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Alphatiere unter sich: Jürgen Klopp (li.) und Julian Nagelsmann im Sommer 2017 an der Anfield Road. afp
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Alphatiere unter sich: Jürgen Klopp (li.) und Julian Nagelsmann im Sommer 2017 an der Anfield Road. afp

Leipzig und Liverpool

Wacklige Fundamente

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Die Trainer Julian Nagelsmann und Jürgen Klopp sind darum bemüht, unterschiedlichste Probleme von ihren Klubs RB Leipzig und dem FC Liverpool fernzuhalten.

Julian Nagelsmann will sich eigentlich nicht anmaßen, über die Arbeit von Jürgen Klopp zu urteilen. Um über den Meistermacher des FC Liverpool zu sprechen, müsse er mehr Hintergründe des täglichen Tuns kennen. Aber sagen konnte der Trainer von RB Leipzig immerhin dies: Als der Kollege bei Mainz, Dortmund oder Liverpool anfing, habe es anfangs „nicht extrem rosig“ ausgesehen, bald darauf habe der Menschenfänger diese Klubs nicht nur sportlich nach oben geführt, sondern sei überall auch als „guter Typ bei den Spielern, als guter Geist auf der Geschäftsstelle“ angekommen – und vielleicht zähle das rückblickend sogar mehr als so mancher Titel. Ergo: „Wie er Menschen führt und begeistert, da kann man sich schon etwas abschauen.“

Klopp (53) gibt das Lob postwendend an den 33-Jährigen zurück und lobt dessen Variabilität: „Er ist jetzt schon ein herausragender Trainer. Und wird in Zukunft das Ding noch richtig mitbestimmen.“ Normalerweise wäre das anstehende Champions-League-Achtelfinale zwischen dem Bundesliga-Zweiten RB Leipzig und dem in der Premier League schwer ins Straucheln geratenen FC Liverpool (Dienstag, 21 Uhr/Dazn) wie gemacht dafür, das Duell auf die ziemlich unterschiedlich tickenden Figuren an der Trainerbank zu reduzieren. Was sich aber schon durch die Verlegung nach Budapest verbietet, weil eine sportpolitische Ebene mitspielt, die weit über den Fußball hinausreicht.

Aus Furcht vor einer Ausbreitung der mutierten Virus-Varianten untersagt Deutschland ohne Ausnahmen Einreisen aus Großbritannien. Viele Politiker:innen stören sich immens an der Stringenz, mit der die Dachorganisation Uefa die Europapokalwettbewerbe durchzieht.

Nagelsmann hatte zwar am Montag im „Kicker“ gesagt, es sei „zumindest nachvollziehbar“, die Austragung fast 800 Kilometer entfernt vom Ursprungsort zu hinterfragen, wollte sich aber auf der Pressekonferenz etwa zum Disput zwischen Bayern-Trainer Hansi Flick und SPD-Politiker Karl Lauterbach nicht äußern: „Ich enthalte mich dieser Diskussion.“ Die sehr wahrscheinlich auch zum Zeitpunkt des Rückspiels (10. März) gültige Corona-Schutzverordnung in Sachsen zwingt wohl auch den englischen Meister noch zur Suche einer Ausweichspielstätte irgendwo in Europa, denn Leipzig müsste aktuell sonst für zwei Wochen in Quarantäne.

Für RB-Keeper Peter Gulacsi haben beide Kontrahenten nun in der für die kommende EM erbauten Puskas-Arena „ein Auswärtsspiel“, wobei er als einer von drei ungarischen Nationalspielern beim Brauseklub dort schon die EM-Qualifikation geschafft hat. „Ich bin deshalb hoffnungsvoll“, beschied der gerne unterschätzte Ballfänger, der im Vorjahr am Vorstoß bis ins Champions-League-Halbfinale gehörigen Anteil hatte. Der 32-Jährige verbrachte zudem sechs Lehrjahre in Liverpool, kennt aber aus seiner Anfangszeit als Profi allein noch Kapitän Jordan Henderson, der laut Nagelsmann im Geisterspielbetrieb eine Schlüsselrolle einnimmt, weil er „jede Situation kommentieren und coachen“ würde.

Henderson und Klopp sind auch für die Öffentlichkeit die Sprachrohre der „Reds“, wobei vor allem der Trainer am Montagnachmittag die digitale Fragestunde mit deutschen Journalisten nutzte, um - teils ausführlich in seiner Heimatsprache - die Umstände der Formkrise nicht dramatischer zu schildern, als sie sind. Auch wenn drei Liganiederlagen in Serie und fünf von sieben nicht gewonnene Pflichtspiele für Alarmstimmung an der erfolgsverwöhnten Anfield Road sorgen. „Die Sachen laufen nicht in unserem Interesse. Wir machen die Fehler nicht absichtlich“, konstatierte Klopp. „Wir verlieren nicht, weil wir schlechten Fußball spielen.“ Der sei nach seinem Dafürhalten immer noch teilweise herausragend, doch um die Missstände bei seiner Mannschaft redete der Welttrainer dann nicht herum: „Fußball ist wie ein Hausbau. Wenn das Fundament nicht steht, wackelt das ganze Haus.“

Der zuletzt arg fehlerhafte Torhüter Alisson und der verletzte Virgil van Dijk waren ja nicht umsonst Eckpfeiler der Meisterelf. Keiner würde in Liverpool gerade Tatsachen ignorieren, „was die Ergebnisse betrifft“, sagte Klopp, der sich aber energisch gegen die Vermutung stellte, der Tod seiner Mutter Elisabeth belaste ihn so sehr, dass er sogar an Rücktritt gedacht habe. Sein Replik dazu: „Das stimmt nicht. Ich brauche keine Pause. Wir hatten privat eine schwere Zeit, aber das zog sich über einen Zeitraum hin, und wir haben das als Familie geschafft. Ich bin lange genug Trainer: Privatsphäre und Arbeit kann ich trennen. Ich sehe vielleicht nicht so gut aus, der Bart wird grauer, ich bin blass, ich schlafe auch nicht gut, aber es muss sich niemand um mich Sorgen machen.“

Im Grunde sind also beide Trainer damit beschäftigt, negative Schwingungen von ihrem Team fernzuhalten. Bei Nagelsmann spielt schließlich noch hinein, dass er im August 2017 in den Champions-League-Playoffs mit der TSG Hoffenheim an Liverpool scheiterte. Gnadenlos war er in seinem ersten Europapokalspiel seiner offensiven Grundausrichtung gefolgt. Unterhaltungswert und Tempo waren immens, doch unter dem Strich setzte sich das Klopp-Team deutlich (2:1, 4:2) durch - und verlor am Ende erst das Champions-League-Endspiel gegen Real Madrid wegen des kolossal patzenden Torwarts Loris Karius.

„Wir hatten ein herausragendes Hinspiel, tolle Chancen, dann macht Trent Alexander-Arnold mit einem Freistoß sein erstes Profitor“, erinnerte sich Nagelsmann an das erste Duell mit Klopp. „Liverpool hat sich seitdem total verändert, Leipzig sehe ich deutlich weiter als Hoffenheim.“ Deshalb sei das, was damals in Sinsheim passierte, so der Leipziger Fußballlehrer, für die Gegenwart „völlig scheißegal“.

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