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Thomas Hitzlsperger sagt inzwischen, er habe sein Outing nie bereut, im Gegenteil.

Coming out

Wahrheit oder Fake-Accounts?

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Vorgeblich schwule Bundesligaspieler kündigen Coming out an.

Hierzulande hat sich bislang nur ein prominenter Fußballprofi als schwul geoutet. Der ehemalige Nationalspieler Thomas Hitzlsperger, mittlerweile 37 Jahre alt, Vorstandschef beim VfB Stuttgart und DFB-Botschafter für Vielfalt, wagte das allerdings erst nach dem Ende seiner aktiven Karriere. Bald könnten ein oder gar zwei noch aktive Profis hinzukommen. Zweifel bleiben aber, ob eines oder beide Twitter-Accounts keine Fakes sind.

Am Mittwoch kündigte der Nutzer des Accounts „gay_Bundesligaspieler“ an: „Ich bin ein schwuler Spieler der 2. Bundesliga. Ich möchte mich bald outen, um das Versteckspiel zu beenden. Ich teste hier, ob ich den Druck aushalten kann.“ Aber hunderte Kommentare anderer Nutzer folgten. Der vorgebliche Zweitligaspieler reagierte am Freitag: „Hallo, vielen Dank für euren tollen Support! Sehr überrascht hat mich, dass es so viele positive Stimmen gab! Ich bin aber trotzdem SEHR aufgeregt, denn wenn ich mich jetzt oute, bin ich mir nicht sicher, ob meine Freunde, Familie und Teamkollegen zu mir halten.“ Und: „Auch über den Anschlussvertrag mache ich mir Sorgen. Ganz abgesehen von Sorgen über Drohungen. Warum ich das hier trotzdem mache? Es geht darum, die berechtigte Neugier zu stillen, denn es wurde zu lange zu diesem eigentlich ganz normalen Thema geschwiegen!“

Sein bislang letzter Tweet: „So wird sich (hoffentlich) das mediale Interesse in langer Sicht verringern und ich kann mich an die Situation gewöhnen. Wenn ich mich dann oute, wird es eine Kamera am Spielfeldrand geben. Dann werde ich sagen, dass ich schwul bin, dass ich alle Fragen hier schon beantwortet habe und jetzt gerne weiter trainieren würde. Alles Weitere könnte dann mein Sprecher beantworten. Das war’s! Und vielleicht werden ja jetzt noch mehr schwule Spieler anfangen zu twittern.“

Tatsächlich meldete sich am Samstag „Gay_1LigaSpieler“, der schrieb: „Hallo ihr Lieben, ich bin ein Bundesligaspieler (1. BuLi) und habe nach der schlaflosen Nacht heute für mich entschieden, dass ich für mich diesem Versteckspiel endlich ein Ende bereiten möchte und mein Coming out noch in diesem Oktober vollziehen möchte.“

Die Reaktionen auf „gay_Bundesligaspieler“ waren breit gefächert: Von „Ich wünsche Dir die Kraft und den Mut“ bis „Ich denke auch Fake. Keiner eiert derart rum, wenn es ihm ernst ist. Oute Dich JETZT oder lass es sein.“ Einer schrieb: „Der größte Fehler, den die Weltmeistermannschaft 2014 gemacht hat!? Dass sich die gay_Bundesligaspieler von damals nicht gemeinsam hingestellt und gesagt haben: „Wir sind gay UND Weltmeister“. Es gab keinen besseren Zeitpunkt. Feige vertan!“

Thomas Hitzlsperger sagt inzwischen, er habe sein Outing nie bereut, im Gegenteil: Er habe andere ermutigt, den Schritt selbst zu gehen – allerdings bislang nur aus dem Amateurlager. „Offene Homophobie erlebe ich so gut wie nie.“ Aber er ist auch nicht mehr auf dem Platz unterwegs.

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