden, er sitzt noch bis mindestens August im DFL-Präsidium, er ist ein ausgewiesener Netzwerker, der genau weiß, wann er konkret antwortet und wann lieber nicht.

Zum Beispiel lieber nicht, wenn es um die Zukunft von Trainer Pellegrino Matarazzo und Sportchef Sven Mislintat geht. Wehrle ist erfahren genug, um zu wissen, wie seine unverbindliche Antwort im Pressegespräch gewertet wird, „Wehrle: Kein Bekenntnis zu Matarazzo und Mislintat“, vermelden die Agenturen und interpretieren das aus diesen Worten eines gewieften Rhetorikers: „Unser Fokus ist momentan, die Klasse zu sichern, dann in eine Saisonanalyse zu gehen. Danach werden wir zu Erkenntnissen kommen – und zwar alle drei.“ Wehrle garniert das auf Nachfrage noch mit gut dosiertem Lob für den Trainer („strahlt Gelassenheit aus“) und den Sportchef („in der Lage, zukunftsfähigen Kader zusammenzustellen“), was alle Optionen offenhält. Da will sich einer keinesfalls festlegen.

Bleiben Matarazzo und Mislintat?

Denn er weiß ja: Im Fall eines Abstiegs gerät das gesamte, notorisch aufgeregte Umfeld in Unwucht. Es gibt dort Leute, die dann einen Personalwechsel im verantwortlichen sportlichen Bereich für unausweichlich halten. Was nicht automatisch heißt, dass der selbstbewusste Wehrle zwingend auf Einflüsterer hören wird. Er weiß aber auch, dass sich Mislintat mit Matarazzo im Paket sieht.

In Köln hat Alex Wehrle mit Horst Heldt hervorragend zusammengearbeitet, dem Baumeister der Stuttgarter Meistermannschaft 2007.

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