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Musste wegen einer Kopfverletzung raus: Paterson Chato.

Nach 0:3-Niederlage gegen Hannover 96

Schädelbrummen beim SV Wehen: Trainer Rehm sauer

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Der SV Wehen Wiesbaden zeigt gegen Hannover 96 eine ungenügende Leistung und ist vorerst Tabellenletzter der zweiten Liga.

Nicht einmal eine Viertelstunde war im Heimspiel gegen Hannover 96 rum, da brummten den Fußballern des SV Wehen Wiesbaden die Schädel. Dem Mittelfeldmann Paterson Chato deshalb, weil er sich bei einem Luftduell mit Gästespieler Edgar Prib unfreiwillig einem Standhaftigkeitstest des Oberstübchens unterzog, dabei eher nicht als Sieger hervorging und kurz darauf mit einem blauen Turban um den Kopf den Rasen verlassen musste. Den restlichen zehn Männern des hessischen Zweitligisten, weil ihnen vom Chef eine Ansage erteilt wurde. Trainer Rüdiger Rehm redete auf sie ein, die Stimme erhoben, er bedeutete seinen Spielern, endlich Vollgas zu geben. „Aktiver, aktiver, mehr, mehr“. Die Worte des 40-Jährigen waren bis auf die Tribüne zu erlauschen. Bloß: Sie halfen nichts.

Während zum Zeitpunkt der frühen Standpauke noch keine Tore in der mit 5600 Zuschauern gefüllten Wiesbadener Arena gefallen waren, präsentierte die Anzeigetafel nach dem Schlusspfiff einen Stand von 0:3 (0:1). Für den Absteiger aus Hannover bedeutete das den ersten Auswärtserfolg seit 666 Tagen, für deren Trainer Mirko Slomka gar den ersten seit 2305 Tagen. Der Aufsteiger aus Wehen blieb dagegen auch im vierten Pflichtspiel der Saison, inklusive des unglücklichen Pokalausscheidens gegen den 1. FC Köln, ohne Erfolg und ist in der Liga nach drei Niederlagen zählerlos Tabellenletzter. „Vor allem die erste Hälfte war extrem enttäuschend. Lustlos, willenlos, mutlos. Ich erwarte mehr Robustheit“, sagte Rehm, dessen offene, aber treffende Analyse noch folgenden Satz beinhaltete: „So ist das nicht ausreichend für die zweite Liga.“

Und tatsächlich, nachdem die Wehener in den ersten Partien der Saison gute Ansätze gezeigt hatten, fehlte es gegen Hannover vorne wie hinten. Im Angriff musste nach dem in der vergangenen Woche am Knie operierten Philip Tietz kurzfristig auch Kollege Daniel Kofi Kyereh wegen eines Muskelfaserisses im Oberschenkel passen, hinten gab gerade der routinierte Benedikt Röcker, 29, eine bedenkliche Figur ab. Vor dem 0:1 unterlief der schrankähnliche 1,97-Meter-Mann erst einen hohen Ball, um sich dann beim Hinterherwetzen auf die Nase zu legen und damit den Weg freizumachen für den ersten Saisontreffer des 96-Torjägers Marvin Duksch (28.). Zur Pause wurde der überforderte Röcker schließlich von seinem Trainer erlöst, für ihn kam Manuel Schäffler – und obwohl der Stürmer noch eine gehörige Portion Trainingsrückstand aufzuweisen hat, brachte seine Einwechslung zumindest für ein paar Minuten neuen Schwung.

Angetrieben vom Führungsspieler war mehr Zug drin im Wehener Spiel, Maximilian Dittgen schoss über den Kasten (51.), den Versuch von Moritz Kuhn kratzten die Hannoveraner von der Linie (54.). „Da gab es diese gute Phase“, begann Rehm später einen Satz, musste aber schnell erkennen, dass auch dieser nicht positiv enden würde. Also sagte er: „Aber dann haben wir vor dem 0:2 wieder nicht durchgezogen.“ Gemeint war Nicklas Shipnoski, der einen Zweikampf halbherzig führte, ihn entsprechend verlor und den Gästen einen Konter ermöglichte. Diesmal vollendete Florent Muslija zum 2:0 (57.). Als später Sascha Mockenhaupt der Ball im Strafraum gegen den Arm klatschte und Duksch den fälligen Elfmeter verwandelte (76.), war die gerechte 0:3-Niederlage aus Sicht der Wehener vollendet. „Fußball ist ein Kampfsport“, sagte Rehm: „Das haben wir nicht angenommen.“

Neuzugang erwünscht Nun wollte der Fußballlehrer aber nicht nur martialische Vergleiche wählen, ein paar versöhnliche Worte hatte er für seine Jungs auch übrig. Schließlich sei es der erste wirklich schwache Auftritt der Saison gewesen, das Team könne es also besser. „Jetzt heißt es, uns nach oben zu arbeiten.“ Neben einer verbesserten Einstellung wünscht sich Rehm dabei auch auf einen verbesserten Kader. Gerade im Sturm besteht aufgrund der verletzten oder angeschlagenen Tietz, Kyereh und Schäffler Handlungsdruck auf dem Transfermarkt. „Das ist ein wichtiger Baustein. Wenn beim FC Bayern Lewandowski, Gnabry und Coman fehlen, würde das auch auffallen. Ich hoffe, dass wir noch was machen können.“ Christian Hock, für Transfers zuständiger Sportdirektor des SV Wehen Wiesbaden, lauschte diesen Worten einige Meter entfernt. Seine Stirn legte sich prompt in Falten. Ob dieser Aufgabe verspürte offenbar auch Hock ein leichtes Schädelbrummen.

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