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Was heißt hier Konkurrenz?

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Von: Ingo Durstewitz

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Das Konto ist fast och leer: 20.08.2022, Berlin: Die Leipziger Timo Werner, Dani Olmo und Emil Forsberg (von links).
Das Konto ist fast och leer: 20.08.2022, Berlin: Die Leipziger Timo Werner, Dani Olmo und Emil Forsberg (von links). © dpa

Leverkusen, Leipzig und Dortmund schwächeln gleich zu Saisonbeginn - für den Titelkampf sind das keine guten Nachrichten.

Der geschätzte Kollege, mindestens schon so lange dabei wie Friedhelm Funkel, verfolgt die Bundesliga zurzeit aus sicherer Entfernung, ein mal rum um die halbe Welt, rüber nach Fortaleza in den Nordosten Brasiliens. Aus der Hängematte am Strand analysiert der gute Mann die Spiele in der Heimat messerscharf: „Diesmal sind die Bayern vermutlich zum WM-Start schon Meister.“ Gähn. In Katar rollt die Kugel ab 20. November, hierzulande werden dann 15 Spieltage absolviert - und die Münchner Riesen schon wieder durch sein?

Rechnerisch geht das nicht, gefühlt schon. Das hat in erster Linie mit der kolossalen Schwäche der Konkurrenten zu tun, wobei schon der Begriff irreführend ist. Qua Definition liegen Konkurrenten in einem sportlichen Wettstreit – der ist aber seit Jahren aufgehoben. Auch jetzt wieder. Okay, Bayer Leverkusen hatte niemand ernsthaft auf dem Schirm, aber die Werkself schien stabil unter Coach Gerardo Seoane. Platz drei in der Vorsaison, Team zusammengehalten, Toptorjäger Patrik Schick gebunden – vielleicht eine Überraschung im Bayern-Jahr eins nach Lewandowski? Die Zwischenbilanz: vier Pflichtspiele, vier Niederlagen. Schlechter geht’s nicht. Es fällt auf: Die Sorglosigkeit, der Wankelmut, die alten Bayer-Krankheiten also, schlagen voll durch. Nur am Abgang von Papa Rudi wird’s wohl nicht liegen.

Oder RB Leipzig: Schienen ganz gut aufgestellt, die Bullen. Verlängern mit Shootingstar Christopher Nkunku, holen den veranlagten David Raum und auch noch Nationalstürmer Timo Werner – und nun? Drei Spiele, zwei Punkte. Ups. „Ein beschissener Start“, polterte Boss Oliver Mintzlaff schon vor der Niederlage bei Union. Was läuft falsch? Hinten wackelt’s, vorne schnackelt’s – nicht. Zudem: Stars wie André Silva murren wegen der neuen Rolle als Bankdrücker. Nicht einfach für den Trainer, den blassen Domenico Tedesco, der immer stärker in die Kritik gerät und zunehmend dünnhäutig reagiert. Dass er für eine Mannschaft auf diesem Niveau geeignet ist, muss der Ex-Schalker noch nachweisen. Zweifel sind angezeigt.

Und dann sind da ja noch die Dortmunder, die zwar sechs Punkte, aber noch nicht ein einziges überzeugendes Spiel abgeliefert haben. Die 2:3-Pleite nach 2:0-Führung gegen Werder war keine Sensation, sondern ein gerechtes Ergebnis. Mit dem derzeitigen Personal (Wolf, Bynoe-Gittens, Modeste) und grotesk schwachen Auftritten von Führungsspielern wie Emre Can oder Niklas Süle ist der BVB so weit weg vom Titel wie, sagen wir, Brasilien von Deutschland. Alles wie immer also.

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