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Wollen den Wehener Aufstieg bejubeln: Sportdirektor Christian Hock (links) und Trainer Rüdiger Rehm.

Relegation zur zweiten Liga

Überzeugte Wehener fordern Ingolstadt

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Vor zwölf Jahren stieg der SV Wehen das bisher letzte Mal in die zweite Liga auf – seitdem hat sich einiges getan. Nun will der Drittligist gegen den FC Ingolstadt in der Relegation den Aufstieg perfekt machen.

Am 28. April 2007 erlebte ein Dorfklub aus dem Taunus seinen bis dahin größten Tag der Vereinsgeschichte. An einem Samstag war das, knappe 20 Grad warm, nur ein paar Schleierwolken am Himmel, die Sonne brannte ganz schön auf die noch frühlingshaft ungebräunte Haut, da spielte der SV Wehen in Pirmasens um den Aufstieg in die Zweite Fußball-Bundesliga. Und 150 Fans der Hessen reisten mit. „Wir sind der geilste Dorfverein“ stand auf einem Plakat geschrieben, das die treuen Anhänger stolz am Zaun befestigt hatten. Was sie dann zu sehen bekamen, war kein besonders tolles Spiel, dieses Duell am sechstletzten Spieltag der damals noch drittklassigen Regionalliga Süd.

Dafür war die allergrößte Anspannung bei den Gästen schon raus, dafür hatten sie zu viel Vorsprung auf die Konkurrenz – selbst die zweitplatzierte TSG Hoffenheim mit Spielern wie Sejad Salihovic oder Francisco Copado sowie Trainer Ralf Rangnick hinkte hinterher. Alles in allem aber dominierten die Wehener gegen Pirmasens und siegten 2:0. Die mitgereisten Fans, darunter Mütter und Väter der Spieler, Kinder und viele Rentner, betraten nach dem Abpfiff zaghaft den Rasen (das Wort Platzsturm wäre an dieser Stelle weit übertrieben), und feierten mit ihren Jungs um dem damaligen Erfolgscoach den Aufstieg. Dessen Name: Christian Hock. Zwölf Jahre später ist eben jener Christian Hock immer noch beim SV Wehen angestellt, mittlerweile nicht mehr als Trainer, sondern seit vier Jahren als Sportdirektor des Drittligisten. An diesem Freitag (18.15 Uhr/ZDF) kämpft der 49-Jährige erneut um den Aufstieg in die zweite Liga, im Relegationshinspiel gegen den FC Ingolstadt. Damals sei es ein angenehmes Gefühl gewesen, erinnert sich Hock zurück, „das war eine schöne Rückfahrt und eine tolle Feier.“ Das Stammlokal, die Krone in Wehen, hatte die Pforten die ganze Nacht geöffnet.

Anschließend begann eine neue Zeitrechnung. Der SV Wehen hängte an seinen Vereinsnamen noch ein Wiesbaden dran und zog vom schrulligen, für Zweitligakicks aber zu kleinen Stadion am Halberg im Taunus in die hessische Landeshauptstadt um. Der SV Wehen Wiesbaden spielte nun gegen Klubs wie Borussia Mönchengladbach und den 1. FC Köln, er trat zu Nachbarschaftsduellen bei Mainz 05 und Kickers Offenbach an, wurde immer ein bisschen unterschätzt, und hielt als Achter die Klasse. Erst ein Jahr später ging es wieder runter, und seitdem nicht mehr wieder rauf. Das soll sich nun ändern, am Dienstagabend kommender Woche, dann steht das Rückspiel in Ingolstadt an, wollen sie sich beim SVWW wieder Zweitligist nennen.

„Wir haben uns von Jahr zu Jahr verbessert, vom siebten auf den vierten und auf den dritten Platz. Jetzt haben wir endlich die Möglichkeit, um den Aufstieg zu spielen“, sagt Sportdirektor Hock: „Wir alle, die Mannschaft und der Verein, haben dieses eine Ziel. Wir wollen in beiden Spielen eine Leistung abrufen, die es uns ermöglicht, aufzusteigen.“ Natürlich sei Ingolstadt ein starker Gegner, aber „wir wollen sie mit unserer Leistung so beeindrucken, dass sie ins Zweifeln kommen und sehen, dass es gegen uns nicht einfach wird. Ich bin guter Dinge, dass wir nach beiden Spielen als Sieger vom Platz gehen.“ Selbstvertrauen haben sie beim SV Wehen, das ganz bestimmt, schließlich war die Saison eine erfolgreiche. 70 Punkte sammelte die Mannschaft von Trainer Rüdiger Rehm, die Wehener schossen die meisten Tore der Liga, in der Rückrunde holten sie fünf Punkte mehr als Meister Osnabrück und damit einen großen Rückstand zu den Aufstiegsrängen auf. Es reichte für Rang drei.

„Wir können Großes erreichen und uns für eine tolle Saison belohnen. Alle wollen in die zweite Liga“, sagt Trainer Rehm, der allerdings auf zwei Verletzte, Innenverteidiger Niklas Dams und Offensivmann Jules Schwardorf, sowie den vom FC Ingolstadt bis zum Saisonende ausgeliehenen und deshalb für die Relegationsspiele freigestellten Stürmer Agyemang Diawusie (Rehm: „Wir haben die Verantwortung, ihn zu schützen“) verzichten muss.

Sportdirektor Hock plant derweil natürlich zweigleisig. Denn der Erfolg hat auch Begehrlichkeiten geweckt. Spieler erhalten Angebote aus höheren Ligen, könnten womöglich nur bei einem Aufstieg gehalten werden. „Es wird aber keinen großen Umbruch geben – weder in der zweiten Liga noch in der dritten Liga“, ist sich Hock sicher. „Der Aufstieg wäre eine logische Entwicklung.“ Allein beim Blick auf das TV-Geld werden die unterschiedlichen Dimensionen zwischen der Zugehörigkeit in der Zweit- oder Drittklassigkeit offensichtlich. Durch die Fernsehverträge plätscherten den Wehener in dieser Saison rund 800.000 Euro in die Kasse, eine Klasse höher würden mindestens 6,8 Millionen fließen.

Zudem warten prominentere Gegner, der Hamburger SV etwa, oder Nachbar Darmstadt 98, da dürfte der aktuelle Schnitt von 3153 Zuschauern klar gesteigert werden können. „Die Erfahrung von 2007 bis 2009 zeigt, dass die zweite Liga hier in Wiesbaden angenommen wird. Damals hatten wir einen Schnitt von gut 8000 Zuschauern“, erinnert sich Christian Hock. Die 150 wackeren Auswärtsfahrer von Pirmasens waren sicher auch darunter. (mit dpa)

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