Dritte Liga

Wehen Wiesbaden klopft an der Zweitligatür

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Der SV Wehen gewinnt 2:0 gegen den KSC und ist in der dritten Liga auf Aufstiegskurs.

Manchmal ist die Sprache des Fußballs ja schon eine ungewöhnliche. Eine, die man gewiss nicht immer sofort verstehen muss. Wenn sich zum Beispiel an einem sonnigen Sonntagnachmittag die Spieler des SV Wehen Wiesbaden und des Karlsruher SC zu einem wichtigen Kick in der dritten Liga treffen, sich quasi die gesamten 90 Minuten in Zweikämpfen duellieren, dann wird anschließend ganz gerne vom ehrlichen Fußball gesprochen. Von einer Art des Spiels, in dem sich noch wahrhaft echte Männer gegenüberstehen. Solche, die sich gegenseitig auf die Knochen treten, für die Schrammen zu ihrem Verständnis des Spiels genauso essenziell dazugehören wie der Ball, die gerne austeilen und seltsamerweise auch fast so gerne einstecken. Eben kein Fußballspiel wie es so oft in der hochprofessionalisierten Glitzerwelt der Bundesliga oder Champions League zu sehen ist, bei der die Protagonisten oft derart in taktische Korsetts gezwängt werden, um auch ja ihre millionenschweren Technikerbeinchen vor blauen Flecken zu schützen.

Nun ist dieser besagte ehrliche Fußball in Wahrheit natürlich genau das Gegenteil - nämlich falsch, unanständig, auch unfair. Und so entwickelte sich gestern in Wiesbaden also ein Spitzenspiel der dritten Liga, das am Ende verdient mit 2:0 (0:0) an die Gastgeber aus Hessen ging, das über weite Strecken dem ihm vorauseilenden Ruf aber nicht gerecht werden konnte. Vor allem in den ersten 45 Minuten zeigte die bisher zweitbeste Mannschaft der Liga, der KSC, und die drittbeste, der SV Wehen, nicht, warum sie das eigentlich sind. Die Höhepunkte hatten dann auch wenig mit einem Fußballspiel gemein, sondern eher Züge eines Boxkampfes.

Schäffler ragt heraus

Nach 28 Minuten zum Beispiel wischte der Karlsruher Verteidiger Daniel Gordon, einst auch beim FSV Frankfurt unter Vertrag, seinem Gegenspieler Jules Schwardorf treffsicher die Hand durchs Gesicht, woraufhin Schwardorf selbst nach 32 Minuten diesmal seinen Ellenbogen zielsicher auf der Nase von KSC-Profi Marco Thiede platzierte. Rumms, ehrlicher Fußball nennt sich das also.

Nun gut, ein bisschen ging es dann aber natürlich auch um das Spiel mit dem Ball. Während der KSC in Gestalt von Stürmer Marvin Pourie aus sieben Metern die Führung um Zentimeter noch verpasste (43.), machte es Manuel Schäffler, Stürmer der Hausherren, kurz nach dem Seitenwechsel genauer. Der 30-Jährige bugsierte eine scharfe Flanke von Moritz Kuhn mit der Fußspitze ins Netz – 1:0 für den SV Wehen Wiesbaden (48.), der 13. Saisontreffer Schäfflers.

Diese Führung sollten sich die Gastgeber aus der hessischen Landeshauptstadt in den darauffolgenden Minuten denn auch verdienen. Um genau zu sein, verdiente sich eigentlich nur Manuel Schäffler diese Führung. Denn der wuchtige Angreifer war nicht nur dank seiner armbedeckenden Tatoos der auffälligste aller Männer auf dem Rasen, er spielte schlicht eine Klasse besser als die meisten der anderen Profifußballer. Erst lenkte KSC-Torhüter Benjamin Uphoff mit einem starken Reflex einen Schäffler-Volleyschuss noch gerade so über die Latte (55.), dann zielte der Wiesbadener Angreifer einmal selbst ein bisschen zu hoch (57.).

Die Karlsruher verstanden ihrerseits erst in den letzten 15 Minuten, das zu solch einem Spitzenspiel neben ehrlichem Fußball, gemeint ist natürlich das Gegenteil, auch ein guter Umgang mit dem Spielgerät dazugehört. Der KSC also machte erst in der Schlussphase so richtig Druck. Zu spät, um den Wiesbadenern den Sieg noch zu entreißen.

Stattdessen gelang dem eingewechselten Wiesbadener Stürmer Niklas Schmidt nach einem Sololauf über den halben Platz kurz vor Schluss der 2:0-Endstand (87.), durch den der SV Wehen nun 55 Zähler gesammelt hat und in der Tabelle an den Gästen aus Baden auf Rang zwei vorbeigezogen ist - was am Saisonende den Aufstieg in die zweite Liga bedeuten würde. Ganz ehrlich.

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