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Muss sich im Moment viel Kritik stellen: Bundestrainer Joachim Löw.

Kommentar

Waidwund in den Winter

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Die Sehnsucht nach stolzen Tagen ist groß beim DFB – doch durchwachsene Leistungen der Nationalmannschaft und neuer Steuer-Ärger lassen den Verband nicht zur Ruhe kommen. Ein Kommentar.

Eigentlich war der Herbst beim DFB in etwa so geplant: Nettes Beieinander zum einjährigen Dienstjubiläum des Präsidenten, zwei Siege gegen Spanien und die Schweiz im September, husch, husch, drei Erfolge gegen Türken, Ukrainer und Eidgenossen im Oktober, sodann ein wenig entspannter das Geld zählen, das durch die Partien dringend in die Kasse musste, schließlich im November die Nations League in Leipzig gegen die Ukraine und in Spanien sichern und zuvor noch in Freundschaft gegen Tschechien gewinnen. Das alles hübsch umrahmt von in die zurückkehrenden Fans und einem flotten Auftritt bei Jauchs „Wer wird Millionär?“.

Stattdessen: Unentschiedenserie, Gegentore am Fließband, noch dazu besonders schmerzlich in Schlussphasen, Steuerrazzia, Rummenigge-Rundumschlag, Bundestrainer-Joachim-Löw-Debatte und obendrauf Corona wieder so akut, dass niemand mehr rein darf. Immerhin keine Blamage bei Jauch. Aber so angespannt, wie Olli Bierhoff dort aussah, genauso angespannt geht es gerade zu beim DFB.

Präsident Fritz Keller hat das schon erfühlt und Zeilen des Trostes aus dem Baukasten der Mitarbeitermotivation an alle Leute in den von der Staatsanwaltschaft heimgesuchten Büros verfassen lassen: „Bitte lasst uns unsere positive Herangehensweise beibehalten. Herausforderungen sind ein Privileg und wenn wir den Wandel positiv gestalten, wird es uns auch gelingen, Vertrauen und Glaubwürdigkeit zurückzuholen. Vielen Dank für Euer Engagement und Euren Einsatz!“

Die neuerliche Razzia hat viele der leidgeprüften Verbandsmitarbeiter schmerzlich in Erinnerung gerufen, wie ramponiert der Ruf des DFB ist und wie groß das generelle Misstrauen. Die Sehnsucht nach stolzen Tagen ist groß. Sie wird derzeit von niemandem gestillt. Auch Joachim Löw gelingt das schon geraume Zeit nicht mehr. Der DFB humpelt waidwund in den Winter.

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