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Watzke spricht von „schmutzigem Geld“

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Von: Frank Hellmann, Jan Christian Müller

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Zieht Konsequenzen: Roman Abramowitsch.
Zieht Konsequenzen: Roman Abramowitsch. © imago images/PA Images

Uefa vor Stop der Partnerschaft mit Gazprom / Polen lehnt Spiel gegen Russland ab / Abramowitsch steigt beim FC Chelsea aus / Sandro Schwarz bleibt in Moskau.

Die große Mehrzahl der Leute in der Frankfurter Arena zückte das Smartphone, als die Botschaft in weißen Versalien auf dem Videowürfel präsentiert wurde: „Stop it, Putin!“ Viele klatschten Applaus, als sich die Teams von Eintracht Frankfurt und Bayern München - so wie Teams in allen Bundesligastadien - zur Schweigeminute als Zeichen der Anteilnahme aufstellten.

Noch weiter ging in seiner Solidaritätsbekundung Robert Lewandowski, der mit einer Kapitänsbinde in den ukrainischen Landesfarben Blau und Gelb antrat, um dem kriegsgeplagten Nachbarland seiner Heimat Polen symbolisch Beistand zu übermitteln. „Die gesamte Welt muss die Ukraine unterstützen. Der Sport kann sich nicht rausnehmen. Wir dürfen nicht akzeptieren, was dort passiert.“ Der in Abwesenheit von Manuel Neuer (verletzt) und Thomas Müller (Corona) zum Spielführer aufgerückte Bayern-Star bespielte die übergeordnete Ebene: Was kann der Sport, speziell der medial omnipräsente Profifußball, tun, um wenigstens Spurenelemente von Haltung zu bewahren, wenn sich der Weltfußballverband Fifa mal wieder vor Verantwortung drückt?

Der Weltfußballer hatte vor Anpfiff via Twitter den polnischen Fußballverband gestützt, der Ende März nicht zu den WM-Playoffs gegen den Kriegstreiber Russland – übrigens genau so wenig wie Schweden – antreten will. „Ich kann mir nicht vorstellen, in einem Monat auf den Platz zu gehen und zu vergessen, was passiert. Klar, der Sport ist die eine Sache – aber das kann man nicht aus dem Kopf bekommen und vergessen“, sagte der sichtlich bewegte 33-Jährige.

Sandro Schwarz: „Bin mir Verantwortung bewusst“

Der ehemalige Mainzer Trainer Sandro Schwarz, Chefcoach von Dinamo Moskau, sagte nach dem 3:0-Sieg beim FK Chimki, bei dem die beiden Ukrainer im Schwarz-Team, Co-Trainer Andrej Woronin und Abwehrchef Ivan Ordets, fehlten, er werde Dinamo nicht verlassen. „Ich weiß, dass ich für meine Familie verantwortlich bin. Aber ich weiß auch: Ich bin seit 14 Monaten hier und mir meiner Verantwortung für die Leute hier im Klub bewusst. Ich weiß, dass das alles sehr, sehr gute Menschen sind. Ich bin nicht der, der einfach nur auf sich schaut und sagt: Ich setz mich jetzt ins nächste Flugzeug und bin hier weg. Sondern ich möchte allen Menschen, die um mich herum sind, dass es ihnen gut geht. Ich werde alles geben, dass wir die Menschen glücklich machen. Dafür sind wir angetreten und so wird es bleiben, erst mal.“

Der französische Verband FFF will sich unterdessen für einen Ausschluss von Russland von der WM-Endrunde in Katar einsetzen. Die Uefa ist offenbar gewillt, die Trennung vom russischen Großsponsor Gazprom durchzuziehen. Nach Informationen der englischen „Times“ wird an einer Auflösung des millionenschweren Vertrags gearbeitet.

Watzke: „Das Geld dürfen wir nicht annehmen“

Für eine Trennung aller Verbindungen zu Gazprom plädiert auch Hans-Joachim Watzke, Vorstandschef von Borussia Dortmund und Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Fußball-Liga (DFL). „Das ist jetzt schmutziges Geld. Das dürfen wir nicht mehr annehmen“, sagte Watzke. „Das muss auch der Beitrag eines jeden Klubs oder einer Organisation sein. Es ist wirklich kein großes Opfer zu sagen: Euer Geld wollen wir nicht.“

Mit viel Geld hat sich auch Roman Abramowitsch Einfluss im europäischen Fußball verschafft, als der russische Oligarch 2003 den FC Chelsea erwarb. Für den Putin-Kritiker Alexej Nawalny gehört Abramowitsch zu jenen 35 Oligarchen, die er als „Schlüsselfiguren von Putins kleptokratischem System“ bezeichnet. Durch den Krieg ist Abramowitsch unter Druck geraten und hat die Flucht nach vorn angetreten. „Ich habe Treuhändern der wohltätigen Stiftung von Chelsea die Verantwortung und Fürsorge für den FC Chelsea übertragen“, teilte der 55-Jährige mit. Das ist eine gewaltige Zäsur für den Klub, in den der Besitzer knapp zwei Milliarden Euro investiert haben soll.

Seine Tochter Sofia bewies Rückgrat: Die 27-Jährige, die in London lebt, postete auf Instagram ein Warnschild mit einem durchgestrichenen Foto von Russlands Aggressor Putin. Dazu schrieb sie: „Die größte und erfolgreichste Lüge der Kreml-Propaganda ist die Aussage, dass die meisten Russen hinter Putin stehen.“

Nach Hilferufen aus einem Hotel in Kiew hat eine Gruppe in der Ukraine beschäftigter brasilianischer Fußballspieler mit Angehörigen die Stadt verlassen können. Marlon Santos von Schachtjor Donezk und der Physiotherapeut Luciano Rosa veröffentlichten auf Instagram Videos aus einem Zug. Dieser war demnach nach Tschnerowitz im Westen der Ukraine, nahe der Grenzen zu Rumänien und Moldau, unterwegs. Mehr als 30 brasilianische Spieler stehen bei ukrainischen Erstligaklubs unter Vertrag, allein zwölf bei Schachtjor Donezk.

Nagelsmann: Appell für den Frieden

In Frankfurt äußerte sich derweil Bayern-Trainer Julian Nagelsmann so: „Ich wünsche mir im Kleinen wie im Großen, dass es schnell wieder Frieden gibt und die Menschen einfach verstehen, dass wir alle auf dem schönen Planeten nur zu Gast sind und friedlich miteinander umgehen, um das Leben genießen zu können. Aktuell ist es alles andere als genießbar.“ mit dpa/sid

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